Pressegespräch

Gerechte Preise wären nötig

Erntedank-BBV-Wunsiedel_LF
Stephan Herbert Fuchs
am Freitag, 08.10.2021 - 07:44

Der BBV im Kreis Wunsiedel macht auf aktuelle Themen aufmerksam. Ein Regionalportal im Internet soll für gerechte Preise sorgen.

Bergnersreuth/Lks. Wunsiedel Coronabedingt hat es im Landkreis Wunsiedel heuer kein Erntedankfest gegeben. „Wir wollten traditionell wieder im Volkskundlichen Gerätemuseum in Bergnersreuth feiern, doch der Aufwand hätte in keinem Verhältnis zum Ergebnis gestanden“, bedauert Kreisobmann Harald Fischer.

Die Akteure des Bauernverbandes, der Kirche und der Politik versammelten sich trotzdem zu einem Termin mit Pressevertretern auf der Museumswiese, um in kurzen Statements an die Bedeutung des Erntedankes zu erinnern, aber auch, um die eine oder andere Neuigkeit zu verkünden.„Wir Bauern pflegen 3G schon lange“, sagte Fischer augenzwinkernd: „Gesät, gepflegt und geerntet.“

Nun bräuchten die Landwirte auch noch ein viertes und ein fünftes G: „Gerechte Preise und einen gesunden Menschenverstand.“ Vieles, was derzeit passiert, sei für die Bauern einfach nicht mehr nachvollziehbar. Während zum Beispiel an der Ladentheke die Preise für Schweinefleisch steigen, würden die Erlöse für die Bauern sinken. Trotz allem sei die Ernte im Landkreis Wunsiedel gut verlaufen und man sei überwiegend von Starkregenereignissen verschont worden.

Ein Ringen mit der Natur

Landwirte arbeiten mit der Natur, sagte der stellvertretende Wunsiedler Landrat Wolfgang Kreil. Die Arbeit sei aber immer auch ein Ringen mit der Natur. Das wüssten viele Verbraucher nicht mehr zu schätzen und stellten romantisierte Forderungen auf, die mit der Realität wenig zu tun haben.

Bayern und Deutschland müssten alles daran setzen, eine eigene Nahrungsmittelproduktion zu haben. Das ist für den Landtagsabgeordneten Martin Schöffel eine zentrale Botschaft aus der Coronazeit. Schöffel appellierte aber auch an alle Verbraucher, verstärkt darauf zu achten, wo die gekauften Lebensmittel herkommen.

Fachwissen an die Jugend vermitteln

Eine Neuigkeit konnte Kreisbäuerin Karin Reichel verkünden: Nachdem es mit der Einführung eines Schulfaches „Alltagskompetenzen“ nicht geklappt hatte, gebe es künftig verpflichtende Projektwochen. Im Landkreis Wunsiedel sollen diese Wochen in Kooperation mit dem Volkskundlichen Gerätemuseum Bergnersreuth durchgeführt werden. Damit könne man die gesamte Infrastruktur des Museums nutzen und die Landfrauen könnten ihr Fachwissen vor Ort an die jungen Leute weitergeben. Viele Betriebe seien schon mit Feuereifer dabei.

„Wir können ein echtes Grünes Klassenzimmer anbieten“, sagte Museumsleiterin Sabine Zehetmeier. Ihr sei es ein ganz großes Anliegen, die vorhandenen Räumlichkeiten zu nutzen und mit den Ausstellungen den Rahmen dafür zu bieten. Schließlich hätten ja viele Schulen keine Schulküchen oder Wirtschaftsräume mehr. Mit diesem Projekt sei der Fortbestand des Museums mehr als gesichert, bekräftigte der Arzberger Bürgermeister Stefan Göcking.

Eine weitere Neuigkeit präsentierte der Wunsiedler Dekan Peter Bauer. So stehe ein Regionalportal im Internet kurz vor dem Start, mit dessen Hilfe vor allem Großverbraucher, wie die Heime des Diakonievereins oder des Evangelischen Bildungszentrums Bad Alexandersbad, aber auch Privatleute ihren benötigten Bedarf bestellen können. Das Portal soll in Kooperation von Bauernverband und Diakonie über einen kostenneutralen Zusammenschluss, etwa eine gemeinnützige GmbH, ohne Gewinnorientierung betrieben werden. Landwirten sollen so gerechte Preise und sichere Abnehmer geboten werden. Auch Bäckereien und Metzgereien hätten bereits ihre Bereitschaft zur Mitwirkung signalisiert.