Vermarktung

Mit Fusion stärker aufgestellt

Fränkische Viehvermarktung 16.01.19 5
Irene Konrad
am Montag, 04.02.2019 - 10:41

Aus der Fränkischen Viehvermarktungs-GmbH wurde zum Jahresanfang eine Abteilung der Viehvermarktungsgenossenschaft Oberbayern-Schwaben eG.

Die Vermarktung von Rindern und Kälbern, Schweinen und Ferkeln, von Nutzvieh und Schlachtvieh in Franken war bis zum Jahresende 2018 der Geschäftsbereich der „Fränkischen Viehvermarktung GmbH“ (FVV) mit Sitz in Rimpar (Lks. Würzburg). Seit Jahresanfang 2019 gibt es diese GmbH nicht mehr. Sie wurde eine Abteilung einer Genossenschaft im Landkreis Mühldorf am Inn im Südosten Bayerns.
Die „Viehvermarktungsgenossenschaft Oberbayern-Schwaben“ (VVG) mit Sitz in Waldkraiburg ist eines der größten und finanzstärksten deutschen Unternehmen in der Viehbranche. Aufgrund der Fusion kamen für die über 15 104 Mitglieder, für Lieferanten und Kunden der VVG zu den 15 üblichen Winterinformationsveranstaltungen vier weitere dazu. Auch im unterfränkischen Hammelburg und Giebelstadt, im osthessischen Steinau-Ürzell und in der Oberpfalz legen der Vorstandsvorsitzende Hubert Mayer, Geschäftsführer Sebastian Brandmaier und Bereichsleiter der VVG Rechenschaft über ihre Genossenschaft ab.
In Giebelstadt wiesen Bernhard Hirt und Peter Schmitt, die beiden bisherigen Geschäftsführer der FVV, auf die Vorteile der Fusion hin. „Für unsere knapp 700 Lieferanten bringt der Zusammenschluss kaum Änderungen, aber viele Vorteile“, erläuterte Schmitt. Die Geschäftsstelle in Rimpar mit allen Mitarbeitern bleibt erhalten. Aber die Post kommt nun aus Waldkraiburg. Und das Zahlungsziel verkürze sich auf zehn Tage. Mit der Fusion deckt die VVG den Viehmarkt in ganz Bayern und in angrenzenden Bundesländern ab. „Wir brauchen eine gewisse Größe und Stärke gegenüber den Schlachthöfen“, so Schmitt. Um den Markt bedienen zu können, Frachtkosten zu bündeln und landwirtschaftlichen Betrieben mit größeren Einheiten gerecht zu werden, sei die Fusion sinnvoll und richtig.
Die Fränkische Viehvermarktungs-GmbH wurde im Frühjahr 2009 gegründet, als der Schlachthof in Würzburg vom Südfleisch-Konzern geschlossen wurde. „Wir haben damals als Viehgroßhändler schnell Fuß fassen können“, blickt Bernhard Hirt zurück. Die GmbH habe sich etwa zum „größten Rinderhändler im nordbayerischen Raum“ entwickelt. 2014 schloss sie sich als 100-prozentige Tochtergesellschaft der VVG Oberbayern-Schwaben an. Dort gibt es Fachpersonal, Berater im Außendienst, Spezialisten für EU-Verordnungen, Tierschutzvorschriften und Labels, eine versierte Buchführung, eine moderne EDV und im eigenen Haus „den bedeutendsten Kälbermarkt Bayerns“.

Beeindruckende Zahlen

„Wir haben schon vor längerer Zeit damit begonnen, unsere VVG umzustrukturieren und zukunftsfähiger zu machen“, erklärt Vorstandsvorsitzender Mayer. Die „operativen GmbHs“ seien größtenteils in Abteilungen umgewandelt worden. 2018 wurde beispielswiese die Südferkel eG eingegliedert. Die Zahlen des Geschäftsberichts der VVG können sich sehen lassen. Jedes Jahr handelt sie 1,3 Mio.Tiere. Der Gewinn belief sich zum Jahresende auf gute 1,1 Mio. €. Das Eigenkapital der VVG beträgt aktuell knappe 18,6 Mio. €. Der Gesamtumsatz 2018 wird mit 325 Mio. € beziffert. Im Jahr 2018 sind 330 neue Mitglieder dazu gekommen.
Das Jahr 2018 war auch für die FVV durchaus erfolgreich. 50 Mio. € hat der Fränkische Viehgroßhändler umgesetzt. In Stückzahlen bedeutet das stolze 11 187 Bullen, 2000 Färsen, 5753 Kühe, 5528 Kälber und Fresser zwischen vier Wochen und sechs Monaten, 78 000 Schweine und 80 000 Ferkel. 2018 haben die Unterfranken 60 neue Mitglieder aufgenommen. Bernhard Hirt und Peter Schmitt sind besonders stolz auf die 3800 Vertragsbullen, die nachweislich genfrei gefüttert wurden. 2800 Kühe lieferten sie über das Programm „Best Beef“ an McDonalds.

Ein Schritt in die Zukunft

„Labels, Förderprogramme und Tierschutzauflagen werden flutartig immer mehr und wichtiger“, weiß Vorstandsvorsitzender Mayer. Die VVG hat eigene Programme wie die „Grünland-Kuh“ entwickelt. Dank des Siegels für Qualitätsfleisch könne man sich auf dem Markt von der Masse absetzen und den Erzeugern einen Mehrerlös garantieren. Der Genossenschaft in Waldkraiburg ist die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Gemeinschaft wichtig. Sie setzt sich „für faire Preise, höchste Transparenz und offene Klassifizierungen“ ein. Es gebe ein bewährtes Anmeldesystem, eine ausgeklügelte Logistik und im Hinblick auf das Tierwohl möglichst kurze Transportwege. „Der Verbraucher wünscht sich kurze Wege, aber immer mehr Schlachthöfe machen zu“, weist Schmitt auf ein Dilemma hin. „Wir haben mit der VVG eine interessante und zukunftsfähige Genossenschaft gefunden“, ist sein Kollege Hirt überzeugt. Die beiden Unterfranken werben deshalb um neue Mitglieder.