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Weinbau

Im Jahr 2019 – wenig Wein, aber guter

Franken
Regierung Unterfranken
am Montag, 03.08.2020 - 09:59

Zwischenbilanz für das 1. Halbjahr 2020 bei der Qualitätsprüfung für Weine

Wenig, aber guten Wein hat das Jahr 2019 gebracht. Das schreibt die Regierung von Unterfranken in ihrer Zwischenbilanz für das 1. Halbjahr 2020 bei der Qualitätsprüfung für Weine: Waren bereits 2018 die Sommermonate durch Hitze und Trockenheit geprägt, so änderte sich daran im Jahr 2019 nichts. Ein gravierender Unterschied zeigte sich aber im Herbst bei der Lese. Konnte 2018 eine Erntemenge wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr vermeldet werden, so galt dies zwar auch für 2019, jedoch im umgekehrten Sinn. Wurde 2018 ein Ertrag von durchschnittlich etwas mehr als 86 hl/ha (ca. 52,5 Mio. l) erzielt, fiel 2019 die Erntemenge im fränkischen Weinbaugebiet auf wenig mehr als 56 hl/ha oder circa 33,5 Mio. l. Grund war der sich immer deutlicher abzeichnende Klimawandel.

Früher Austrieb nach mildem Winter

Zunächst erfolgte aufgrund des milden Winters ein früher Austrieb der Reben, dann machten einige Winzer in lokal eng begrenzten Bereichen (Saaletal, Hammelburg) Bekanntschaft mit Spätfrösten, was dort zu teilweise extremen Ertragsausfällen führte. Darauf folgte ein relativ kalter, sonnenarmer Mai mit einer nur geringen Befruchtungsrate der Blütenstände und schließlich führte die einsetzende mehrwöchige Hitze im Sommer mit bis zu 40 °C bei fehlendem Regen zu Trockenstress bei den Reben. Hinzu kam die hohe UV-Strahlung in den Sommermonaten, die bei den Trauben zu Sonnenbrandschäden in bislang ungekanntem Ausmaß führten.

Zusammengefasst war das Wetter im Frühjahr zunächst zu warm, dann im Mai zu kalt und im Sommer zu heiß bei insgesamt viel zu wenig Regen. Diese Witterung hatte immerhin als positive Folge, dass in den Rebzeilen nur wenig Krankheiten und kaum Schädlinge auftraten. Alles zusammen ergab einen Weinjahrgang mit einer geringen Ertragsmenge wie seit 1985 nicht mehr (damals in Folge von Frostschäden) bei einer sehr guten Qualität der daraus erzeugten Weine.

Knapp 55 % der gesamten Erntemenge geprüft

Zum Stichtag 30. 6. 2020 wurden vom Jahrgang 2019 mit rund 18,4 Mio. l Wein knapp 55 % der gesamten Erntemenge von 33,5 Mio. l in der Qualitätsprüfung für Weine geprüft. Im Vorjahr lag die geprüfte Menge mit 24,2 Mio. l zwar darüber, was bei einer Gesamternte 2018 von 52,5 Mio. l mit rund 46 % aber rechnerisch einen niedrigeren Anteil der geprüften Menge als im 1. Halbjahr 2020 ergab.

Die Qualitäts-Prüfungen selbst liefen im 1. Halbjahr 2020 ab Mitte März wegen Corona unter erschwerten Bedingungen ab. So musste die Weinprüfstelle der Regierung von Unterfranken nach dem 16./17. 3.die Weinannahme und die Kommissionssitzungen der Prüfer/innen zunächst aussetzen, weil neben der räumlichen Nähe der Weinprüfstelle zu den Räumlichkeiten des Katastrophenschutzes das Personal in Teilen im Katastrophenschutz und teilweise für die Beratung der Landratsämter und kreisfreien Städten in mit der Pandemie zusammenhängenden Rechtsfragen benötigt wurde.
Die Weinannahme wurde deshalb vorübergehend vom Fränkischen Weinbauverband und die sensorischen Prüfungen vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit übernommen. Sämtliche Verwaltungsaufgaben inclusive Bescheiderteilung verblieben aber auch in dieser Zeit in der Weinprüfstelle. Seit Mitte Mai konnten alle übertragenen Arbeiten wieder in die Weinprüfstelle der Regierung von Unterfranken zurückgenommen werden.

Gesamte Bandbreite der Qualitäten

Auch der Wein-Jahrgang 2019 brachte insgesamt nahezu die gesamte Bandbreite der Qualitäten. So wurden von ansprechenden Schoppenweinen bis hin zu edelsüßen Raritäten – ausgenommen Eiswein, der wegen des milden Winters 2019/2020 nicht erzeugt werden konnte – Weine aller Qualitätsstufen geprüft. In denPrüfungen erreichten in der Folge herausragende knapp 97 % der angestellten Weinpartien, die für gut 97 % der geprüften Weinmenge stehen, die beantragte Amtliche Prüfnummer (A.P.Nr.). Ein für den Frankenwein absolut herausragendes Ergebnis.

Von den Anträgen auf Erteilung einer A.P.Nr. betrafen nur knapp 23 % Abfüllungen im Bocksbeutel. Bocksbeutelabfüllungen machen gut 27 % der angestellten Weinmenge aus.

Silvaner als "die fränkische" Sorte

Erneut hat sich der Silvaner sehr deutlich als „die“ fränkische Rebsorte erwiesen. Nach den Zahlen zur Qualitätsprüfung für Weine liegt der Silvaner wieder weit vor dem Müller-Thurgau, der zweitwichtigsten Rebsorte hierzulande. Für Silvaner-Weine gingen über 1400 Anträge mit einer Weinmenge von rund 5,8 Mio. l ein. Das entspricht einem Anteil von 25,6 % der Anträge mit 33,4 % der Weinmenge bezogen auf die eingereichten Anträge für Weine mit Rebsortenangabe. Die entsprechenden Daten für den Müller-Thurgau lauten: Rund 900 Anträge (16,3 %) für 4,6 Mio. l Wein (26,2 %). Weitere mengenmäßig relevante Rebsorten in Franken sind Bacchus (2,53 Mio. l, 14,5 %), Riesling (0,8 Mio. l, 4,4 %) und die rote Rebsorte Domina (0,7 Mio. l, 4,1 %). Insgesamt wurden 2020 bislang Weine, erzeugt aus 64 verschiedenen Rebsorten, zur Prüfung angestellt.

Das Aufkommen an Rotlingen zeigt sich in diesem Jahr sehr stabil. Heuer wurden im 1. Halbjahr rund 2,1 Mio. l entsprechend etwa 9,9 % der Weinmenge von Weinen dieser Weinart angestellt. Rotlinge sind frische, fruchtige Sommerweine, die aus dem Verschnitt von weißen und roten Trauben gewonnen werden und insbesondere relativ leichte Schoppenweine ihre Liebhaber finden.
Der Jahrgang 2019 war im Berichtszeitraum mit 79,6 % der angestellten Weinmenge vertreten, 16,1 % entfielen auf 2018er Weine, der Rest auf ältere Jahrgänge bzw. auf Weine, die ohne Jahrgangsangabe zur Prüfung kamen.

Weinbaubetriebe verzichten ihre trocken ausgebauten Weine anzustellen

Im 1. Halbjahr 2020 absolvierten bislang rund 22,5 % der Weinmenge die Qualitätsprüfungen als Prädikatsweine, ein Rückgang gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 mit damals 24,4 %. Dieser Rückgang ist damit zu erklären, dass immer mehr Weinbaubetriebe darauf verzichten ihre trocken ausgebauten Weine als Prädikatsweine zur Qualitätsprüfung anzustellen, obwohl die Weine dafür die Voraussetzungen an sich erfüllen. Dies geschieht weil sich der Weinmarkt auf Grund der Vorgaben der EU insoweit derzeit in einem Umbruch hin zu einem Herkunftssystem befindet. In der deutschen Ausprägung ist danach zwar auch künftig die Verwendung der Prädikate rechtlich zulässig und wird insbesondere bei den lieblichen und süßen Weinen beibehalten, verliert aber insgesamt zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung.

Mit lediglich 36 Anträgen (73 700 l) auf Sektprüfung – nach 50 Anträgen (117 900 l) im Vergleichszeitraum 2019 – war von niedrigem Niveau ausgehend ein deutlicher Rückgang an geprüften Sekten zu verzeichnen.