Regionale Produkte

Es gibt alles bei uns

Essen aus Bayern_LF
Jürgen Leykamm
am Mittwoch, 04.11.2020 - 08:07

Der #EssenAusBayern-Traktor animiert zu Trinkgenüssen aus Franken.

Für mehr Beachtung regionaler Erzeugung will eine Schleppertour sorgen, die nun in Spalt Station gemacht hat.
Die Idee dazu ist beim Bayerischen Bauernverband (BBV) schon vor etwa einem Jahr entstanden, wie Bezirksgeschäftsführer Ottmar Braun beim Pressetermin erläutert. Damals wusste noch niemand etwas von einer Corona-Krise, die aber den Sinn in der Bevölkerung für die Bedeutung von kurzen Wegen bei der Herstellung von regionalen Lebensmitteln geschärft hat.

Traktor sorgt für Aufsehen

In Passau sorgte der bunt beklebte Deutz-Traktor zuerst für Aufsehen. Er macht auf die Köstlichkeiten aufmerksam, die vor Ort zu finden sind. Aus Niederbayern rollte der Schlepper dann nach Mittelfranken vor die Halle der Hopfenverwertungsgenossenschaft (HVG) Spalt. Ein wichtiges Glied einer regionalen Wertschöpfungskette, die als Musterbeispiel gilt.

Der im weltweit ältesten Anbaugebiet geerntete Hopfen wandert in die Genossenschaftshalle und von dort unter anderem in die einzige kommunale Brauerei Deutschlands. Dass dieser Kreislauf sehr gut funktioniert, sagt Friedrich Kolb, Vorsitzender des Spalter Hopfenpflanzerverbands: „Die meisten unserer Betriebe werden schon in der sechsten oder gar siebten Generation geführt – wir sind ein zufriedener Bereich innerhalb der Landwirtschaft.“
Die gut 50 Pflanzerfamilien könnten wirtschaftliche Dellen über ein bis zwei Jahre schon einmal aushalten. Dafür sorgten „die guten langfristigen Verträge mit der HVG, in der „alle Anbauer Mitglied sind“, so Frank Braun, Vorsitzender und Geschäftsführer. Die vertragliche Anbindung hilft, auf dem Weltmarkt zu bestehen.

Besser als der Bayerntrend

Die Spalter Stadtbrauerei ist froh, beim Hopfen so richtig aus den Vollen schöpfen zu können. Auch sie hat die negativen Folgen der Corona-Krise zu spüren bekommen. Doch was die Umsatzentwicklung anbelangt, „sind unsere Zahlen besser als der Bayerntrend“, sagt Brauerei-Geschäftsführer und Bürgermeister Udo Weingart. „Auf den Verbraucher kommt es jetzt an“, sagt er.

In der Pflicht seien aber auch die weiterverarbeitenden Unternehmen, sagt BBV-Kreisobmann Thomas Schmidt, der in einem kleinen Exkurs die Aufmerksamkeit weg vom Hopfen hin zum Hafer lenkt. Davon gäbe es in Deutschland zu wenig, habe vor gar nicht allzu langer Zeit ein Haferflockenhersteller beklagt – und damit seine Importe gerechtfertigt. Das sei nur die halbe Wahrheit, meint Schmidt: „Es gibt alles bei uns, auch Hafer. Da sind die Landwirte sehr flexibel. Wenn die Erzeugerpreise passen, dann können die Bauern ihre Abnehmer förmlich mit Hafer zuschütten!“
Für mehr Wertschätzung heimischer Rohstoffe helfen auch Botschafterinnen wie die Spalter Hopfenkönigin Stefanie Pschera und die Spalter Bierkönigin Johanna Merkenschlager. Ihr Bruder Tobias Merkenschlager macht sich als Hopfenpflanzer für den genossenschaftlichen Ansatz stark: „Wir müssen die Vermarktung regionaler Agrarprodukte wieder selbst in die Hand nehmen!“ empfiehlt er.
Der „#EssenAusBayern“-Traktor ist noch bis Mitte November im Freistaat unterwegs. Im Jahr 2021 setzt sich die Reise in weiteren bayerischen Regionen fort. Nähere Infos gibt es im Internet unter www.BayerischerBauernVerband.de/Traktortour-2020.