Rinderhaltung

Größter Kuhstall Frankens bezogen

Größter-Stall-Mittelfrankens_LF
Fritz Arnold
am Donnerstag, 16.07.2020 - 08:13

Armin Nürnberger hat sich mit der Investition einen Lebenstraum erfüllt

Einzug in Mittelfrankens größten Kuhstall: In die neue Milchviehanlage auf der anderen Straßenseite wechselten vorerst nur 160 Kühe der gut 200 Kühe von Landwirt Armin Nürnberger. Doch bis zum nächsten Frühjahr sollen die 600 Kuhplätze voll belegt sein.

Wer auf der B13 von Uffenheim nach Ansbach fährt, dem fällt schon seit geraumer Zeit auf der Höhe von Möckenau in der Gemeinde Oberdachstetten eine Großbaustelle auf.

Hier hat sich Armin Nürnberger (41) mit der gewaltigen Investition einen Lebenstraum erfüllt. Als Angestellter einer Firma, die weltweit Rindersperma vertreibt, ist er viel herumgekommen und hat die Milchviehhaltung in anderen Ländern kennengelernt.

Bis die Pläne im Detail reiften, hat der Agrarbetriebswirt mit einem Abschluss der Höheren Landbauschule in Triesdorf auch sein Team von sechs qualifizierten Leuten für die Milchviehhaltung auf Ausstellungen und Fachexkursionen mitgenommen.

Im Laufschritt zum neuen Stall

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Als ob die Kühe geahnt hätten, dass sie in dem neuen Laufstall noch mehr Licht und Bewegungsmöglichkeiten haben als vorher, machten sich die meisten von ihnen im Laufschritt auf den Weg, um das neue Domizil auf der anderen Straßenseite zu erreichen.

Mit freudigem Muhen wurden sie von den hier bereits untergebrachten trächtigen Kalbinnen begrüßt. Diese stammen fast alle von den schon bisher vorhanden 200 Kühen ab, die mit gesextem Sperma besamt wurden, sodass fast nur weibliche Kälber geboren wurden.

Nürnberger ist überzeugt, dass er seinen Kühen hinsichtlich Tierwohl das Optimum bietet. Ab nächstem Jahr soll auf den angrenzenden Flächen auch ein Weidegang möglich sein. Sofern es auf den Feldern nicht zu trocken ist, bekommen die Rinder auch im Sommerhalbjahr frisches Grünfutter.

Ein Beweis für Nürnberger, dass es seinen Tieren gut geht, ist es, dass nach seinen Angaben nur die Hälfte der Kälber verendet im Vergleich zum Durchschnitt der bayerischen Milchviehbetriebe. Auch die Lebensdauer der Kühe ist wesentlich höher. Dies habe auch mit einer systematischen Betreuung im Abkalbebereich zu tun, wo täglich Fieber gemessen wird und die Muttertiere erst wieder in die normale Herde zurückkommen, wenn sie hundertprozentig fit sind.

Zuständig ist dafür Ivonne Süß, die Erfahrungen aus einem der erfolgreichsten Betriebe in Ostdeutschland mitbringt. Die Gesamtverantwortung für die Rinder hat Manuel Gärtner. Hinzu kommen auch zwei bestens eingearbeitete Rumänen mit ihren Familienangehörigen.

Den Ackerbau, die Futterbeschaffung und die Biogasanlage betreuen zwei bis drei weitere Kräfte.

Show-Küche für Öffentlichkeitsarbeit

Gemolken werden die Kühe im Side-by-Side-Melkstand aus US-amerikanischer Herstellung, zunächst zu jeweils 24 Stück und im Endausbau dann zu 48 Kühen in einem Durchgang. Beobachtet werden kann dies in Zukunft von einem Besucherbalkon aus. Denn Nürnberger ist der Meinung, dass nur mit völliger Offenheit die Bevölkerung über die Vorgänge in der Tierhaltung informiert werden kann.

So plant er im nächsten Frühjahr einen Tag der offenen Tür, der jährlich wiederholt werden soll. Der Öffentlichkeitsarbeit dient auch eine im Entstehen befindliche Show-Küche für das Zerlegen und die Zubereitung von hochwertigem Fleisch von in Möckenau gehaltene Wagyu-Rindern, einem weiteren Standbein des Agrarunternehmens.