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Fränkische Zwetschge soll Dornröschenschlaf beenden

Vermarktung der Zwetschge
Ludwiga Friedl
Ludwiga Friedl
am Mittwoch, 30.10.2019 - 10:52

Die Fränkische Zwetschge soll mit neuen Produkten gebührend in Szene gesetzt werden. Als Vorbild dient hierfür die Wachauer Marille.

Die fränkische Zwetschge wurde gebührend in Szene gesetzt bei einer Produktpräsentation in der Vinothek „Fahr Away“ in Volkach. Dem Motto „Fränkische Zwetschge in aller Munde“ wurden die Veranstalter dabei gerecht. Das Anliegen des bayerischen Landwirtschaftsministeriums, der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) und des Fränkischen Weinbauverbandes ist es, die fränkische Zwetschge aus ihrem Dornröschenschlaf zu holen. Dabei gibt es ein großes Vorbild: die Marillen in der Wachau. Warum sollte nicht auch die fränkische Zwetsch­ge eine geschützte Ursprungsbezeichnung bekommen?

Georg Bätz von der LWG konnte zu der Präsentation auch die Produzenten begrüßen: Martha Gehring hat einen Zwetschgenlikör entwickelt, der das Begrüßungsgetränk verfeinerte, das mit fränkischem Secco kredenzt wurde. Von Steffi Böhm stammt der fruchtige Brotaufstrich „zwitschernde Zwetschgen“. In der Hofmetzgerei Arnold in Iphofen werden nicht nur Zwetschgenbratwürste geräuchert, sondern auch Leberwurst mit Zwetsch­gen und Chili angereichert. 

Zahllose Varianten der Verarbeitung

Winzer Manfred Rothe experimentiert schon seit 20 Jahren heimlich mit Essig und hat ein Produkt entwickelt, das zu 100 % aus „Bühler Zwetschge“ besteht und besonders gut zu Feldsalat mit Walnüssen passt. Weil die übrigen Hersteller nicht anwesend sein konnten, stellte die Fränkische Weinkönigin Carolin Meyer ihre Kreationen vor, zum Beispiel das Chutney der Familie Braun, das gut zu Steak, Wildbraten und Käse passt.

Die Fruchtnascher-Schokolade mit Zwetschgen, weiße Trüffel mit Zwetschgenwasser und Gefüllte Zwetschgen aus der Grand Cru Chocolaterie von Anna Kaerlein-Seip in Burgbernheim. Den Zwetschgensenf und das -ketchup aus dem Hofladen Friedrich in Gernach. Und den Zwetschgen-Rub aus dem Alten Gewürzamt von Ingo Holland in Klingenberg am Main.

Anspruchsvolle Verbraucher

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„Die Verbraucher werden anspruchsvoller“, sagte Prof. Dr. Richard Balling vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium. Deshalb habe die Premiumstrategie für bayerische Lebensmittel drei Schwerpunkte: „In den hundert Genussorten wollen wir Leute, die Gutes leisten, zusammenbringen“, sagte Balling, also Winzer und Landwirte mit Gastronomen und Touristikern. 52 der 100 Genuss­orte liegen übrigens in Franken, sechs davon im Landkreis Kitzingen.

Zusammen mit der LWG und mit dem Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) in Kulmbach sollen weitere Produkte entwickelt werden. Und es sollen Wertschöpfungsketten von Genussschätzen wiederbelebt werden. Die Idee dazu sei vor etwa drei Jahren im Arbeitskreis Wein.Schöner.Land des fränkischen Weinbauverbandes geboren worden. Dabei gehe es um Premiumstrategien, etwa vom Acker bis zum Brotkorb. „Der fränkische Zwetschgenblootz hat identätsstiftende Wirkung“ sagte Balling. Es gelte, Bausteine für fränkische Genusskultur umzusetzen.

Pflege der Kulturlandschaft

„Seit dem Jahr 2000 pflegen wir die Aktion Baum für Frankens Weinberge“, erinnerte der Fränkische Weinbaupräsident Artur Steinmann. Dabei wurden bereits 1000 Weinbergspfirsiche gepflanzt, die nicht nur Wanderern Schatten spenden, sondern auch Lebensraum für die heimische Fauna bieten.

Es gehe darum, in Einigkeit die ganze Region nach vorne zu bringen. Einen Abriss über die Geschichte des Zwetschgenanbaus in Franken seit Karl dem Großen gab LWG-Präsident Dr. Hermann Kolesch. Um 1802 habe es in Kleinlangheim 19 000 Zwetschgenbäume und 95 Brenner gegeben. Getrocknete Früchte seien ein wichtiges Handelsgut gewesen.

Die Klassiker seien Zwetschgenblootz und edle Destillate – hier wurde auch auf die desta 2019 verwiesen, das hochprozentige Genuss-Festival in Volkach am 9. und 10. November. Heute werde die Zwetschge in Süddeutschland nur noch auf rund 600 ha angebaut, davon 400 ha in Franken, 32 % im Landkreis Forchheim, 24 % in Kitzingen, 15 % in Würzburg und 12 % in Schweinfurt.