Praxisstimmen

Gülleausbringung: Alternativen für kleine Höfe gefordert

Gülleausbringung-Mäbenberg_LF
Fritz Arnold
am Freitag, 07.08.2020 - 10:18

Bei der Technik für die bodennahe Gülleausbringng handelt es sich oft um große Geschütze. Landwirt Hans Schwarz plädiert für kleinere Lösungen.

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„Jeder wünscht sich vielfältige, kleine Strukturen, doch mit jeder neuen Auflage werden diese zerstört.“ Für Kreisobmann Thomas Schmidt aus dem Landkreis Roth zeigt sich dies wieder einmal bei der Gülleausbringung und der Düngeverordnung.

Wie unzählige bayerische Landwirte hat Hans Schwarz aus Mäbenberg bei Georgensgmünd, das im „roten Gebiet“ liegt, beim Sachgebiet Ökologie am Landwirtschaftsamt Uffenheim Widerspruch gegen die Auflage eingelegt, künftig Gülle nur noch oberflächennah per Schleppschlauch ausbringen zu dürfen. Wie rund 1.000 andere Bauern hat Schwarz daraufhin nur ein standardisiertes Schreiben erhalten, in dem auf seine Argumente überhaupt nicht eingegangen wird.

"Große Geschütze" passen nicht auf kleine Flächen . . .

Schwarz hat deshalb Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht. Denn ob die Vorschriften der richtige Weg sind, um die Stickstoffemissionen zu reduzieren, hält er für mehr als fraglich. Nicht nur in Mäbenberg, sondern auch in vielen Bereichen im Landkreis Roth und im Nürnberger Land gibt es viele der von Ökologen gewünschten kleinen Parzellen, auf denen moderne große Güllefässer gar nicht einsetzbar sind.

. . . und verstärken den Eindruck industrieller Landwirtschaft

Manchmal ist die 15 m Arbeitsbreite größer als das Feldstück breit ist. Und in der engen Hofeinfahrt kommt das „riesige Geschütz“ kaum um die Ecke.

Hinzu komme, dass angesichts großer Güllefässer bei Nichtlandwirten die Akzeptanz schwindet und sich der Eindruck einer industrialisierten Landwirtschaft breit macht, meint Schwarz, dessen Parzellen im Durchschnitt nur 0,57 ha große sind.

Schnell und fachgerecht mit kleinen Fässern

Ganz entscheidend ist für die kleinen Landwirte, dass sie mit ihrer vorhandenen Technik bei Nieselregen sofort reagieren und Gülle fahren können. Erst den Lohnunternehmer bestellen, der dann bei der inzwischen neuen nächsten Hitzewelle kommt, würde bedeuten, dass die streifenförmig ausgebrachte Gülle den Grasbestand „verbrennt“ und der Güllerest später ins Silofutter gelangt.

Es braucht deshalb umsetzbare Alternativen, fordert Ottmar Braun von der BBV-Bezirksstelle in Ansbach. Dazu gehöre etwa der Einsatz vorhandener kleiner Güllefässer bei bestimmten Wetterlagen. Deshalb fordert der Bauernverband, dass die LfL untersucht, wie in den kleineren Strukturen praktikabel und zu tragbaren Kosten eine umweltschonende Gülleausbringung erfolgen könne.

Zusätzliche Maßnahmen zur Ammoniakreduktion ergriffen

Dazu könnte auch ein Weg gehören, den Schwarz auf seinem Hof mit 30 Kühen schon seit zehn Jahren beschreitet. Er gibt Bioaktiv-Pulver in die Gülle, das Ammoniak bindet. Einen Beweis der Wirksamkeit dafür sieht er schon allein darin, dass die Gülle nicht stinkt. Im hofeigenen Kuhstallcafé habe sich noch nie ein Besucher über Stallgeruch beschwert. Inzwischen wird das Präparat auch zum Teil über das Futter verabreicht.

Es handelt sich um ein Calciumcarbonat mit Sauerstoffanreicherung und kostet bei einem Viehbestand von 30 Kühen mit Nachzucht 300 bis 400 € im Jahr. Kreisobmann Schmidt vergleicht das Mittel mit Gesteinsmehl, das von den Bauern im Jura seit langer Zeit verwendet wird.