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Schweinehalter

Für den ASP-Ernstfall gerüstet sein

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Fritz Arnold
am Dienstag, 22.02.2022 - 07:58

Die Afrikanische Schweinepest rückt immer näher an Bayern heran. Schweinehalter müssen deshalb einige Dinge beachten.

Neustadt/Aisch Die Schweinehaltung erlebt die größte Preismisere seit 40 Jahren und ein Ende ist nicht in Sicht. Eduard Mack vom Vorstand des Besamungsvereins Neustadt wählte drastische Worte zur Eröffnung des Managementtages der Schweinehalter. Einer der Hauptgründe dafür werde wegen Corona und den Auseinandersetzungen mit dem Lebensmitteleinzelhandel über eine faire Bezahlung der Bauern fast vergessen: Die Afrikanische Schweinepest (ASP). Vor zwei Jahren wurde viel informiert und verheerende Szenarien aufgezeigt, wenn die ASP von Osteuropa auf Deutschland übergreifen sollte – doch jetzt ist der Fall der Fälle eingetreten.

China nimmt aus Deutschland und vor allem aus Spanien keine Schlachtschweine mehr ab, die nun alle auf den heimischen Markt drängen. Bei einem Preis von 1,20 € pro Kilo Schlachtgewicht werden die Verluste pro Mastschwein auf 20 € beziffert.

Befallene Wildschweine

Für Dr. Uwe Knickel vom Veterinäramt Neustadt war dies Anlass, eindringlich auf die immer näher rückenden Fälle aufmerksam zu machen. Seit dem ersten Fall vor 14 Monaten mit inzwischen 850 Wildschweinfunden im Oder-Spree-Kreis ist die Virusinfektion inzwischen bis Meißen und damit 150 Kilometer an Bayern herangerückt. Und nach wie vor drücken ASP-befallene Wildschweine von Polen aus nach Ostdeutschland herein.

Als ein großes Problem bezeichnete es der Amtstierarzt, dass in Osteuropa noch viele Schweine in Kleinbeständen gehalten werden. Auch bei uns könnten Abwehrmaßnahmen durch Freiland- und Auslaufhaltungen erschwert werden, die aus Tierwohlgründen erwünscht seien. In Polen, so Knickel, seien inzwischen auch einige Großbestände betroffen und die ASP breite sich nicht nur nach Westen, sondern weltweit aus.

Aus Vorsichtsgründen werden nun in den bayerischen Bezirken, die dem Bundesland Sachsen am nächsten liegen, von allen erlegten und gefundenen Wildschweinen Blutproben am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit untersucht. Absolut wichtig sei es, ein Überspringen der Virusinfektion vom Schwarzwild auf die Stallhaltungen zu verhindern.

Anschließen wurde in die Neustadthalle Professor Dirk Werling vom Royal Veterinary College in Hartfield in England per Video zugeschaltet. BVN-Direktor Dr. Claus Leidig bezeichnete ihn als eine Koryphäe auf seinem Gebiet, der in Hannover Tiermedizin studiert und auch schon in den USA gearbeitet hat. Werlings Untersuchungen haben das Ziel, mit weniger Antibiotika in der Ferkelaufzucht auszukommen. Nach seinen Ausführungen beginnen alle Krankheiten im Darm.

Dreck hilft Immunabwehr

Die Bakterien, die ein Jungtier aus dem Geburtskanal und der Nähe zum After mitbekommt, stellten sich bei den Untersuchungen als hilfreich für die Immunabwehr heraus. Es habe sich herausgestellt, dass zu viel Dreck nicht gut sei, aber übertriebenes Waschen mit viel Seife noch mehr schade. Bei Saugferkeln hemme eine zu sterile Umgebung die Entwicklung des Mikrobiomes als gesunde Vielfalt der Bakterienflora.

Deshalb könnten auch manche Desinfektionsmittel der gewünschten Bakterienvielfalt im Verdauungstrakt schaden. Gut für das Immunsystem der Jungtiere sei Hautkontakt nach der Geburt und auch das Ablecken durch das Muttertier. Negativ für das Mikrobiom wirkten sich frühzeitige orale Gaben von Antibiotika aus. Als positiv für eine gesunde Entwicklung im Jugendstadium bezeichnete Dirk Werling die Gabe von Raufutter und Freilandhaltung.