Innovation

Goldgelbes Öl aus der eigenen Presse

Petra Sandjohann und Leinöl
Silvia Eidel
am Mittwoch, 31.03.2021 - 12:57

Der Bundespreis Ökologischer Landbau spornt das Schlossgut Obbach zu neuen Projekten an, wie der Anbau von Lein oder Färberdistel zeigen.

Der Bundespreis Ökologischer Landbau war Ansporn und Auftrag für das Schlossgut Obbach, Preisträger in 2020. Trotz Corona hat sich dort im vergangenen Jahr vieles weiterentwickelt. Ein aktuelles Projekt betrifft eine zusätzliche Vermarktung der Ölfrüchte: Aus dem eigenen Anbau von Sonnenblumen und Lein wird derzeit Speiseöl gepresst.

Betriebsleiter Bernhard Schreyer an der Pflanzenölpresse mit Sonnenblumen

Dass das Preisgeld des Bundespreises Ökologischer Landbau, 7500 €, investiert wird, und zwar im Bereich ihrer Ölfrüchte, war für das Verwalterehepaar des Naturlandbetriebs, Petra Sandjohann und Bernhard Schreyer, klar. Eine Pflanzenölpresse steht nun im Verarbeitungsraum. Damit werden kleine Mengen der Körner frisch gepresst und zeitnah von Hand in Flaschen abgefüllt – wegen der Haltbarkeit des Öls. Über den Hofladen werden die Speiseöle vermarktet.

„Wir haben schon vorher Öl aus unseren Sonnenblumenkernen pressen lassen“, erklärt der Betriebsleiter. Das geschah zusätzlich zur hauptsächlichen Vermarktung dieser Frucht als Brotaufstrich für die Firma Zwergenwiese, als Müsli-Komponente oder für regionale Bäcker.

Aber weil in der Region eine Ölpressung in der gewünschten Qualität nicht möglich war, erfolgte sie in Norddeutschland. Mit den weiten Transportwegen waren die beiden Diplom-Landwirte aber nicht so zufrieden. Denn nach ihrem Betriebskonzept sollen Wertschöpfungsketten in der Region aufgebaut werden. Was bislang vorbildlich gelingt, wie der Bundespreis unterstreicht.

Neue Kulturen, neue Öle, neue Anbausysteme

Weil im vergangenen Jahr erstmals auch der Anbau des blau blühenden Leins am Schlossgut gelang, wird jetzt auch aus den Leinsamen hofeigenes Öl gepresst. In der Getreideaufbereitungsanlage am Hof wurden die Körnchen vorher gereinigt und in Säcke abgefüllt. In kleinen Mengen kann das wertvolle, an Omega 3-Fettsäuren reiche Öl immer frisch und nach Bedarf für die Direktvermarktung gepresst werden. „Die Kunden sind begeistert vom Geschmack, von der Frische und der Milde des Öls“, weiß Petra Sandjohann. Wertvoll ist der Anbau von Lein, von Ölfrüchten überhaupt, auch für die Fruchtfolge, ergänzt ihr Mann.

Erstmals Leinanbau Schlossgut Obbach 2020

Neues ausprobieren, den Betrieb weiterentwickeln, so wie er zur Landschaft und zu den Akteuren passt: Das mache nicht nur Spaß, darin will das prämierte Schlossgut anderen Höfen auch als Vorbild dienen und seine Erfahrungen weitergeben, nennt der Betriebsleiter als Anspruch. Die Corona-Pandemie verhinderte allerdings im vergangenen Jahr weitgehend, dass sich Besuchergruppen, Berufskollegen oder interessierte Bevölkerung – am Hof informieren konnten.

Ölfrüchte und Leguminosen gewinnen neben der Saatguterzeugung auf dem 265-Hektar-Betrieb immer mehr an Bedeutung. Angebaut werden Hülsenfrüchte wie Ackerbohnen, Futtererbsen, Linsen, Kichererbsen oder neuerdings Hirse. Weil die Früchte wichtig für die Stickstoffanreicherung im Boden sind. Und weil sie für die menschliche Ernährung immer mehr in den Mittelpunkt rücken.

„Ich sehe darin eine Zukunft, um den Fleischkonsum zu reduzieren“, meint Schreyer zu den eiweißreichen Leguminosen. Wenn noch dazu die Verarbeitung zu Lebensmitteln vor Ort erfolge, sei das ein guter Weg.

Neue Wege geht das Schlossgut jetzt auch mit einem kombinierten Anbau von Leindotter und Linsen auf einem Feld. Der stabile Stängel der Ölfrucht Leindotter gibt der Linse beim Wachsen den nötigen Halt. Erstmals ausgesät wird heuer auch die Färberdistel, deren Ölgehalt bis zu 50 % beträgt.

Regionale Bioprodukte werden immer beliebter

Speiseölpressung

Die neuen Speiseöle bereichern das Sortiment des Hofladens. Diesen haben die Gutsverwalter gerade erweitert, Corona hatte das länger geplante Vorhaben beschleunigt. Denn die Nachfrage nach den Bioprodukten des Schlossguts – Obst, Getreide, Linsen, Sonnenblumenkerne, Kartoffeln – und von Betrieben aus der Umgebung wie Gemüse, Brot, Eier oder Honig steigerte sich während der Pandemie rapide.

„Wir merken aus den Gesprächen, dass sich die Leute mehr Gedanken zu ihrer Ernährung machen“, sagt Petra Sandjohann. Sie glaubt, dass diese gestiegene Nachfrage nach Biolebensmitteln nachhaltig ist. „Sie wird wohl nicht auf diesem Level bleiben, aber das Potenzial ist größer geworden.“