Schutzprojekt

Grundwasser: Fünf Jahre Wasserschutzbrot

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Irene Konrad
am Montag, 04.11.2019 - 12:07

Innerhalb von fünf Jahren ist das Projekt ein einzigartiger Erfolg geworden und zieht Kreise.

Würzburg - Vor fünf Jahren hat die Regierung von Unterfranken mit jeweils einem Landwirt, Wasserversorger und Bäcker, mit einer Mühle und einer einzigen Verkaufsstelle in Retzstadt  im Rahmen der „Aktion Grundwasserschutz – Sauberes Trinkwasser in Bayern“ das Projekt Wasserschutzbrot gestartet. Seine Anfänge waren bescheiden. Auf damals 0,25 ha wurden in einem „grundwasserschonenden Kreislauf“ zwei Tonnen „Wasserschutzweizen“ angebaut und verarbeitet. Das Projekt ist ein einzigartiger Erfolg geworden und zieht Kreise.

Heute, nach fünf Jahren, machen schon 32 Landwirte, 23 Bäcker mit über 100 Verkaufsstellen, sechs Mühlen und neun Wasserversorger beim Wasserschutzbrot mit, auch in Oberfranken und Mittelfranken. Die Anbaufläche erstreckte sich 2019 auf rund 330 ha mit einem Ertrag von 2400 t Wasserschutzweizen. Seit Projektbeginn im Jahr 2014 wurden 4500 t Wasserschutzweizen erzeugt. Das ergäbe rein rechnerisch 10 Mio. Wasserschutzbrote.
„Ressourcenschutz und Klimaschutz sind zentrale Themen unserer Zeit“, erklärte der unterfränkische Regierungspräsident Eugen Ehmann zum fünfjährigen Bestehen des Wasserschutzbrotes. Nicht nur Reden, sondern Handeln sei angesagt, genauso wie das Bilden von Bündnissen. „Auch unser Projekt ist nur möglich, weil Landwirte, Mühlen, Bäcker und Wasserversorger an einem Strang ziehen“, dankte Ehmann den Aktionspartnern.

 

Weniger Nitrat ausgewaschen

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Es sei keine Glaubensfrage, sondern messbar, dass dank der Aktion Wasserschutzbrot weniger Nitrat ins Grundwasser ausgewaschen wird, so Ehmann. Beim Schutzprojekt verzichten Landwirte auf die letzte Stickstoffdüngung ihres Weizens. Somit verringert sich das Risiko der Nitrat-Auswaschung. Das grundwasserschonend angebaute Getreide wird getrennt vermahlen. Anschließend gelangt dieses Mehl ausschließlich zu den am Projekt beteiligten Bäckern. Bei der Mehrzahl der mittlerweile 330 Hektar Anbaufläche handelt es sich um Trinkwassereinzugsgebiete. Für den Weizen mit geringeremEiweißgehalt erhalten die Landwirte einen finanziellen Ausgleich von ihrem örtlichen Wasserversorgungsunternehmen. Weil sich das eiweißärmere Mehl beim Backen etwas anders verhält als gewohnt, ist das Fingerspitzengefühl der Bäcker gefragt.

Projekt-Ansprechpartnerin Nicole Nefzger vom „Forschungsinstitut für biologischen Landbau„ in Frankfurt (FiBL) hielt Rückblick auf die letzten fünf Jahre. Sie sprach von einem „gewaltigen Tempo“, auch in Oberfranken seit dem Start dort im Oktober 2018 und ihrer Freude darüber, „dass jetzt auch Mittelfranken dabei ist“strahlte sie zusammen mit Projektleiter Christian Guschker von der Regierung von Unterfranken.

Es gibt beretis eine Warteliste

Etliche Landwirte stehen schon auf der Warteliste. Sie sind sehr interessiert. Das Nadelöhr seien die Bäcker. Deshalb sei es aktuelles Ziel des Projekts, die Landwirte und Bäcker sowie alle Projektpartner vermehrt zu vernetzen. „Mein Weizen liegt bei diesem Bäcker um die Ecke als Brot im Regal“, dieses Gefühl des Zusammenhalts stärke die Region. Bei manchen Bäckereien sei das Umweltbewusstsein lange schon Thema. Bäckermeisterin Elke Siebenlist von der Bäckerei Hanselmann in Würzburg etwa ist begeistert. Sie bäckt längst nicht nur Brot, sondern auch ihre anderen Produkte mit dem Wasserschutzweizen.

Zur Geburtstagsfeier des Wasserschutzbrotes übergab Regierungspräsident Ehmann allen „Partnern der Aktion Grundwasserschutz“ Auszeichnungsschilder. Manche Partner wurden neu in das Projekt aufgenommen. Dazu zählt die Klosterbäckerei Münsterschwarzach. Dort ist Bäckermeister Leo Stöckinger seit 33 Jahren Leiter. Bei einer Brotverkostung stellte er sein Delikatess-Vollkornmehl aus dem Wasserschutzweizen vor. Auch Brotsommelier Axel Schmitt aus Frankenwinheim erzählte als „Brotgenussbeschreiber“ beim Festakt „5 Jahre Wasserschutzbrot“ den Festgästen bei einer Brot-Wein-Verkostung „etwas von wirklich gutem Brot“.