Waldschäden

Geld für Aufforstung

Klöckner-Nadelwald(shf)_LF
Stephan Herbert Fuchs
am Dienstag, 27.10.2020 - 05:50

Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner besichtigt Waldschadensflächen im Coburger Land.

„Nicht nur am Amazonas brennen die Wälder, auch Frankens Wälder brennen, jedoch ohne Rauch. Die Folgen aber sind die Gleichen.“ Mit diesen dramatischen Worten hat der Vorsitzende der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken Wolfgang Schultheiß beschrieben, was die oberfränkischen Waldbauern derzeit umtreibt. Bei einem Besuch von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in Großheirath machte Schultheiß klar, dass ein Nachwachsen des Rohstoffes Holz künftig so nicht mehr stattfinden wird. Nicht nur die Erholungsfunktion der Wälder gehe dabei verloren, auch ein Stück Heimat bleibe auf der Strecke.

Oberfranken ist waldreich

Mit Oberfranken war die Ministerin in eine der waldreichsten Regionen Bayerns gekommen. Der dortige CSU-Bundestagsabgeordnete nannte seinen Wahlkreis Coburg zusammen mit dem Nachbarlandkreis Kronach den waldreichsten in Oberfranken. Deshalb habe die Politik hier auch die Ernsthaftigkeit der Situation erkannt, versicherte Hans Michelbach, der von schweren Schäden in den Wäldern des Coburger Landes und vom einem dramatischen Preisverfall auf dem Holzmarkt sprach.

Ministerin Klöckner kündigte das mit 1,5 Mrd. € ausgestattete „größte Aufforstungsprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik“ an. Damit sollen rund 285 000 ha wiederbewaldet werden. 99,5 Mio. € würden dabei nach Bayern fließen, acht Mio.€ nach Oberfranken, 1,3 Mio. € in das Coburger Land. Mit dem Geld sollen vor allem standortangepasste Bäume gepflanzt und Schadholz geräumt werden. Oberstes Ziel seien klimastabile Mischwälder.

Wald stilllegen ist falsch

Als absolut falsch bezeichnete Klöckner die Forderung aus dem Bundesumweltministerium, Wald stillzulegen. Waldstilllegungsprämien stellten ein großes Problem dar, sagte sie. Stattdessen sollte ein Mix zur Naturverjüngung standortangepasster Wälder geschaffen werden. Auch die Ausgewogenheit von Wald und Wild lag der Ministerin am Herzen. „Es dürfe weder Wald vor Wild, noch Wild vor Wald heißen“, so Klöckner. Derartige Schlagworte würden nicht weiterhelfen. Vielmehr seien die Waldbauern aufgefordert, durch entsprechende Maßnahmen einen Verbissschutz zu schaffen.

Auch Klöckner wusste, dass viele Waldbauern derzeit mit dem Rücken zu Wand stehen. „Halten sie durch“, appellierte sie deshalb an die Waldbauern und gab zu bedenken, dass deren Arbeit für kommende Generationen geschehe. Insofern sei die Arbeit der Waldbauern auch ein Stück weit Bewahrung der Schöpfung.

Schadfläche besichtigt

Bundesministerin Klöckner hatte sich bei ihrem Termin in Coburg nicht nur mit Verantwortlichen der Waldbesitzervereinigungen und der Fortwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken getroffen, sie besichtigte auch eine große Schadfläche und ein Wiederaufforstungsprojekt im Ortsteil Watzendorf.

Zuvor hatte der Abgeordnete Michelbach die über 18 000 ha Wald in seinem Landkreis nicht nur als wichtiges Erholungsgebiet und bedeutenden Lebensraum für Tiere und Pflanzen bezeichnet. Der Wald sei vor allem auch wichtiger Wirtschaftsfaktor. Geld für den Wald sei deshalb auch immer gut angelegtes Geld.
Auch für die Gemeinde Großheirath habe der Wald eine große Bedeutung, so Bürgermeister Udo Siegel. Von den 320 ha Wald seien 80 ha im Gemeindebesitz. An vielen Stellen würden der Borkenkäferbefall und das enorme Schadholzaufkommen bereits erschreckend ins Auge fallen.