Jakobskreuzkraut

Giftpflanze mag extensive Flächen

Feldtag-Jakobskreuzkraut_LF
Jürgen Leykam
am Montag, 05.08.2019 - 13:40

Jakobskreuzkraut kann vor allem für Pferde gefährlich werden.

Gunzenhausen Das hochgiftige Jakobskreuzkraut (JKK) breitet sich aus. Welche Möglichkeiten der Abhilfe es gibt, darüber klärte ein Feldtag bei der Qualitätstrocknung Nordbayern eG (QTN) am Standort Gunzenhausen auf. „Jakobskreuzkraut liebt extensive Agrarflächen“, erklärte Heinz Zacherl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Ingolstadt. Denn die Schadpflanze „braucht keine Nährstoffe“. Das JKK möge es auch, wenn die Wiesen spät gemäht würden, wie es nun in den neuen Gesetzesvorgaben favorisiert wird. So wird ihm zufolge einer Pflanze der Boden bereitet, die ohnehin schon über gute Verdrängungsmechanismen verfügt. Im ersten Jahr sorgt sie laut den Worten des Experten durch ihre breitgefächerten Blätter dafür, dass neben ihr keine andere Pflanze sprießen kann. Im zweiten, dem Blütejahr, nutze der Gewinner des Klimawandels die freie Fläche, um abzusamen.

Egal welche Teile der Pflanze in den Tiermagen gelangten – sie seien allesamt hochgefährlich. Schon 40 g/kg Körpergewicht könnten für ein Pferd tödlich sein, warnte Zacherl. Für Kühe liege der Wert bei 140 g, bei Schafen immerhin schon bei 2000 g. Doch trotz dieses hohen Wertes habe es schon Fälle von verendeten Schafen gegeben, wie Zacherl betonte. Auch für den Menschen gebe es eine, allerdings noch recht diffuse, Bedrohung. Wie groß diese ist, könne derzeit niemand sagen. Aus einem eigentümlichen Grund: Denn Grenzwerte, wie sie für jedes Pflanzenschutzmittel in Lebensmitteln vorhanden sind, „gibt es für Pyrrolizidin-Alkaloide (PA) nicht“ – also für die Stoffe, die das JKK so giftig machen. Fakt laut Zacherl ist: „Sie lassen sich in Milch und Honig bereits nachweisen“, nicht jedoch im Fleisch. Da es keine Höchstwerte gebe, schlage bislang auch keiner Alarm, so der Redner. Was sich wohl ändern werde, wenn erste Krankheitserscheinungen beim Menschen auf die Aufnahme von PA zurückgeführt werden könnten: „Sie wirken krebserregend, DNA-schädigend, greifen das Nervensystem an und schädigen in hohen Dosen Leber und Nieren“. Bei Tieren sei auch eine stark fruchtschädigende Wirkung nachgewiesen.
Das Gute: Auf den landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland hat das JKK seinen Siegeszug noch nicht angetreten, „aber es nimmt stark zu.“ Dabei gelte die einfache Faust- regel: „Je intensiver eine Agrarfläche genutzt wird, desto schlechter die Chancen für das JKK“, so Zacherl. Zur Vorbeugung gelte es, die Flächen zu beobachten und bei Befall schnellstmöglich handeln. Ersteres aber sei nicht einfach, weil das Gewächs im 1. Jahr mit Rucola und im Standjahr drauf mit dem Wiesenpippau verwechselt werden könne.

Die Bekämpfung ist mühsam: Mechanisch die beste Methode sei es, jedes einzelne Exemplar mit einem Unkrautstecher aus der Erde zu ziehen. Habe sich das Kraut schon zu weit ausgebreitet, bleibe nur noch die chemische Bekämpfung. Doch auch die ist schwierig: Nur ein einziges Pflanzenschutzmittel verspreche sehr gute Wirkung. So sei es wichtig, gute Präventionsarbeit zu leisten.

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