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Vorsorge

Hochwasserschutz geht alle an

Hochwasserschutz-Veitsgraben-Ködnitz
Werner Reißaus
am Montag, 30.11.2020 - 09:05

Das Problem am „Veitsgraben“ soll gemeinsam gelöst werden.

Im gemeinsamen Vorgehen mehrerer Behörden und Verbände soll das Problem am „Veitsgraben“ bei Starkregenereignissen gelöst werden. Dazu hatte Bürgermeisterin Anita Sack (FW) den Staatsminister für Umwelt- und Verbraucherschutz, Thorsten Glauber (FW) eingeladen.
Landrat Klaus Peter Söllner (FW) begrüßte das übergreifende Handeln von Wasserwirtschaft, Landwirt- und Forstwirtschaft, um zu einer gemeinsamen und für alle zufriedenstellenden Lösung zu kommen. Glauber gelangte zum Fazit: „Es geht aber nur mit den Eigentümern zusammen und das schrittweise.“ Von der Planung bis zur Umsetzung der Maßnahmen werden nach der Einschätzung des Staatsministers zehn bis 15 Jahren vergehen.

Das Programm „boden-:ständig“ soll mithelfen

Bürgermeisterin Anita Sack stellte das Programm „boden-:ständig“ zum Schutz des Wassers in der Flur als eine „Win-Win-Geschichte“ für die Kommune und die Landwirte vor: „Ich bin ein Fan von dem Programm, aber es müssen wirtschaftlich dankbare Lösungen gefunden werden auch in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft.“ In der Vergangenheit habe die Gemeinde Ködnitz auch um Hilfe durch die Initiative „boden:ständig“ der bayerischen Landwirtschaftsverwaltung angesucht, weil es in der Ortschaft Ködnitz am Ende des tief eingeschnittenen „Veitsgrabens“ mit einem Einzugsgebiet von rund 150 Hektar wiederholt bei mehreren Starkregen – zuletzt 2013 – zu Überflutungen im Ort kam, da der Kanal, in den der „Veitsgraben“ mündet, überlastet war.

Reinhard Wesinger vom Büro Geo-Team, Bayreuth, berichtete, dass sein Büro bislang im Rahmen eines integralen Hochwasser- und Rückhaltekonzepts ein Niederschlags-Abflussmodell berechnet hat. Dabei wurde das Einzugsgebiet des „Veitsgrabens“ in Hinsicht auf abflusswirksame Strukturen kartiert. Maßnahmen zur Verbesserung der Böden und Abflussstrukturen wurden aufgezeigt. Selbst bei einem Starkregenereignis, das alle zehn Jahre auftreten kann, sei die Kanalisation in Ködnitz bereits überlastet. Für einen Hochwasserschutz bei einem 100-jährigen Abflussereignis wurde vom Geo-Team ein Rückhaltevolumen von rund 10 000 Kubikmetern oder eine deutliche Vergrößerung des Kanalquerschnitts im Ort Ködnitz empfohlen.
Wesinger: „Wenn der Boden in Ordnung ist und Wasser aufnehmen kann, dann kann bei einem Starkregen weniger in die Ortschaft runter laufen.“ Das Niederschlags-Abflussmodell kommt zu dem Ergebnis, wenn die Ortschaft Ködnitz geschützt werden soll, dann ist ein Rückhalteraum notwendig.

Vorschlag für Rückhalteraum

Ein erster Vorschlag zur Schaffung eines Rückhalteraums kam von der Forstverwaltung. Wie der frühere Mitarbeiter vom Forstamt Stadtsteinach, Frank Hömberg, erklärte, wurde bereits vor sieben Jahren ein Betrag von 100 000 € „gebunkert“, um im Rahmen des Ausbaues einer Forststraße durch einen Querdamm zum Tal einen Rückhalteraum von rund 1200 m³ zu schaffen. Wie Hömberg erklärte, hat beim Starkregenereignis im Jahr 2013 ein kleiner Fischweiher lange dem Hochwasser standgehalten: „Wir hoffen darauf, dass wir zusammen mit den Grundeigentümern noch kleinere Rückhaltebecken im landwirtschaftlich genutzten Teil des Einzugsgebietes bauen können.“

Klar sei aber auch, dass „boden:ständig“ keinen Hochwasserschutz nach dem Standard der Wasserwirtschaft mit HQ 100 herstellen kann. Das machte auch Amtschef Lothar Winkler vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) deutlich. Sowohl die Verbesserung der Böden, die Bremsung des Wasserabflusses als auch die Anlage von günstig gelegenen Rückhaltungen tragen nur zur Verminderung der Abflussspitze bei. Technische Lösungen zum Schutz vor 100-jährigen Ereignissen könnten damit nur kleiner oder effektiver gestaltet werden.

Betroffene schildern Situation

Gemeinderat Willi Kolb (SPD), einer der Hauptbetroffenen bei dem Starkregenereignis im Jahr 2013, schilderte die Überflutung seines Wohnhauses. Landrat Klaus Peter Söllner war damals auch Augenzeuge dieser Überflutung und dankte der Bürgermeisterin für ihr Engagement.

Staatsminister Thorsten Glauber sagte, es gelte, Hochwasserschutz für die Bürger zu leisten. In den weiteren Statements sicherten der Bereichsleiter für Ernährung und Landwirtschaft an der Regierung von Oberfranken, Rainer Prischenk, die Leiterin des Wasserwirtschaftsamtes Hof Gabriele Merz, Forstdirektor Dr. Michael Schmidt vom AELF Kulmbach sowie BBV-Kreisobmann Wilfried Löwinger ihre Unterstützung zu. Vorrangige Aufgabe wird es jetzt sein, einen Bauentwurf durch den Gemeinderat in Auftrag zu geben.