Forst

Keine Zukunft für Fichten

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Lorenz Märtl
am Dienstag, 21.07.2020 - 11:33

Borkenkäferplage: Bedrohung auf einem noch höheren Niveau als in den letzten Jahren.

Ein Winzling, nur ein paar Millimeter groß, treibt in den Wäldern sein Unwesen und bringt Waldbesitzer und Forstleute zur Verzweiflung: der Borkenkäfer.

Der Klimawandel, der seine explosionsartige Vermehrung zusätzlich begünstigt, sorgt dafür, dass sich das Bild des Waldes nachhaltig ändert – auch im Landkreis Nürnberger Land, eine der waldreichsten Gegenden Bayerns.

Vor allem für einige der Hauptbaumarten wie Kiefer und Fichte sieht es hier für die Zukunft alles andere als rosig aus.

Die aktuelle Situation bereitet Dr. Steffen Taeger, Abteilungsleiter der Forstverwaltung des AELF Roth-Hersbruck ganz besondere Sorge, denn die Bedrohung ist auf einem noch höheren Niveau als in den letzten Jahren. Innerhalb einer Woche wurden an der Messstelle in Offenhausen über 10 000 Käfer gefangen.

Regelmäßige Kontrolle ernst nehmen

Die zuständigen Fachstellen appellieren an alle Waldbesitzer, ihre gesetzliche Verpflichtung der regelmäßigen Kontrolle ernst zu nehmen, denn weder die sechs Revierleiter der Forstverwaltung noch die forstlichen Mitarbeiter der Forstbetriebsgemeinschaft Nürnberger Land können dies flächendeckend bewerkstelligen.

Bevorzugte Anflugziele des Borkenkäfers sind aber auch jene Fichten, die durch die Sturmereignisse Anfang des Jahres vor allem in den nördlichen Revieren Schnaittach und Vorra fielen.

Ein Schwerpunkt ist der Moritzberg, während es im südlichen Landkreis, in dem es auch noch größere Fichtenblöcke gibt, noch relativ ruhig ist. Befallene Bäume müssen daher schnellstmöglich aus dem Wald entfernt werden, was angesichts eines absolut am Boden liegenden Holzmarktes für den Waldbesitzer einen Riesenwertverlust bedeutet.

Zwar wären momentan viele Hiebe noch kostendeckend, die Tendenz zeige jedoch nach unten. Umso wichtiger sei es deshalb, aktiv zu werden, um noch größere Schäden zu verhindern.

Für die Fichte auf Dauer keine Zukunft

Speziell am Moritzberg sieht Taeger für die Fichte auf Dauer keine Zukunft. Revierförster Michael Bayerer präzisiert dahingehend, „dass wir hier in fünf Jahren keine Fichten mehr haben.“ Das sei vielen noch nicht bewusst, weil neue Nester immer schnell entfernt werden.

„Die Leute würden erschrecken, wenn das alles stehen bliebe und nicht beseitigt wird.“ Das bestätigt auch Försterin Michaela Ehmann von der Forstbetriebsgemeinschaft, die hier einige Waldbesitzer betreut.

Naturverjüngung und Nachpflanzen von Baumarten, die besser mit dem Klimawandel zurechtkommen, heißt deshalb die Devise.

Vor diesem Hintergrund nehme auch die Bedeutung der Jagd zu. Die Unterstützung der Jäger sei dringend notwendig. Es sei unmöglich, die großen Schadflächen komplett einzuzäunen.

Steffen Taeger bezeichnet den Weg des hier angestrebten Waldumbaus als Anreicherungskultur: die Flächen nicht sich selbst überlassen, sondern im Kern mit Baumarten anreichern, auf die man eigentlich setzen will.

 

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Beratung und Hilfe

Da die Bekämpfung des Borkenkäfers und der Erhalt der Wälder im Interesse der gesamten Gesellschaft liegen, unterstützt die Staatsregierung die Waldbesitzer bei dieser riesigen Herausforderung mit erheblichen finanziellen Mitteln.

Detaillierte Infos zur Borkenkäferbekämpfung, zu den Fördermöglichkeiten und den Ansprechpartnern finden sich unter www.aelf-rh.bayern.de (Tel. 09151-7270). Behilflich ist auch die Forstbetriebsgemeinschaft Nürnberger Land unter www.fbg-nuernbergerland.de (Tel. 09151-822350).