Kundgebung

Geschlossener Hilferuf nach Orientierung

BBV-Demos-Hersbruck-Fürth_LF
Lorenz Märtl
am Donnerstag, 25.02.2021 - 15:15

Landwirte fordern Beratung zur Düngeverordnung. An den Landwirtschaftsämtern in Hersbruck und Fürth rief der BBV zu Aktionen auf. Auch die staatlichen landwirtschaftlichen Behörden müssten Verantwortung übernehmen und vor Ort unterstützen, sagte BBV-Bezirkspräsident Günther Felßner.

Auf die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Hersbruck und Fürth wartet viel Beratungsarbeit. Einen Vorgeschmack vermittelten nun Abordnungen der BBV-Kreisverbände Nürnberger Land, Nürnberg Stadt, Fürth und Erlangen-Höchstadt den zuständigen Behördenleitern Werner Wolf und Horst Krehn.

Sie überreichten Anträge auf Einzelberatung für ihre Betriebe. Es dürften noch viele folgen, denn die Landwirte sehen sich im bürokratischen Dschungel der neuen Düngeverordnung (DüV) und der Ausweisung von Roten Gebieten mit unzumutbaren Auflagen und Maßnahmen konfrontiert.

Vollumfängliche Unterstützung gefordert

Mittelfrankens BBV-Bezirkspräsident Günther Felßner betonte, dass es den Bäuerinnen und Bauern nicht darum gehe, wer Schuld habe, sondern um eine vollumfängliche Unterstützung durch ausführliche und kostenlose Beratung geht. Es sei notwendig, jedem Betrieb zu erklären, „wie es richtig zu machen ist und wie man die neuen Vorgaben ordnungsgemäß umsetzt“. Statt alles auf die Bauern zu verlagern, müssten auch die staatlichen landwirtschaftlichen Behörden mit Verantwortung übernehmen.

Sowohl Felßner als auch der Fürther Kreisobmann Peter Köninger machten klar, dass sich die Aktionen nicht gegen die Ämter richteten. Es herrsche Verunsicherung, „weil plötzlich alles falsch sein soll, obwohl wir nur das gemacht haben, was wir gelernt haben“.

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Das kam bei den Behördenchefs so an. Werner Wolf (AELF Hersbruck) und Horst Krehn (AELF Fürth) zeigten Verständnis für die Sorgen der Landwirte und werteten die Aktion „nicht als Gegeneinander“. Krehn sieht darin sogar „eine echte Unterstützung bei seinem Ringen um mehr Beratungspersonal“.

Besonders beeinträchtigt sieht man sich durch die Vorgaben für die Roten Gebiete, die alle vier Kreisverbände betreffen. Erlangen-Höchstadts Kreisobmann Robert Ort machte deutlich, dass man angesichts der damit verbundenen Auflagen eine Übergangsphase gebraucht hätte – vor allem wegen der notwendig werdenden neuen Gülle- und Festmistlager.

Im Knoblauchsland sehen sich rund 80 Gemüseerzeuger, die auf 1800 ha Freilandgemüse erzeugen, in ihrer Existenz bedroht. Stellvertretender Kreisobmann Thomas Schneider drückte seine Sorgen so aus: „20 Prozent weniger düngen ist für uns das K.o.“

Fehlende Transparenz moniert

Im Nürnberger Land, das bis zur Neuauflage der Gebietskulisse überhaupt nicht betroffen war, zählen plötzlich im südlichen Bereich 717 der insgesamt 23 550 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche als Rotes Gebiet, obwohl keiner der betroffenen 89 landwirtschaftliche Betriebe in seiner Wirtschaftsweise etwas geändert habe.

Der besagte Grundwasserkörper ist 424 km2 groß und erstrecke sich über die Landkreise Neumarkt, Nürnberger Land, Roth und Weißenburg-Gunzenhausen. Gefragt sei das Wasserwirtschaftsamt, denn bisher fehle es an Transparenz. Mittlerweile haben sich rund 200 Landwirte in einer Interessengemeinschaft (IG) zusammengeschlossen, um dagegen vorzugehen.

Die Aktion, betonte Bezirkspräsident Felßner, sei ein Hilferuf nach Orientierung. Er forderte Landwirtschaftsministerin Kaniber auf, das für die Beratung notwendige Personal zur Verfügung zu stellen. Kritik geübt wurde auch am neuen Programm der LfL zur Düngebedarfsermittlung. Es sei „ein schlechtes Werkzeug, hoch komplex und unausgereift“.