Konferenz

Der Klimawandel erschwert den Weinbau

Weinbau in Franken
Ludwiga Friedl
Ludwiga Friedl
am Mittwoch, 09.06.2021 - 10:21

Mit Spätfrost gibt es immer wieder Probleme, weil die Reben früher austreiben. Das sind nicht die einzigen Herausforderungen.

Veitshöchheim/Lks. Würzburg Weinbau in Zeiten des Klimawandels war das Thema von Dr. Daniel Heßdörfer vom Institut für Weinbau und Oenologie. Es fand im Rahmen der Online-Vortragsreihe „Landwirtschaft und Umwelt im Dialog“ statt. Diesen Dialog haben die beiden Grünen-Landtagsabgeordneten Gisela Sengl und Rosi Steinberger ins Leben gerufen, nachdem sie vom „Runden Tisch“ mit Alois Glück begeistert waren. In jedem Regierungsbezirk fand eine solche Abendveranstaltung mit jeweils einem Wissenschaftler und einem Praktiker-Vortrag sowie anschließender Diskussion statt.

„Das Klima ist rauer geworden“, sagte Dr. Heßdörfer. Er zeigte Bilder von Sonnenbrand an Bacchus-Trauben, die praktisch am Stock verkocht sind und zum Totalausfall führten. Auch mit Spätfrost gebe es immer wieder Probleme, weil die Reben früher austreiben.

2020 habe es frankenweit große Probleme gegeben. Hinzu komme massiver Trockenstress in den Rebanlagen, gepaart mit Hitze, die zu gesteigerten Verdunstungsraten führe. Weinbau in Zeiten des Klimawandel sei also nichts Neues. Auch örtliche Starkniederschläge im Sommer und eine frühere Lese seien Veränderungen, die eigentlich bis 2040 prognostiziert wurden, doch bereits jetzt Realität seien.

Anpassungsstrategien sind gefragt

„Wir brauchen Anpassungsstrategien, um die Resilienz unserer Weinberge zu steigern“, sagte er. Neue Rebsorten und/oder Unterlagen seien dabei nur bedingt eine Lösung. Denn frühreife Rebsorten seien stark vom Klimawandel betroffen. Im Versuchsanbau würden auch mediterrane Rebsorten getestet, allerdings sei der Wechsel nicht einfach. Trockenstresstolerantere Unterlagen seien eine Möglichkeit.

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Weil die Vermarktungsstruktur in Franken auf 80% Weißwein festgelegt sei, könne man nicht einfach auf Rotwein umschwenken.

Bei der Fahrgassenbegrünung sei bereits sehr viel gemacht worden. Sie biete Schutz gegen Erosion, stärke die Reben, erhöhe die Biodiversität sowie den Humus und CO2-Gehalt im Boden.

Ressourcenschonende Bewässerung sei grundsätzlich Tröpfchenbewässerung. „Dabei wollen wir ganz gezielt einen moderaten Trockenstress“, erklärte Heßdörder, denn dadurch würden vermehrt wertgebende Inhaltsstoffe eingelagert und die Qualität der Weine gesichert.

Die Steillagen mit weniger als 50 cm Bodenauflage heizen sich besonders auf. „Ohne zusätzliche Bewässerung droht die Aufgabe des traditionellen Weinbaus“, sagte er und wies darauf hin, dass jährlich rund 3,24 Mrd.€ Wertschöpfung durch den Weintourismus generiert würden. Weil die Touristen wegen der schönen Weinkulturlandschaft kämen, sei der Anpassungsbedarf an den Klimawandel die größte Herausforderung seit der Reblaus.

Eine große Herausforderung

Rede und Antwort stand auch Hermann Dumbsky, der in Volkach ein biologisches Weingut und eine Landwirtschaft mit Tierhaltung führt. „Die neun ha, die wir seit zehn Jahren biologisch bewirtschaften, sind eine große Herausforderung, aber der richtige Weg“, sagte er. Sein Ziel sei ein gesunder Boden mit guter Humusversorgung.

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Weil sein Vater noch viel Thomasphosphat gedüngt habe, wiesen die Flächen sehr hohe Kali- und Phosphatwerte auf. „Wir müssen versuchen, den Dünger aufzuschließen und pflanzenverfügbar zu machen“, sagte er. Organische Düngung ist für ihn ein Kreislauf. „Bei uns wird der Mist kompostiert und ausgebracht“, sagte Dumbsky, der zusammen mit Leguminosen eine gute Stickstoffversorgung erreicht.

Im Anschluss an die beiden kurzen Vorträge konnten im Chat Fragen gestellt werden, die von Rosi Steinberger vorgelesen wurden. „Wie hoch ist das Potenzial hitzetoleranterer Rebsorten?“ Heßdörfer antwortete: „Relativ hoch in unseren Steillagen.“ Doch die mediterranen Rebsorten hätten den Nachteil, dass sie sehr früh austreiben und dann in Spätfrostgefahr geraten. Es bestehe schon die Möglichkeit, auf schwächeren Standorten Rebsorten anzubauen, die eine höhere Wärmesumme brauchen. Jedoch sei Bodenfrost auch in Flachlagen eine Gefahr.

Strukturelemente werten die Landschaft auf

Im Thüngersheimer Scharlachberg wurde die Lage klimafit gemacht, indem großer Stellenwert auf Biodiversität gelegt wird. Lesesteinriegel, Totholz, begrünte Wegränder oder Strukturen um die Rebzeilen nannte Dr. Heßdörfer als Beispiele.

Nächste Frage: „Woher soll die Bewässerung kommen?“ Der Wasserstand im Main sei schon extrem niedrig. „6200 ha bewässern wird extrem schwer“, sagte der Experte. „Wir nehmen kein Grundwasser, denn die Trinkwasserversorgung geht vor.“ Auf der Suche nach sinnvollen Konzepten seien die Veitshöchheimer Fachleute viel gereist und hätten sich weltweit erfolgreiche Konzepte angesehen. Herausgekommen seien Konzepte, für die Niederschlagswasser und Oberflächenwasser in den Wintermonaten antizyklisch entnommen und für die Sommermonate gespeichert werden. Dazu nötig seien Filter- und Transportsysteme.

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„Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen konventionellen und Biobetrieben?“, wurde Dumpsky gefragt, der 3,5 ha im Bewässerungssystem vinaqua in Volkach hat. „Wir speichern im Winter und betropfen moderat im Sommer“, sagte er. 35 l pro m² und Jahr würden im Durchschnitt betropft. „Ich habe Qualitätsmäßig noch keinen Unterschied gemerkt – allerdings hätte ich in der Steillage eine Riesenproblem ohne die Bewässerungsmöglichkeit.“ Dann wachse keine Begrünung, die Befahrbarkeit lasse nach, „alles wird schwierig“. Heßdörfer betonte: „Der Klimawandel macht vor keiner Anbaumethode Halt.“

„Wenn es wärmer wird, gibt es dann keinen Weißwein mehr?“, fragte Rosi Steinberger. „Wir geben alles dafür, dass wir in 50 Jahren noch ein Silvanerland sind“, sagte Heßdörfer. Es sei die Gefahr gegeben, dass die Temperaturen noch mehr steigen. „Wir haben einen Baukasten an Anpassungsmaßnahmen.“

„Wie ist die Akzeptanz der neuen Sorten am Markt? Verlieren wir unsere Identität?“, wurde im Chat gefragt und der Experte bestätigte: „Das ist das Problem!“ Diskutiert wurde auch über Kordonerziehung, den Ersatz von 1800 ha Müller-Thurgau und erneute Flurbereinigung.

Sonderkulturen haben Bewässerungsbedarf

„Wo soll das Wasser herkommen? Die Landwirte stehen doch schon in den Startlöchern“, wurde festgestellt. Dumbsky dazu: „Wir werden nicht alle Flächen bewässern können.“ Doch für Erdbeeren, Spargel und Obst bestehe Bedarf. „Egal, was wir anbauen, wir müssen auf den Boden schauen und Humus aufbauen“, sagte er. Eine bewährte Methode sei, Kleegras anzubauen, zu kompostieren und im Weinberg auszubringen. Er habe selbst Streuobst und eine Aronia-Anlage. „Vernünftiger Obstbau geht nicht ohne Bewässerung“, meinte er. Dr. Heßdörfer pflichtete ihm bei, dass der hohe Anteil an Sonderkulturen in Franken einen zusätzlichen Bewässerungsbedarf bedeute.
„Wer soll das bezahlen?“, wurde auch gefragt. „Ohne Förderung wird es nicht gehen“, sagte Gisela Sengl. „Fehlt das Niederschlagswasser für die Grundwasserneubildung?“, wurde befürchtet. „Wir nehmen das Wasser, das auf den Wegen abläuft“, sagte Dumbsky. Kommen auch neue Schädlinge auf uns zu? „Ja, durch den Klimawandel kommen auch neue Probleme auf uns zu“, sagte Dr. Heßdörfer, „es bleibt total spannend“.