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Wetter

Große Verluste bei Sommergerste und Weizen

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Stephan Stöckel
am Freitag, 15.07.2022 - 13:04

Die Trockenheit macht den Landwirten zu schaffen. Mais und Zuckerrüben haben noch eine Chance.

Gut Ummersberg / Lks. Lichtenfels  Landauf, landab macht die Trockenheit den Bauern zu schaffen. „Bei Sommergerste und Sommerweizen rechnen wir mit einem Minderertrag von 30 bis 50 Prozent“, sagte Kreisobmann Michael Bienlein beim Erntepressegespräch des BBV-Kreisverbandes Lichtenfels auf Gut Ummersberg. Für die Wintergerste hingegen prognostizierte er eine durchschnittliche Ernte. Mais und Zuckerrüben hätten noch eine Chance, wenn Regen falle.

Vollerwerbslandwirt Jürgen Finkel, der zusammen mit seinem Sohn Jochen das Gut gemeinschaftlich führt, hat noch mit einem weiteren Problem zu kämpfen. Er zeigte ein verformtes Zuckerrübenblatt. Im nassen Frühjahr hätten sich Schadinsekten, wie die Blattläuse, stark vermehrt.

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Auf rund 13 ha bauen die Finkels Zuckerrüben an. Zum Schutz der Keimlinge verwendeten sie bisher eine Saatgutbeizung mit Neonicotinoiden. 2018 aber beschloss die EU, dass die hochwirksamen Insektizide nicht mehr zur Saatgutbehandlung verwendet werden dürfen.

Jetzt verwendet der Betrieb Pyrethroide. Doch glücklich sind die Landwirte über die Neuregelung nicht. „Für den Bauern bedeutet sie mehr Maschineneinsatz und mehr Zeit, da das Mittel großflächig auf das Feld aufgesprüht werden muss“, erklärte Kreisobmann Bienlein. Für Jürgen Finkel ist die Regelung sogar ein Rückschritt im Naturschutz. Denn während die Beize, die vor der Aussaat direkt auf das Saatgut aufgetragen wird, nur die Schadinsekten getötet habe, bestehe beim Besprühen die Gefahr, dass auch Nützlinge, wie Bienen, vergiftet würden, sagt er. Über eine Notfallzulassung dürfen die verbotenen Wirkstoffe auch weiterhin angewendet werden. Diese komme aber oftmals zu spät, sagte Vize-Kreisobmann Lothar Teuchgräber. „Wir brauchen eine zeitnahe Mittelverfügbarkeit gegen Blattläuse, damit die Pflanzen Wetterkapriolen besser verkraften“, forderte er.

Als „unbefriedigend und überhaupt nicht kostendeckend“ bezeichnete Jochen Finkel die Situation auf dem Zuckerrübenmarkt angesichts immenser Betriebsmittelpreise. Der Betrieb hält 400 Bullen und baut auf 400 ha neben Zuckerrüben Weizen, Wintergerste und Raps an. In den vergangenen Monaten war es hier viel zu trocken. Finkel erwartet „nach zwei guten Jahren eine unterdurchschnittliche Ernte“.