Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Rinderzucht

Wie das ideale Stierkalb aussieht

Kälbermarkt in Ansbach: Mit mehr als 20 000 versteigerten Kälbern gehört der Marktstandort zu den größten in Bayern.
Thumbnail
Christine Kohlmann
am Dienstag, 17.01.2023 - 09:54

Männliche Fleckviehkälber sind gefragt und bescheren ihren Züchtern gute Erlöse. Stephan Treitiger von der Mangfalltaler Jungbullen EG erklärte beim Zuchtverband Franken, wie das ideale Kalb aus der Sicht des Käufers aussieht.

Triesdorf/Lks. Ansbach „Der Grundstock für die Leistungsfähigkeit des Kalbes wird im Milchviehbetrieb gelegt“, das machte Stephan Treitinger, Geschäftsführer der Mangfalltaler Jungbullen EG (MJB) bei der Jahresversammlung des Rinderzuchtverbandes Franken in Triesdorf deutlich. Er zeigte den mittelfränkischen Milchviehhaltern auf, wie das Qualitätsbullenkalb aus Käufersicht aussieht und erklärte, dass zwar nichts über gutes Fleckvieh geht, aber dass es eben nicht nur gutes Fleckvieh gibt.

Die MJB kauft jedes Jahr rund 22.000 Bullenkälber für ihre Mitgliedsbetriebe auf und achten dabei auf folgende Eigenschaften der Tiere:

  • gesund und frohwüchsig,
  • 80 bis 100 kg Lebendgewicht,
  • ganzjährig verfügbar,
  • sauber enthornt,
  • gute Mastfähigkeit.

Das Fundament muss passen

„Die Mäster wollen hohe Mastendgewichte bei ansprechender Ausformung des Schlachtkörpers“, machte der Experte deutlich. Dafür muss das Fundament der Tiere passen. Es seien in letzter Zeit vermehrt Steilstellungen bei den hinteren Gliedmaßen zu beobachten, man müsse daher unbedingt auf eine korrekte Fesselung achten, betonte Treitinger. „Mittlerweile sind beim Fleckvieh in einem jugendlichen Alter von 18 Monaten Mastendgewichte von 800 kg realisierbar. Doch dafür sind einwandfreie Fundamente nötig“, erklärte er weiter.

Nur gesunde Kälber auf den Markt bringen

Der Geschäftsführer der MJB erinnerte daran, dass nur gesunde Kälber aufgetrieben werden sollen: „Ein vollständiges Ausheilen eventueller Erkrankungen ist ganz wichtig, um Folgeschäden oder Leistungseinbußen zu vermeiden.“ Auch der Nabel müsse rechtzeitig vor dem Verkauf kontrolliert werden, damit man noch reagieren kann. Ein Lob sprach der Vermarkter den fränkischen Züchtern hinsichtlich der fachgerechten Enthornung aus: „Der Zuchtverband Franken war mit der erste Verband, der es geschafft hat, dass mehr als 90 Prozent der Kälber auf den Märkten sauber enthornt sind.“

Er machte die Züchter aber auch auf ein Problem aufmerksam, das sich erst in den vergangenen Wochen eingeschlichen hat: „Auf den Ansbacher Märkten wurden in den letzten Wochen immer wieder zu junge und zu leichte Kälber angeboten“, berichtete Treitinger. „Wir als Vermarkter haben die allergrößten Schwierigkeiten mit diesen Kälbern, weil sie mehr Pflege und mehr Fürsorge brauchen und nicht in das System für Kälber mit 80 bis 90 kg Lebendgewicht passen.“

Mindestens 80 kg schwer müssen die Kälber sein

Die Milchviehbetriebe bekamen für diese Kälber nicht annähernd die gleichen Erlöse wie für ein 80-kg-Kalb. Den Preisunterschied verdeutlichte mit zwei Abrechnungen: Das Kalb mit einem Lebendgewicht von 72 kg erlöste lediglich 250 € und für das 87 kg-Kalb zahlte die MJB 420 € auf dem Kälbermarkt am 14. Dezember 2022 in Ansbach. „Das ist ein Preisunterschied von 170 €“, betonte Treitinger. Er rechnete den Milchviehhaltern vor, dass für 170 € 68 kg Milchaustauscher (MAT) zu bekommen sind. Wenn man ein Bullenkalb aber zwei Wochen länger, bis zum nächsten Kälbermarkt hält, benötigt man nur rund 17 kg MAT (1,2 kg/Tag), bei einem Preis von 2,50 €/kg sind das Mehrkosten von nur 42 €.

Gleichzeitig werden in Ansbach kaum Kälber angeboten, die älter als 8 Wochen sind. Nach einer Wortmeldung aus dem Publikum, dass es bei diesen Kälbern auch deutliche Preisabschläge gibt und es sich daher nicht lohnt, das Kalb so lange zu halten, erklärte Treitinger: „Wenn die älteren Kälber in den Ring kommen, sind viele Käufer schon weg. Sie haben ihre Partie voll und es sind dann nicht mehr genug Kälber da, um eine zweite Partie anzufangen.“ Er forderte deshalb die Züchter dazu auf, ihre Bullenkälber über die Märkte in Ansbach zu verkaufen: „Wenn mehr Kälber da sind, bleiben die Käufer sitzen und fangen eine zweite oder auch eine dritte Partie an.“

Strukturwandel macht sich bemerkbar

Dass bei den Auftriebszahlen noch Luft nach oben ist, zeigte er anhand einer einfachen Rechnung: In Mittelfranken gibt es rund 80.000 Fleckviehkühe, demnach werden etwa 40.000 männliche Kälber pro Jahr geboren. Über die Märkte in Ansbach werden aber nur gut 20.000 Stück jährlich vermarktet. Gleichzeitig sorge der Strukturwandel für rückläufige Auftriebszahlen: Im Jahr 2016/17 wurden in Ansbach 26.748 Kälber vermarktet, 2021/22 waren es noch 20.187.

Es zahlt sich aus, gute Kälber zu produzieren. Das zeigte der MJB-Geschäftsführer anhand einer Auswertung, die er mit den Zahlen aus dem Vermarktungszeitraum 1. 10. 2021 bis 30. 09. 2022 der Ansbacher Märkte ausgearbeitet hat. Er hat die kg-Erlöse der vermarkteten Kälber in drei Klassen (70 bis 80 kg, 80 bis 90 kg und 90 bis 100 kg) eingeteilt und jeweils den Durchschnitt sowie die besten 25 % und die schlechtesten 25 % miteinander verglichen.

Bei einem durchschnittlichen Gewicht von 90 kg zeigte sich, dass die 25 % besten Kälber im Schnitt 105 € mehr erlöst haben als der Durchschnitt. Vergleicht man die besten 25 % mit den schlechtesten 25 % ergibt sich sogar eine Differenz von 212 € pro Kalb. Treitinger betonte: „Es lohnt sich also, wenn man den Kälbern auch Mittags noch ein paar Liter Milch hinhängt oder die Box einmal öfter ausmistet, damit die Gelenke nicht aufliegen.“