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Jetzt in Gülle investieren?

Gülle
Ludwiga Friedl
Ludwiga Friedl
am Montag, 15.03.2021 - 12:01

Der Unternehmerabend der Regierung von Oberfranken gab wertvolle Hilfestellung. Auch Futter-Mist-Kooperationen wurden vorgestellt.

„Jetzt in Gülle investieren?!“ Das war der Titel eines Unternehmerabends, der online stattfand. Gudrun Walter und Burkhard Traub von der Regierung von Oberfranken waren die Gastgeber im virtuellen Raum, in dem sich 147 Gäste eingefunden hatten, darunter auch die Landtagsabgeordnete Gudrun Brendel-Fischer.
„Reicht der Lagerraum?“. Diese Frage stellt sich derzeit wohl vielen Tierhaltern. Sophia Lustinger vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Bamberg und Anna Schütz vom AELF Coburg versuchten, darauf eine Antwort zu geben. Sie zeigten das LfL-Lagerraumprogramm als wichtiges Tool für Landwirte. Es biete die Chance einer betrieblichen Mistoptimierung, wie Schütz sagte. „Sie können ihren wertvollen betriebseigenen Dünger gezielt einsetzen“, sagte Schütz. Unter lfl.bayern.de oder den Stichwörtern Lagerraum und Gülle sei es mit jeder Suchmaschine zu finden. Hinterlegt seien nicht nur die Daten für Milchkühe, Schweine oder Geflügel, sondern auch für ausgefallenere Tierarten wie Alpakas.

Zwischenergebnisse mit eigenen Daten vergleichen

Anhand eines Betriebsbeispiels zeigten die Beiden, wie Flächen-, Tier und Niederschlagsdaten in das heruntergeladene Programm eingegeben werden. Dabei lohne es sich immer, die Zwischenergebnisse mit eigenen Daten zu vergleichen. „Wie viele Fässer bringe ich aus? Schauen Sie, ob die Werte stimmen“, riet Schütz. Es schade nicht, die Daten für die Düngebedarfsermittlung zu verwenden.
Das Programm errechnet den Güllelagerraum aus Querschnitt und Höhe der vorhandenen Behälter. „Bei einer Zupacht von Lagerraum sind gültige Pachtverträge wichtig“, erinnerte sie. Dann wird der notwendige Lagerraum berechnet. Die Mindestanforderung für sechs Monate und einen Puffer für schwierige Ausbringungsverhältnisse wird eingehalten. An einem weiteren Beispiel zeigten die beiden Expertinnen, dass bei Gülleseparierung nicht sehr viel Lagerplatz eingespart werden kann. Sie rieten, das LfL-Lagerraumprogramm für Planungs- und Kontrollzwecke einzusetzen. Auch für die betriebliche Entwicklung, für die Düngebedarfsermittlung (außer rote Flächen) und für die Deklaration von abgegebenem Wirtschaftsdünger (außer Gärrest) sei es hilfreich.
Mit dem Thema „Gülle abgeben“ beschäftigt sich Patrick Heerdegen, Geschäftsführer des Maschinenrings (MR) Münchberg und Umgebung e.V. schon länger. Zu den Faktoren, die zur Notwendigkeit der Gülleabgabe führen, zählte er das Überschreiten der 170 kg N-Grenze, zu geringen Lagerraum oder wenn die Düngebedarfsermittlung den Einsatz organischer Dünger begrenzt. Wenn zugepachtete Flächen in großer Distanz zum Hof liegen, kann es ebenfalls sein, dass es günstiger ist, Gülle abzugeben, als sie dort auszubringen.
Es gibt eine Verordnung über das Inverkehrbringen und Befördern von Wirtschaftsdünger. Dabei seien sowohl die Abgabe als auch der Transport von mehr als 200 t Festmist pro Kalenderjahr meldepflichtig. Die Lieferscheine seien drei Jahre aufzubewahren. „Aufpassen müssen Sie auch, wenn es unterschiedliche Verfügungsberechtigte im Betrieb gibt“, sagte er. Es klinge zwar abschreckend, sei aber kein Hexenwerk, wenn man die Daten übers Jahr gesammelt habe.
Bei der Frage „Was ist Gülle wert?“, sagte Heerdegen, dass abgebende Betriebe oft in der Defensive seien. „Ein möglichst genaues Untersuchungsergebnis ist unabdingbar.“ Zum Wert zwischen 5-8€/m³ bei Reinnährstoffpreisen kämen Vorteile wie der Aufbau von organischer Substanz im Boden und Stabilität in den Erträgen.
Als Beispiel stellte Heerdegen Futter-Mist-Kooperationen vor, bei denen beide Seiten Vorteile hätten. Der aufnehmende Betrieb könne Kosten beim Mineraldüngereinkauf sparen. „Der organische Dünger bereichert das Bodenleben und stabilisiert die Erträge“, sagte er. Der Feldfutterbau bringe Entspannung in der Fruchtfolge. „Wichtig ist, dass sich die Betriebe auf Augenhöhe begegnen“, findet Heerdegen. Aus einer Symbiose zögen beide Mehrwert. Dabei könne die Bürokratie von Dienstleistern wie MR oder BBV übernommen werden. Gudrun Walter erinnerte daran, das Betriebswirte die Transportkosten (1,50 - 2,50 €/m³) abziehen.
„Mehrwert durch Separierung?“ war das Thema von Johannes Vogel, der 2014 sein Studium in Triesdorf mit dem Bachelor of science abgeschlossen hat, bis 2020 Wasserberater in Coburg war und nun Landwirt in Selbitz ist. Hier hat er mit seinen Eltern den Milchviehbetrieb von 70 auf 120 melkende Kühe mit zwei AMS aufgestockt. Mit der reinen Fleckviehherde kommt er bei 1,4 GV/ha auf einen Stalldurchschnitt von 9000 kg Milch.

Die Effizienz von Gülle steigern

Mit der Gülleseparierung hat er nach dem Besuch verschiedener Betriebe in Holland und dem Einsatz einer mobilen Separationsanlage angefangen. Er kann damit die Effizienz von Gülle in Feldfutter und Grünland steigern. Die Dünngülle fährt er überwiegend in den Sommermonaten zwischen den Schnitten auf Grünland, wo Mineraldünger bei Trockenheit liegen bleiben würde.
„Seit 2016 hat sich der Preis für die Anlage fast verdoppelt“ hat er beobachtet. Auf seinem Betrieb laufen ein Separator mit 5,5 kW, eine Pumpe mit 4 kW und ein Mixer mit 11 kW. Dank zweier Güllegruben „können wir aktuell 7 Monate lagern“. Das abgepresste Material wird zusammen mit einem Kurzstrohmix in den Liegeboxen verwendet. Aus Gründen der Hygiene rät er, für diesen Zweck nur betriebseigene Gülle zu verwenden.
Als Vorteil der Gülleseparation sieht er das schnellere Versickern der Dünngülle, eine bessere Pflanzenverfügbarkeit und eine Verringerung der Futterverschmutzung. Bei der Ausbringung in den Sommermonaten könne die Effizienz gesteigert werden, wenn auch kaum Lagerraum eingespart werden könne. Er stellte auch sein strip till-Verfahren vor. Das ist eine streifenförmige Bodenbearbeitung, bei der in einem Arbeitsgang Gülle als Unterfußdünger ausgebracht wird. Um Nitratauswaschung zu verhindern setzt er Nitrifikationshemmer ein. Die feste Phase bringt er zum Humusaufbau im Herbst mit einem Kompoststreuer aus. Die zusätzliche Ausbringtechnik und die Lagermöglichkeit in einem Fahrsilo verbucht er dabei als Nachteile. Die Einarbeitungszeit auf dem Acker sei genauso kurz wie bei der Gülle. Auf Nachfrage eines Teilnehmers erklärte Claudia Alberts die Lagerung der festen Phase im Fahrsilo als optimale Lösung. Ludwiga Friedl