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Fachforum

Für Dialog mit den Verbrauchern

Franken
Rosi Thiem
am Donnerstag, 12.12.2019 - 09:17

Ministerin Michaela Kaniber spricht beim Landwirtschaftsforum in Forchheim

Forchheim - Die Bestuhlung reichte nicht aus – einige mussten stehen. Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber referierte und die fränkischen Vertreter der Verbände und die Land- und Forstwirte kamen prompt und zeigten sich bodenständig und heimatverbunden. Die starke Zuhörerzahl – über 350 – bescheinigte den beiden Initiatoren des 7. Landwirtschaftsforums, Dr. Ewald Maier von der Sparkasse Forchheim und Oberfrankens BBV-Bezirkspräsidenten Hermann Greif, dass sie mit der Wahl der Referentin genau ins Schwarze getroffen hatten. „Für uns Agrarpolitiker ist das Ringen um tragfähige Lösungen mehr als herausfordernd“, betonte die Ministerin eingangs. Kaniber führte neben anderen Themen aus, dass die Gesellschaft inzwischen sehr gespalten ist und Fake News mehr Gehör fänden, als wissenschaftlich fundierte Tatsachen. Sie ging auf das aktuelle Auto- und Bauernbashing durch NGOs und Teile der Parteien- und Medienlandschaften ein.

Zum Volksbegehren „Rettet die Bienen“ verteidigte sie den Dreischritt aus annehmen, verbessern und versöhnen. „Wir installieren 50 Wildlebensraumberater an unseren Ämtern und nehmen zusätzlich 70 Mio. €, vor allem für Agrarumweltmaßnahmen, in die Hand.“

Unter anderem ging sie auch kurz auf die Ferkelkastration und die Anbindehaltung ein und die Waldumbauoffensive. Zu den steigenden Anforderungen bei Stallbauten sagte sie: „Überzogene Forderungen spielen einzig und allein den Großbetrieben in die Hände, und nicht den von der Gesellschaft gewünschten bäuerlichen Strukturen.“ Dabei erwähnte sie im Blick auf die Anstrengungen für mehr Tierwohl, dass im aktuellen Doppelhaushalt die Fördermittel um 30 Mio. auf 63 Mio. aufgestockt wurden. Kaniber plant verstärkt, sich für einen Erzeuger-Verbraucher-Dialog und die Selbstversorgung im eigenen Land einzusetzen. „Bei der gemeinsamen Agrarpolitik nach 2020 beginnt jetzt die heiße Phase“, erinnerte sie zu einem weiteren Thema des Abends. „Agrarindustrielle Betriebe wie im Norden und Osten haben deutliche Kostenvorteile gegenüber unseren Familienbetrieben. Das muss auch Berücksichtigung finden. Die Förderzuschläge für die ersten Hektare müssen verdoppelt werden“, mahnte sie und sprach sich für eine Deckelung nach oben aus.

Der zweieinhalbstündige Auftritt von Michaela Kaniber hätte noch länger andauern können, gemessen an den Wortmeldungen. Die Themen brannten den Zuhörern auf den Nägeln. „Wir denken in Generationen und nicht in Kampagnen“, war zu hören. Es kamen Anfragen über die Ungleichbehandlung von Pflanzenschutzmitteln gegenüber privaten Abnehmern, ein Teilnehmer bemängelte das spät ausgezahlte Kulap und viele machten sich Sorgen um ihre Wälder.