Alte Sorten

Hirsesorte gegen alte Gerstensorte

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Fritz Arnold
am Montag, 08.10.2018 - 09:47

Ansbacher Landwirt erhält im Tausch gegen eine Hirsesorte Saatgut der Katterbacher Sommergerste.

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Der eine suchte Hirsesorten für ein Entwicklungshilfeprojekt in Afrika, der andere Reste einer ab 1905 in Katterbach gezüchteten Braugerstensorte, die sich bis um 1960 in Franken im Anbau befand – ein telefonischer Kontakt half beiden weiter. Dr. Klaus Fleißner von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft ist als Pflanzenbauexperte damit befasst, pflanzenbauliche Ressourcen zu sichern und deswegen stets auf der Suche nach historischem Sortenmaterial der wichtigsten landwirtschaftlichen Kulturarten wie Getreide, Kartoffeln, Leguminosen, Rüben, Mais und Ähnlichem. So hat er schon rund 700 alte Sorten mit regionalem Bezug in Bayern gefunden. Darunter auch die „Katterbacher Sommergerste“ und die am Gut Wahrberg bei Aurach gezüchtete Weizensorte „Wahrberger Ruf“.
Davon erfuhr Wilhelm Heubeck aus Egloffswinden von dem Experten, der als Spezialist das Genmaterial vergessener und verschwundener Nutzpflanzenarten sichert. Dr. Klaus Fleißner wiederum ist dabei, geeignete Hirsesorten für ein Projekt von „Brot für die Welt“ in Südafrika zu finden. Er kam dabei auf die Familie Heubeck-Schellenberger, die in Egloffswinden mit ihrem „Grünen Pfad“ und dem Anbau von Vogelfutter bundesweit bekannt ist.
Dort wachsen seit 15 Jahren Energiepflanzen, Urgetreidearten und vor allem 25 Hirsesorten heran. Die Erfahrungen mit den verschiedenen Hirsearten in der Flur von Egloffswinden interessieren den pflanzenbaulichen Genexperten, um daraus geeignete Zuchtstämme zu bekommen, die sich auch für den Anbau in Afrika eignen könnten.
Während der Egloffswindener Landwirt hier dem Fachmann von der Landesanstalt weiterhelfen konnte, bekam Wilhelm Heubeck eine kleine Menge Saatgut von der Katterbacher Gerste, die auf einem Versuchsfeld in Ruhstorf in Niederbayern stand, aber dieses Jahr auch sehr unter der Trockenheit litt. Auf den 10 m² am Grünen Pfad, wo Heubeck die alte Gerstensorte erstmals gesät hat, entwickelt sie sich hingegen prächtig, denn sie wurde von Zeit zu Zeit immer wieder gegossen.
Dass in Katterbach eine in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts in Franken weit verbreitete Gerstensorte gezüchtet wurde, erfuhr Heubeck von seiner früheren Nachbarin. Als „Ökonomieratstochter“ – darauf legte sie Wert – hatte sie ihm erzählt, dass ihr Vater Georg Westernacher, der ursprünglich aus Oberhegenau stammte und in Katterbach einheiratete, als Ökonomierat ab 1905 durch Auslesezüchtung die Katterbacher Sommergerste züchtete. Heubeck bedauert, dass die Sorte ebenso in Vergessenheit geriet wie etwa die Weizensorte „Wahrberger Ruf“. Lediglich in Fachbüchern und Schriften aus den Jahren 1910 und 1935 taucht der Name auf.

Zusammen mit den auf den zehn Quadratmetern geernteten Körnern und einer weiteren Menge, die er von dem Versuchsfeld in Ruhstorf erhält, will Heubeck 2019 eine größere Parzelle ansäen und die Gerste weiter vermehren. Er hofft auch, von älteren Landwirten noch Informationen über die Katterbacher Gerste zu bekommen. Denn nach der erfolgreichen Suche hat der Egloffswindener den Traum, dass aus der Katterbacher Gerste einmal ein „Heimatbier“ gebraut werden könnte.