Trocknung

Futtermittel - Vollservice heißt der neue Trumpf

Qualitätstrocknung-Nordby-Gebietsversammlung_LF
Jürgen Leykamm
am Donnerstag, 27.02.2020 - 08:41

Die Qualitätstrocknung Nordbayern investiert in zwei Standorte, muss aber einen anderen schließen, Mitarbeiter werden gesucht,

Kleinabenberg/Lks. Roth - Einst waren es fünf, nun hat die Qualitätstrocknung Nordbayern nur noch vier Standorte. Ellingen musste geschlossen werden, weil die in die Jahre gekommene Anlage in unmittelbarer Ortsnähe mit ihrer alten Bausubstanz mittlerweile „sicherheitstechnisch fragwürdig“ sei, wie Bernd Kladny begründete.

Erhebliche Investitionen

Ein Neubau in größerer Entfernung von der Stadt aber hätte bis zu 7 Mio. € verschlungen, eine Instandsetzung als kurzfristige Lösung eine fünfstellige Summe beansprucht. Investitionen, die aufgrund der mangelnden Auslastung der letzten Jahre aber nicht zu rechtfertigen gewesen wären, wie der Bereichsleiter für die Trocknung sowie die Mahl- und Mischanlagen erläuterte.

Jeder Mitarbeiter habe zudem ein Angebot für eine Weiterbeschäftigung bekommen, die meisten von ihnen „haben es auch angenommen.“ Aufträge gingen der Genossenschaft durch die Schließung nicht verloren, böten doch die verbliebenen vier Standorte genügend Kapazitäten, um den Verlust aufzufangen. Neben Wechingen und Windsbach ist die 4000 Mitglieder starke QTN noch in Gunzenhausen und Röckersbühl vertreten. Die beiden Anlagen wurden für insgesamt 1,7 Mio. € kräftig modernisiert, dank neuer Brenner lässt sich die Logistik einfacher stemmen und der Betrieb ist sowohl ökologisch verbessert und ökonomisch effizienter.

Über einen Makler will man derzeit das Ellinger Gelände an den Mann bringen. Bis es soweit ist, werden die Lager dort noch genutzt.

Umstrukturierungen bei den Dienstleistungen

Der neue Trumpf heißt „Vollservice“: Vom Mähen bis (auf Wunsch) zur Rücklieferung des Trockenguts. Dem Landwirt werde so „viel Arbeit abgenommen und die QTN kann besser planen“, so Kladny. Suboptimale Mäh- oder lange Lagerzeiten und damit Qualitätsabstriche würden so vermieden, wovon beide Seiten zusätzlich profitierten. Aber es kommt noch besser: Vertragspartner kommen ab heuer in den Genuss des „Field-Navi“.

Dank digitaler Feldkarten lässt sich nun noch differenzierter festlegen, wo die Maschinen anrollen sollen. Passend zum verbesserten Angebot soll dies zudem ausgeweitet werden. Neben Wiesengras- gibt es ab sofort ebenso Luzerne-Verträge. Dass sich der Anbau der auch Schneckenklee genannten Pflanze nicht nur für den Klimaschutz und den Feldboden lohnt, sondern dazu den Kühen eine Freude bereitet, erweist ein Fütterungsversuch an den Triesdorfer Lehranstalten. Dabei wurde den Tieren als wichtige Strukturkomponente im Futter einmal Stroh und einmal Luzerne angeboten. Vor den Trögen, die mit letzterem gefüllt waren, herrschte übergroßer Andrang – vor den anderen „gähnende Leere“, berichtete Martin Hübner, stellvertretender Leiter des Bereichs Mischfutter, über das Ergebnis.

Der deutliche Versuchssieger sorge bei gleichen Rationskosten zugleich für bessere Futtereffizienz und höhere Milcherträge. Sein Fazit; „Ihre Kühe würden lieber Luzerne fressen!“ Die von Hübner vorgetragenen Futterabsatzmengen des QTN-Qualitätsfutterwerks Windsbach machten deutlich, von welchem Kaliber die Einrichtung ist: Fast 41 200 t an Misch- und Einzelfutter, Cobs und Großballen wurden vergangenes Jahr verkauft. Die an den Standorten produzierte Gesamtmenge an Trockengut betrug 2019 knapp 30 200 t. Was 77 % des Durchschnitts der beiden Vorjahre entspricht. Die Auslastung der Mahl- und Mischanlagen wiederum blieb auf dem gleichen, hohen Niveau. Auch die Stromeinspeisung über die Wechinger Biogasanlage läuft auf Hochtouren, ein kleiner Schadensfall drückte die Quote lediglich auf immer noch stolze 98,3 %. Derzeit sei die QTN weiterhin auf der Suche nach Lkw-Fahrern und Vertriebsmitarbeitern, betonte der stellvertretende Vorsitzende Thomas Gutmann. In seinem Fachreferat gab Dieter Hanselmann (Berater in Diensten des Besamungsvereins Neustadt an der Aisch)

Tipps für eine bessere Betriebsführung

„Delegieren ist das Entscheidende!“ An Familienmitglieder oder auch an externe Helfer, die sich über einen Nebenverdienst freuen könnten. So lasse sich etwa auch ein „Schichtdienst“ organisieren. Er plädierte ebenso für ein auf den Betrieb abgestimmtes Technisieren von Füttern und Melken: „Die Zeit der Schubkarrenrennen in den Ställen ist vorbei! Ihr braucht gute Arbeitskräfte – und die haben Lust auf Technik!“ Und Kritikern neuer großer Ställe gab er eine Denkaufgabe mit. Wem es wohl besser gehe: der Kuh in einem solchen offenen Stall mit Panoramablick und Frischluft – oder menschlichen Arbeitern in fensterlosen Industriehallen.