Energie

Gegängelt bis zum Gehtnichtmehr

on_Mühle Döhlau
Stephan Herbert Fuchs
am Montag, 11.01.2021 - 09:09

Wasserkraftanlagen-Betreiber werfen Behörden Zerstörung von Existenzen vor

on_Mühle Döhlau

Einst markierte sie den Beginn der Elektrifizierung, jetzt soll sie vielerorts platt gemacht werden: die Kleine Wasserkraft. „Die Betreiber werden mit Auflagen so sehr gegängelt, dass sie den Forderungen nicht mehr nachkommen können und aufgeben müssen“, sagt Reinhard Moosdorf aus Tüchersfeld von der Interessengemeinschaft „Strom aus Wasserkraft“.

Die Mitglieder sprechen einhellig von einer „Zerstörung von Existenzen“ und vom „Kahlschlag in der Gewässerökologie“. Dabei gibt es die Anlagen schon seit Jahrhunderten und jetzt sollen sie plötzlich bedenklich für den Fischbestand sein.

Investitionen nicht leistbar

Doch um den Fischartenschutz und die Durchgängigkeit für sämtliche Fische gehe es nur vordergründig, sagen die Betreiber. In Wirklichkeit sei die Wasserkraft einfach nicht gewünscht.

Investitionen von 100 000 bis 200 000 € für den Einbau von Aufstiegshilfen seien von den Betreibern einfach nicht leistbar. „Die Intention der Behörden ist es, uns die Wirtschaftlichkeit zu entziehen oder zumindest in Frage zu stellen“, sagt Norbert Hedler, Betreiber einer Wasserkraftanlage in Mittlernhammer bei Warmensteinach im Fichtelgebirge.

Dabei wäre die Wasserkraft vor dem Hintergrund der Energiewende ein wichtiger Beitrag dazu, die Klimaproblematik in den Griff zu bekommen. „Wir sprechen hier von einer sinnvollen Art der Energieerzeugung in dezentralen Anlagen, die wir als Ergänzung unbedingt brauchen“, so Moosdorf.

Energisch widerspricht er dem Argument, dass die Wasserkraft nur etwa 4 % an der gesamten Stromerzeugung ausmache. Das sei nur der in das öffentliche Netz eingespeiste Strom. Man müsse mindestens noch einmal 4 % dazu rechnen, wenn man den Strom zum Eigenverbrauch der Betreiber miteinbeziehe.

Fadenscheinige ökologische Begründungen

Die Schuldigen sehen Moosdorf und seine Mitstreiter unter anderem beim Landratsamt Bayreuth und der zuständigen Fachbehörde, das für den Landkreis Bayreuth zuständige Wasserwirtschaftsamt Hof.

Die vor rund einem Jahr aus einem Stammtisch hervorgegangene Interessengemeinschaft vertritt die Inhaber und Betreiber von etwa 30 Wasserkraftanlagen in der Region. Die Gemeinschaft wirft den Behörden fadenscheinige ökologische Begründungen vor, um die Wasserkraft kaputt zu machen.

Waren es vor 100 Jahren noch an die 23 Wasserkraftanlagen entlang der Steinach im Landkreis Bayreuth, seien es heute gerade einmal noch neun Anlagen.

Eine davon betreibt Müllermeister Konrad Switalski im Weidenberger Ortsteil Döhlau. Seit dem Jahr 1398 existiere die Mühle schon, seit 1954 befinde sie sich in Familienbesitz, sagt Switalski, der im Nürnberger Land noch eine zweite Mühle besitzt, 15 Mitarbeiter beschäftigt und der hauptsächlich die Gastronomie mit Weizen- und Roggenmehl beliefert.

Er würde gerne statt des derzeitigen Schützenwehrs ein Klappenwehr einbauen, um Hochwasserereignissen vorzubeugen, bei denen manchmal ganze Baumstämme aus dem Fichtelgebirge angeschwemmt werden.

Landrats- und Wasserwirtschaftsamt würden dies aber nur genehmigen, wenn auch ein Fischauf- und -abstieg realisiert wird. Laut Switalski würde dies die veranschlagten Kosten von geschätzten 100 000 € auf etwa 300 000 € verdreifachen und damit die Mühle in den Ruin treiben.

Schwarzer Peter für die Wasserkraft

Was den oft ins Spiel gebrachten Fischreichtum angeht, so habe es vor 100 Jahren, also zu Zeiten der zehnfachen Zahl an Wasserkraftanlagen, wesentlich mehr Arten und Individuen gegeben, als heute.

Die wahren Gründe für den Rückgang seien ganz woanders zu suchen als bei den Wasserkraftanlagen. Der Fischbestand gehe aufgrund der chemischen Belastung vor allem durch Schwermetalle, aber auch durch den oft unterschätzten Reifenabrieb allgemein zurück. „Doch der schwarze Peter wird einfach auf die Wasserkraft geschoben“, findet Moosdorf.

Darüber hinaus seien die kleinen Bäche ohnehin nie ganz durchgängig gewesen. Doch „Theoretiker und Ideologen“ wollten die Europäische Wasserrahmenrichtlinie am liebsten bis ganz zur Quelle durchsetzen, mutmaßt Norbert Hedler.

Dabei seien die Wasserkraftanlagen gerade in Trockenzeiten wichtig für den Fischbestand, weil die Staubereiche vor den Anlagen wichtige Rückzugsmöglichkeiten für Bachforellen oder Saiblinge bieten.

Bestes Beispiel für die Vorwürfe der Anlagenbetreiber ist eine Wasserkraftanlage, die der Speichersdorfer Landwirt Herbert Nickl in Ranna zwischen Auerbach und Pegnitz betrieben hat.

Er wollte die Anlage mit einer Jahreserzeugung von 110 000 bis 120 000 Kilowattstunden vor vier Jahren an einen Nachfolger übergeben, doch der Freistaat hatte von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht. Nun soll die seit dem 12. Jahrhundert bestehende Anlage trotz bestehender Fischtreppe platt gemacht werden.

Klagen dagegen wurden bereits abgewiesen. Dabei hatte Umweltminister Thorsten Glauber versprochen, unter seiner Leitung kein einziges Wasserkraftwerk stillzulegen.

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