Tierschutz

Gemeinsam Rehkitze gerettet

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Stephan Herbert Fuchs
am Donnerstag, 12.08.2021 - 16:26

In Oberfranken helfen Landwirte und Tierschützer zusammen. 314 Jungtiere konnten bei den Einsätzen direkt gerettet werden.

Bayreuth Landwirte und Tierschützer arbeiten Hand in Hand. Das ist durchaus möglich. Ein Musterbeispiel für die Zusammenarbeit ist die Kitzrettung Oberfranken. „Wir konnten heuer beim ersten Schnitt schon über 400 Rehkitze vor dem sicheren Mähtod bewahren“, sagt Britta Engelhardt von der Kitzrettung.

Angst, dass man sich militante Tierschützer auf seine Wiese holt, haben die Bauern in der Region nicht mehr. „Wir sehen die Arbeit der Kitzrettung als Praktiker sehr positiv“, sagte Reinhard Sendelbeck, Vorsitzender des Maschinenrings Bayreuth-Pegnitz. Harald Köppel, Geschäftsführer des BBV in Bayreuth, ergänzte: „Wir sind zusammen mit der Kitzrettung auf einem guten Weg.“ Kreisjagdberater Georg Bayer sagte: „Wir zollen den ehrenamtlichen Mitstreitern Respekt.“ Ziel des Vereins „Kitzrettung Oberfranken“ mit seinen rund 40 bis 50 Aktiven ist es, Wildtiere kurz vor dem Schnitt aufzuspüren und sie entweder zu verscheuchen oder solange festzusetzen und damit zu sichern, bis das Grünland gemäht ist. Das Tätigkeitsfeld der Rehkitzrettung erstreckt sich auf die Landkreise Bayreuth, Hof, Wunsiedel und Kulmbach.

Bilanz-Kitzrettung-Oberfranken_B1_LF

Die Bilanz mit 314 direkt geretteten Jungtieren und weiteren 100, die von externen Drohnenpiloten aufgespürt werden konnten, fällt überaus positiv aus. Im Jahr zuvor waren es nur 193 Kitze. Trotz der positiven Zahlen gibt es immer wieder spektakuläre Einzelfälle, bei denen ein Rehkitz verendet. „Wir machen den Landwirten keinen Vorwurf“, stellte Britta Engelhardt klar. Eine hundertprozentige Garantie könne niemand geben. BBV-Geschäftsführer Harald Köppel stellte fest, dass es technische Lösungen bereits gebe – sie seien aber noch ausbaufähig. Deshalb könne man auf die Arbeit der Rehkitzrettung keineswegs verzichten.

Technische Lösungen, bei denen das Mähwerk automatisch abschaltet, wenn Temperatur- und Farbindexmessung sowie Infrarotsensoren anspringen, seien bereits in den Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks getestet worden, so Lehrkraft Tobias Weggel. Sie hätten zwar funktioniert, doch seien auch Probleme aufgetreten.

Zum einen seien die Systeme auf ein Mähtempo von nur acht Stundenkilometern ausgelegt, was die Arbeit erheblich einschränkt. Zum anderen sei die Zahl der Fehlalarme sehr groß gewesen, weil die Abschaltsysteme auch auf Hundekotbeutel, auf weggeworfene Chipstüten und auf anderen Müll reagiert hätten.

Mit der Vernetzung aller beteiligten Akteure sei man auf dem richtigen Weg, sagte Reinhard Sendelbeck vom Maschinenring. Allerdings könne man auch damit keine hundertprozentige Sicherheit gewährleisten.