Ökolandbau

Geballte Kompetenz im Ökolandbau

Anna-Katharina Paar
am Montag, 29.07.2019 - 12:57

Volles Programm für Umstellungsbetriebe in der Öko-Modellregion Oberes Werntal.

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Theilheim/Lks. Schweinfurt Um die geballte Kompetenz im Bereich Umstellung auf Ökolandbau zu hören kamen Betriebsleiter zusammen. An einem Nachmittag erhielten sie einen Überblick über Anbau, Absatz und die verschiedenen Institutionen im Ökolandbau. Zunächst stellten die Fachberater Manfred Weller (Bioland), Udo Rumpel (Naturland) und Christian Schmitz (Biokreis) jeweils ihre Anbauverbände vor.

Manfred Weller und Udo Rumpel berichteten über ihre Erfahrungen aus 38 bzw. 30 Jahren praktizierenden Ökolandbau in Mittel- und Unterfranken. Manfred Weller legt heute beispielsweise größeren Wert auf dichte Bestände, als früher. Beikräuter werden so am Absamen gehindert, die darauffolgende Kultur profitiert. Gute Ergebnisse erzielt er insbesondere dann, wenn er bei den Fruchtfolgen die Wurzelausscheidungen verschiedener Kulturen berücksichtigt: Die Ausscheidungen von Sojapflanzen begünstigen den Mais, Ackerbohnen vertragen die Maisausscheidungen dagegen nicht so gut.

Wie macht’s die Natur?

Wenn sich Udo Rumpel früher wunderte, warum auf seinen neu umgestellten Flächen plötzlich so viele Disteln aufkamen, weiß er heute, dass sie sich von einem Stickstoffpool in 30 bis 90 cm Tiefe ernähren und er diesen zunächst mit zehrenden Kulturen leeren muss. Er rät Betriebsleitern generell Äcker von Anfang an „sauber zu halten“ – es lohnt sich einzelne Ampferpflanzen vor dem Aussamen auszustechen und vom Feld zu nehmen. Grundsätzlich geht es im Ökolandbau darum zu schauen „Wie macht’s die Natur?“. Diese Gesetzmäßigkeiten gilt es dann bestmöglich auf den Anbau zu übertragen, so die beiden Praktiker.
Die Entwicklung seines elterlichen Betriebs von einer Neben- zur Vollerwerbslandwirtschaft beschrieb Armin Hettrich von Hettrich’s Biohäusle in Schwebenried. Als neuer, seit 2015 umgestellter Ökolandwirt, gab er umstellungsinteressierten Betriebsleitern als Tipp mit auf den Weg „Gespräche, Gespräche, Gespräche“ zu führen. Sich bereits von Anfang an mit praktizierenden Biolandwirten auszutauschen und die Angebote gemeinsamer Ökofeldbegehungen zu nutzen. Er rät auch dazu frühzeitig die Vermarktungswege von Umstellungswaren abzuklären. Generell profitieren Landwirte auch von einer Mitgliedschaft in einem Öko-Anbauverband.
Welche Organe es im Ökolandbau neben den Anbauverbänden noch gibt benannte Bernhard Schwab vom Fachzentrum für Ökolandbau am Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten in Bamberg. Er stellte die Angebote der unabhängigen staatlichen Beratung sowie die Ökokontrollstellen vor. Weiter gab er einen Überblick über die verschiedenen Förderungen und skizzierte den Ablauf bzw. die Voraussetzungen für eine Betriebsumstellung auf ökologische Bewirtschaftung.
Wie sich die Ökobranche und Preise in den nächsten Jahren entwickeln, lässt sich nicht eindeutig sagen. „Auch für Umstellungswaren werden aktuell noch Verträge geschlossen, auch wenn die Preise aufgrund vieler Umsteller etwas zurückgegangen sind“, meinte Liane Regner von der Marktgesellschaft der Naturlandbauern in Hofheim. „Anerkannte Ökoware, nach der Umstellungszeit, fließt jedoch zu attraktiven Preisen in viele schöne Produkte“, so Liane Regner. Nichtsdestotrotz steht und fällt auch die Entwicklung der Ökobranche mit der Nachfrage.

Biozuckerrüben gesucht

Biozuckerrübenbauern sind gesucht. Aufgrund eigener Nachhaltigkeitsstandards verzichten Lebensmitteleinzelhandelsketten bei den Bioeigenmarken zunehmend auf Überseezucker. „Es gibt eine höhere Nachfrage als wir bedienen können“, so Ernst Merz von der Abteilung Rohstoff Franken der Südzucker AG. Zukünftig werden Biozuckerrüben im Werk in Rain (Landkreis Donau-Ries) anstatt wie bisher im Werk Warburg verarbeitet. Aufgrund geforderter Standards wird dabei auf Verbandsware gesetzt.
Von seinen Erfahrungen beim Ökozuckerrübenanbau in der Praxis berichtete Hilmar Cäsar, Betriebsleiter von Biohof Cäsar. Er führte die Teilnehmer auf die Äcker und zeigte vor Ort seinen Zuckerrüben-, Erbsen-, Sojabohnen-, Winterweizen- und Gerstenbestand.

Regionaler Imbiss

Vor dem Aufbruch stärkten sich die Teilnehmer mit einem Bio-Imbiss, geliefert von der Bäckerei Wolz in Greßthal aus Produkten von Wertschöpfungsketten im Oberen Werntal. Anna-Katharina Paar benannte dabei die Ökolandwirte und -verarbeiter:
Die Biobrote aus Getreide des Biohofs Münch in Greßthal und Schloss Gut Obbachs, gebacken von der Bäckerei Wolz in Greßthal, waren belegt mit Bioziegen- und Kuhmilchkäse aus Milch des Biohofs Bock aus Eltingshausen, hergestellt von der Hofkäserei des Bioziegenhofs Kuhn in Oerlenbach und bestrichen mit Tomatenaufstrich der Firma Zwergenwiese, bestehend aus Ökoschälsonnenblumen verschiedener Öko-Landwirten der Region und Bioeiern des Biohofs Cäsar.
Im Rahmen des Projekts Bio-Offensive der Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) und des Verbands der Landwirtschaftskammern (VLK) unterstützt aus Fördermitteln der Landwirtschaftlichen Rentenbank wurde 2019 erstmals ein Umstellertag über die Öko-Modellregion Oberes Werntal durchgeführt.