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Ernntedank

Keine Höchstleistung zu Tiefstpreisen

Kulmbach
Stephan Herbert Fuchs
am Montag, 28.10.2019 - 11:26

Beim Kulmbacher Kreiserntedankfest gab es Kritik an der „großen Politik“.

Himmelkron/Lks. Kulmbach - Die schlechte Ernte im Landkreis Kulmbach haben Vertreter der Politik und des Bauernverbandes beim Kreiserntedank in Himmelkron beklagt. Speziell im Kulmbacher Land seien Trockenheit und Dürre besonders ausgeprägt gewesen, sagte Kreisobmann Wilfried Löwinger.

Löwinger sprach von einer erneut außergewöhnlichen Hitzeperiode von Ende Mai bis Ende August. Die bis dato guten Bestände seien dahin gewesen. Der Kreisobmann bezifferte die Ertragsausfälle beim Weizen im Landkreis Kulmbach auf 30 %, bei der „Königsfrucht“, der Braugerste, sogar auf 50 %. Als regelrechte Naturkatastrophe bezeichnete er den Zustand der Wälder. Ohne entsprechende staatliche Programme werde keine Aufforstung möglich sein.

Der „großen Politik“, wie es Löwinger nannte, zu danken, falle schwer. Zu sehr bestimmten Ideologie, Aktionismus, Populismus und Geschäftemacherei das Geschehen, fachliches Wissen bleibe auf der Strecke. Zuvor hatte schon der stellvertretende Kreisobmann und Himmelkroner Ortsobmann Harald Peetz mahnende Worte an die Politik gerichtet. Er sprach von vielen meist praxisfremden und unsinnigen Auflagen. Vor dem Hintergrund des Volksbegehrens seien auch die Parteien mittlerweile der einseitigen Berichterstattung in den Medien verfallen.

Es geht um die gesellschaftliche Akzeptanz

In Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft habe man in Sachen Volksbegehren vieles abfedern können, verteidigte sich der örtliche Stimmkreisabgeordnete Martin Schöffel (CSU), stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses im Landtag. Alle Beteiligten hätten einen Schritt aufeinander zugemacht, alle Seiten seien berücksichtigt worden.

Für Schöffel steht es nun an erster Stelle, die gesellschaftliche Akzeptanz wiederherzustellen. „Da hilft es nur, aufeinander zuzugehen“, sagte er. Aus der Verteidigung heraus könne man ein Spiel nicht gewinnen, zog er eine Parallele zum Fußball. Der Abgeordnete kündigte an, mehr Aufklärung über die Landwirtschaft sowie über Ernährung und Alltagskompetenzen in die Schulen zu bringen. In einem weiteren Vorhaben soll speziell die Großstadtbevölkerung informiert und emotional an die Landwirtschaft herangeführt werden. „Andernfalls verlieren wir das wichtigste, was wir haben, und das ist die heimische Nahrungsmittelproduktion“. Doch viele Menschen realisierten überhaupt nicht mehr, wie Landwirtschaft wirklich funktioniert. Grund dafür: Die Regale der Discounter seien immer voll. Doch Höchstleistung zu Tiefstpreisen sei eben nicht möglich. Daneben müssten die Bauern auch das produzieren, was der Markt abnimmt, und das seien eben mal nicht 100 % bio, sondern nur 10 %.

Im weltweiten Vergleich lägen wir bei den Standards für Qualität, Umwelt- und Tierschutz auf ganz hohem Niveau, sagte die stellvertretende Kulmbacher Landrätin Christina Flauder (SPD). Nur nachhaltig bewirtschaftete Äcker würden auch gute Ernten hervorbringen, nur nachhaltig betriebene Tierhaltung sei eine Tierhaltung im Respekt vor dem Mitgeschöpf. Der sorgsame Umgang mit der Natur und der Schöpfung sei für Landwirte nicht nur Verpflichtung sondern lebensnotwendig.

Zum Kulmbacher Kreiserntedank in der Himmelkroner Frankenfarm gehörte neben Auftritten des Landfrauenchors auch der geistliche Rahemn durch Pfarrer Michael Krug.