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Bildung

Für die Zukunft bestens gerüstet

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Redaktion Wochenblatt
am Freitag, 07.01.2022 - 10:16

Die Landwirtschaftsschule Uffenheim wartet nach der Generalsanierung mit neuen Räumlichkeiten und modernster Technik auf.

Uffenheim/Lks. Neustadt/Aisch-Bad Windsheim Selbst die Tafel ist jetzt digital. An der Landwirtschaftsschule Uffenheim startete im Oktober 2021 ein neues Semester.

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Nach der Teilsanierung der Landwirtschaftsschule stehen den Studierenden und Lehrkräften neue Räumlichkeiten und eine umfangreiche technische Ausstattung zur Verfügung.

Am 8. Dezember 1919 fand der erste Unterrichtstag an der „Landwirtschaftlichen Winterschule Uffenheim“ statt. Mit den Hungerjahren nach Ende des ersten Weltkrieges erlebte die Ausbildung in den Landwirtschaftsschulen einen großen Aufschwung. Schon damals wusste man, dass für die Leitung eines landwirtschaftlichen Betriebes eine gezielte Ausbildung nötig ist.

Strategien für eigenen Betrieb erstellen

Über 100 Jahre später bereiten sich die Studierenden aus der Region mit neuer technischer Ausstattung auf ihre Tätigkeit als Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter vor. In der Schule beschäftigen sich die Studierenden intensiv mit dem eigenen landwirtschaftlichen Unternehmen. Sie erarbeiten Optimierungsmöglichkeiten und mögliche Strategien für die zukünftige Ausrichtung ihrer Betriebe.

Schulleiter Norbert Pfeufer betont: „Ich bin sowohl dem Landkreis wie dem Landwirtschaftsministerium dankbar. Der Landkreis hat mit seinen Investitionen eine moderne Schule geschaffen. Das Ministerium hat für die entsprechende Personalausstattung gesorgt. Drei zusätzliche junge Kolleginnen und Kollegen bringen neue Ideen und setzen frische Akzente. Wir sind für die Zukunft bestens gerüstet.“ ,Außerdem lasse sich die Technik gut in den Unterricht integrieren, wie Student Stefan Konrad erzählt. „Man hat als Studierender auch Freude daran, die Unterrichtsinhalte digital festzuhalten, wenn man z. B. mit dem eigenen Laptop arbeitet“, erklärt er.
In den Anfangsjahren der Landwirtschaftsschule wurden auch allgemeinbildende Fächer wie Deutsch, Rechnen, Chemie und Physik unterrichtet, da die Schüler direkt nach der Volksschule den ersten Kurs besuchten. Darüber hinaus standen folgende Fächer auf der Stundentafel: Acker- und Pflanzenbau, Naturlehre mit Gesteins- und Bodenkunde, Tierzucht und Milchwirtschaft, Betriebslehre und Schätzungslehre, Buchführung mit Steuerkunde, Staatsbürgerkunde, Vortragsübungen, Gerätekunde, Zeichnen sowie Übungen im Feldmessen, im Turnen und im Feuerlöschwesen (ca. ab 1926).
Vergleicht man die Unterrichtsfächer von gestern mit denen von heute, wird deutlich, dass die Betriebswirtschaft an Bedeutung gewonnen hat. Besonders interessant ist, dass bereits damals Vortragsübungen in der Landwirtschaftsschule durchgeführt wurden. Heute stehen neben den klassischen Fächern wie z. B. Pflanzenbau, Tierhaltung und Unternehmensführung noch weitere Inhalte auf dem Stundenplan. Beispiele sind hier die Unterrichtsfächer Berufsausbildung und Mitarbeiterführung, Naturschutz und Landschaftspflege, Waldwirtschaft, Tiergesundheit und Tierschutz, Rechtslehre, Steuer- und Sozialrecht sowie verschiedene Seminare. Der stetige Wandel im Bereich der Landwirtschaft macht sich im Lehrplan der Staatlichen Landwirtschaftsschulen in Bayern bemerkbar. Es sollen keine Patentrezepte gelehrt, sondern Werkzeuge mit auf den Weg gegeben werden, die bei der Lösung noch unbekannter Herausforderungen hilfreich sind.
Der Abschluss zum „Staatlich geprüften Wirtschafter für Landbau“ ist eng verbunden mit der anschließenden Prüfung zum Landwirtschaftsmeister bzw. zur Landwirtschaftsmeisterin. Nach dem Berufsabschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf der Landwirtschaft und einem begleiteten Praxisjahr starten die Studierenden in das erste Semester. Im ersten Winter werden in den Fächern Unternehmensführung, Landwirtschaftliche Tierhaltung, Landwirtschaftlicher Pflanzenbau und Betriebslehre die Grundsteine für die Betriebsdokumentation gelegt.

Ein praktischer Versuch wird durchgeführt

Im Rahmen dieser Ausarbeitung wird der Ist-Betrieb beschrieben und beurteilt, sowie die Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital näher betrachtet. Während des Sommersemesters beschreiben und beurteilen die Studierenden die wichtigsten Produktionsverfahren bzw. Deckungsbeiträge des Betriebes. Außerdem wird ein praktischer Versuch auf dem Betrieb durchgeführt, das sogenannte Sommerprojekt. Die Studierenden beschäftigen sich hier mit Versuchsaufbau und Optimierungsmöglichkeiten im Betrieb.
An den Sommerschultagen können sich die Studierenden entsprechend ihrer eigenen Interessen fortbilden. Ein Beispiel: Wer im Bereich Direktvermarktung erweitern möchte, bekommt Exkursionen und Gespräche angeboten. Anschließend werden die Themen für den Ziel-Betrieb festgelegt. Im dritten Semester fertigen die Studierenden die Wirtschafterarbeit an. Hier berechnen sie den Ist-Betrieb, den nachhaltigen Betrieb, den optimierten Betrieb und den Zielbetrieb. Nach dem Besuch der Landwirtschaftsschule folgen weitere Teile der Meisterprüfung. Vervollständigt wird die Fortbildung mit dem Besuch der Höheren Landbauschule in Triesdorf.