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Geplante Stromtrasse führt zu Unmut

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Pressemeldung
am Dienstag, 14.07.2020 - 09:19

Landräte Bold und Töpper protestieren gegen „Fulda-Main-Leitung“ der TenneT.

Am 30. Juni 2020 hat der Netzbetreiber TenneT in Schweinfurt Vertretern der Kommunalpolitik, Verbänden aber auch Bürgerinitiativen Planungsüberlegungen zur Stromtrasse P43 vorgestellt. Bei der Trasse handelt es sich um eine angedachte 380kV-Wechselspannungsleitung von Mecklar in Nordhessen über Dipperz nach Bergrheinfeld.

Mit den vorgestellten Inhalten sind die Landräte Florian Töpper (Schweinfurt) und Thomas Bold (Bad Kissingen) alles andere als zufrieden: Ernüchtert musste festgestellt werden, dass die Neubaumaßnahme mit dem jetzigen Arbeitstitel „Fulda-Main-Leitung“ als Freileitung mit gegebenenfalls kleinräumigen erdverkabelten Abschnitten von 3 bis maximal 6 km Länge geplant ist.

An den Übergangspunkten aus und in die Erde werden sogenannte Umsetzer mit einem Platzbedarf von jeweils 65 x 70 m und einer Höhe von bis zu 37 Metern benötigt.

Neubau der Trasse als letztes Mittel

Thomas Bold: „Der Neubau einer Leitung in neuer Trasse kann als Ergebnis einer gerechten Interessenabwägung nur das letzte Mittel sein. Zuvor ist auf transparente Weise nachzuweisen, dass sämtliche andere netztechnische Maßnahmen wie die Erhöhung der Übertragungsleistung vorhandener Leitungen nicht ausreichen.“

Der Landrat fordert, dass die Notwendigkeit für den Bau der Trasse auch durch den Landkreis Bad Kissingen nachgewiesen wird. Denn der Landkreis Bad Kissingen sowie die angrenzenden Landkreise seien bereits durch die Stromtrasse SuedLink, die in den kommenden Jahren entstehen wird, massiv belastet.

Landrat Bold hat sich deshalb im bundesweit agierenden Bündnis der Landkreise „Hamelner Erklärung e.V.“ für die Gründung eines Ausschusses zur geplanten „Fulda-Main-Leitung“ stark gemacht. Ziel ist die kritische Begleitung des Genehmigungsverfahrens durch die betroffenen Landkreise.

Vereinbarungen wurden nicht eingehalten

Besonders ärgert sich Landrat Florian Töpper über die Aussage hinsichtlich der „Bindungswirkung“ politischer Vereinbarungen, die bereits zum zweiten Mal nicht eingehalten wurden. Der Landkreis Schweinfurt wehrt sich gegen die seiner Ansicht nach überzogene Netzausbaumaßnahme bereits seit 2012.

Im Juli 2015 hatte bereits die damalige Regierungskoalition im Bund unter Mitwirkung des Freistaates Bayern vereinbart, dass zur Entlastung des Netzknotens Grafenrheinfeld/Bergrheinfeld Alternativen unter anderem zu den Leitungen P43 und P44 zu finden seien. Damals wurde diese Entscheidung in der Region erleichtert aufgenommen und hat zu steigender Akzeptanz für den Suedlink als Erdkabelprojekt geführt.

Allerdings musste der Landkreis Schweinfurt bereits im Frühjahr 2017 feststellen, dass die Überlegungen bezüglich der Trassen P43 und P44 durch die Netzbetreiber im neuen Netzentwicklungsplan nun wiederaufgenommen wurden und politische Vereinbarungen als obsolet angesehen wurden.

Am 4. Juni 2019 erfolgte im Rahmen einer neuerlichen Einigung der zuständigen Wirtschafts- und Energieminister des Bundes sowie von Bayern, Hessen und Thüringen die Vereinbarung zum Wegfall der Wechselstromleitung P44 (von Altenfeld / Thüringen nach Grafenrheinfeld).

Teil der Vereinbarung war jedoch auch, dass die Wechselstromleitung P43 errichtet wird und dies sogar in der ursprünglichen Planung, wie bereits seit dem Jahr 2012 im ersten Netzentwicklungsplan enthalten. Der Region sollte entgegengekommen werden, indem gemäß Verlautbarung auch diese Leitung als Erdkabel geführt wird.

Töpper ist über die Entwicklung verärgert und fordert die Einhaltung der politischen Zusagen. „Nach gerade einmal einem Jahr müssen wir feststellen, dass Vereinbarungen einfach nicht umgesetzt werden“, so der Landrat. Die geplanten Stromtrassen P43 und P44 lehnt der Landkreis Schweinfurt weiterhin explizit ab.

Von den Hoffnungen nichts übriggeblieben

Enttäuscht zeigt sich der Landrat, dass die Einwendungen des Landkreises Schweinfurt, der potenziell betroffenen Kommunen aber auch der politischen Vertreter in Bund und Land nicht beachtet werden.

Auch die Bundestagsabgeordnete Dr. Anja Weisgerber, die ebenso wie der Landrat in den letzten Jahren vehement für die Belange der Region eingetreten ist und maßgeblich am politischen Kompromiss beteiligt war, werde durch die Planungen düpiert. Aus den damaligen Hoffnungen, der Raum Schweinfurt bleibe durch die Entscheidungen der Bundespolitik weitestgehend vom Leitungsbau verschont, ist leider nichts übriggeblieben.

Landrat Florian Töpper: „Mittlerweile haben wir Juli 2020 und ich muss feststellen, dass die Vereinbarungen von 2015 und 2019 immer noch nicht in eine gesetzliche Grundlage umgesetzt wurden. Ich verhehle nicht, dass ich weder damals noch heute die Unerlässlichkeit dieser Leitung sehe. Der Bedarf ist bis heute nicht ausreichend nachgewiesen, Schreiben und Eingaben des Landkreises werden, wenn überhaupt, ausweichend beantwortet.“

Landkreis Schweinfurt über Gebühr belastet

Die Bürger des Landkreises Schweinfurt und hier besonders in der Gemeinde Bergrheinfeld sind bereits jetzt durch einige, hier verlaufende 380 kV-Leitungen, ein Kernkraftwerk, dessen Rückbau bevorsteht, 45 Windkraftanlagen sowie eine Vielzahl von Verkehrsinfrastrukturen über Gebühr belastet.

„Der Landkreis Schweinfurt fordert die Politik in Bund und Land auf, zu ihren Vereinbarungen zu stehen und diese komplett und zügig umzusetzen“, so Töpper

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