Zukunftskonferenz

Klare Antworten für die Landwirtschaft bleiben aus

Gabi Bertram
am Freitag, 10.01.2020 - 11:10

Zukunftskonferenz in Coburg zeigte die Probleme der Landwirtschaft auf.

Coburg - Die Öffentlichkeitsoffensive fortzuführen, hatte der BBV-Kreisverband Coburg zur Regionalen Zukunftskonferenz Landwirtschaft ins Gustav-Dietrich-Haus eingeladen. Die Stühle reichten kaum aus, so groß war das Interesse.

Miese Ausbildungszahlen, schlechte Stimmung in der Landwirtschaft, Bürokratie und Auflagen. Die Probleme der Bauern sind allbekannt. Dass die Bauern auf die Straße gehen, sagt Kreisobmann Martin Flohrschütz, sei kein Bauern-Jammern, sondern die reale Angst um die Zukunft bäuerlicher Betriebe. Am Podium Platz genommen hatten nicht nur Bundestagsabgeordneter Hans Michelbach (CSU) und die Landtagsabgeordneten Martin Mittag (CSU), Michael Busch (SPD) und Martin Böhm (AfD), sondern auch junge Landwirte: Axel Roth und Michael Müller.

Sie sollten die Frage beleuchten: Hat die Coburger Landwirtschaft unter den derzeitigen Rahmenbedingungen noch eine Zukunft? Dabei die europäische Agrarpolitik außen vor zu lassen, wie Flohrschütz sich wünschte, funktionierte nicht. Viele Gesetze und Verordnungen kommen aus Brüssel, und die deutschen Bauern fürchten in Anbetracht der europaweit unterschiedlichen Umsetzung um eine Wettbewerbsungleichheit.

Stopp der Verbotsvorschläge

Was die Bauern fordern und immer wieder an die politischen Entscheidungsträger herantragen, legte der Kreisobmann mit klaren Worten auf den Tisch: Stopp der Verbotsvorschläge im Aktionsprogramm Insektenschutz, her mit einem Gesellschaftsvertrag „Artenvielfalt und Landwirtschaft“, die Landwirtschaft als Teil der Lösung beim Klimaschutz einzubeziehen, Überarbeitung der Düngeverordnung, nein zum Mercosur-Abkommen, praxistaugliche Umsetzungen der Anlagenverordnung für Güllelager und Fahrsilos, Revision des Ziels der Halbierung des Pflanzenschutzeinsatzes bis 2028, wirksame Reduzierung des Flächenverbrauchs.

Ein ganzes Paket, das nicht seit gestern aktuell ist. Den Bauern, so Flohrschütz, würden immer mehr Auflagen aufgebürdet, die in der Umsetzung nicht zu schultern seien und überdies jeglicher Fachkompetenz entbehrten. Mehr Artenschutz und Biodiversität seien gesamtgesellschaftliche Aufgaben. Daraus folge auch, dass die Gesellschaft für die Erzeugung qualitativ hochwertiger Lebensmittel zahle.

Genau diese Anerkennung und Wertschätzung, so Hans Michelbach, fehle. Dafür fordert der Bundestagabgeordnete mehr Finanzmittel, vor allem aber sachorientierte und nicht ideologiegesteuerte Lösungen. „Die Leistungen der Bauern sind nicht zum Nulltarif zu haben.“ Gemeinsam Lösungen zu finden, davon ist Martin Mittag überzeugt, funktioniere, wenn die Landwirtschaft mehr in die Gesellschaft getragen werde. Dass es hier kein Miteinander gebe und die Öffentlichkeit die moderne Landwirtschaft nicht verstehe, moniert Michael Busch. „Wir haben eine Agrar­wende vor uns, die immens ist.“

Aber es gehe nicht, nur Forderungen aufzustellen, ohne Unterstützung zu gewähren. Die Image-Kampagne ist nach Buschs Meinung nicht der richtige Weg. Besser sei es, die regionale Vermarktung von Produkten zu fördern. Für die AfD sind Artenschutz- und Versöhnungsgesetz „verfassungswidrig“ und Martin Böhm fordert, wenn schon EU, dann auch gleiche Wettbewerbsbedingungen. 

Gut ausgebildet aber nicht anerkannt

Sieben Jahre Ausbildung hat der junge Landwirtschaftsmeister Axel Roth hinter sich und fühlt sich in seinem Fachwissen diskriminiert. „Wer will heute noch Landwirt werden, wenn schon die Kinder in der Schule als Bienentöter, Brunnenvergifter oder Tierquäler gemobbt werden“, fragt er und fordert von der Politik für die Bauern Zuverlässigkeit und Planungssicherheit, wenn schon Millionen von Euro investiert werden müssen. Gleiche Wettbewerbsbedingungen in der EU erwartet Michael Müller von der Politik und mehr Aufklärungsarbeit schon in den Schulen.

Das Vertrauen in die Politik ist in diesem Saal nicht allzu groß. Man zweifelt Messwerte bei Nitrat an, fordert Nachjustierungen bei Messstellen und ausgewiesenen Roten Gebieten sowie mehr Transparenz, aber auch endlich praktikable Verfahren bei der Umsetzung der Anlagenverordnung und eine Düngeverordnung, die nicht kontraproduktiv ist. Und man unterstellt, dass nicht mit offenen Karten gespielt werde. Bei Nitratwerten müsse auch über Kläranlagen geredet werden, aber das sei wohl unpopulär, weil es hier an den Geldbeutel aller gehe. Im Herbst 2020, prophezeit der Landwirt Harald Roth, seien die Güllelager voll, weil keine neue gebaut werden.

Mittag kündigte an, dass die Messstellen in Bayern verdoppelt und Rote Gebiete besser ausgewiesen werden, auch, dass die Umsetzung der Anlagenverordnung vorangetrieben werde und Ausnahmegenehmigungen möglich seien. Mit der Ausweisung der Roten Gebiete und der Düngeverordnung, prangert Landwirt Christian Flohrschütz, Vorstand der Weizenerzeugergemeinschaft, an, „nehmt ihr uns die Grundlage für die Produktion hochwertigen Weizens“. 

Volker Fleischmann fordert faire Rahmenbedingungen für die Landwirte, Timo Forkel fragt, was fachliche Ausbildung und Praxis überhaupt noch zähle, und Harald Roth meint, dass alle Verordnungen nur kleine Betriebe zum Aufgeben zwingen und die großen stärken. LLD Harald Weber vom AELF Coburg spricht von einem deutlichen Rückgang der Betriebe vor allem in der Schweinehaltung und moniert die handwerklichen Fehler bei der Umsetzung von Verordnungen. Allein die bautechnische Nachbearbeitung der Anlagenverordnung dauere jetzt schon zwei Jahre.

Vom Podium kommen Statements für die Existenzsicherung der Landwirte, für bessere Rahmenbedingungen, für höhere Wertschätzung oder Entbürokratisierung, aber auch für die gesellschaftliche Gesamtverantwortung für Klima- und Artenschutz. Auf die Frage der Regionalen Zukunftskonferenz, wie  denn nun die Zukunft der Landwirtschaft aussehe, gibt es indes keine klaren Antworten. Am Ende ist nicht nur Axel Roth enttäuscht von den Politikern. Der Dialog wird weitergehen müssen.