Bauern helfen

Flutkatastrophe: Brennholz für das Ahrtal

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Veronika Fick-Haas
am Freitag, 10.12.2021 - 10:24

600 Ster Holz, 13 Fuhren mit dem Lkw: Als ,Lohn‘ ernten der MR Landkreis Ansbach und die FBG Ansbach Fürth den Dank der Menschen, deren Brennholz das Hochwasser im Sommer einfach weggeschwemmt hatte.

Der Maschinenring Landkreis Ansbach und die Forstbetriebsgemeinschaft Ansbach Fürth haben sich zusammengetan und gemeinsam die Aktion ‚Brennholz fürs Ahrtal‘ gestemmt. Über 600 Ster Brennholz wurden gesammelt, z. T. getrocknet, in Gemeinschaftsaktionen gespalten und gesägt und schließlich in 13 Lkw-Fuhren ins Ahrtal gebracht.

„Mein Opa hat immer von Hilfslieferungen nach dem Krieg aus Österreich berichtet. Dankbar waren die Leute damals für das gespendete Futter. Und jetzt erfahren wir diese Dankbarkeit von den Leuten im Ahrtal, die von der Flutkatastrophe betroffen sind und sich über unsere Spenden und das Brennholz freuen“, berichtet Friedrich Bauer, stellvertretender Vorsitzender im MR Landkreis Ansbach und zugleich Vorstandsmitglied der Forstbetriebsgemeinschaft Ansbach–Fürth.

Es ist der Dank der Betroffenen, der zur Hilfe motiviert. Auch die Erfahrung, wie viel man mit Zusammenhalt und Engagement erreichen kann, ist etwas ganz Besonderes. „Von dieser Brennholz-Aktion werden wir noch unseren Enkelkindern erzählen“, betont der agile Land- und Forstwirt.

Kaum funktionierende Heizungen im Ahrtal

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Die Bilder der Flutkatastrophe im Ahrtal Mitte Juli bewegten die Öffentlichkeit. Das Ganze direkt vor Ort zu sehen, bestürzte die Spender aus Ansbach sichtlich. Die Erlebnisse, die ihnen geschildert wurden, gehen unter die Haut: Familien mit Kindern harrten die Nacht über auf Dächern aus. Andere mussten mit ansehen, wie Nachbarn mitgerissen wurden und konnten nicht helfen. Verwüstete und komplett weggespülte Wohnhäuser und Gebäude, zerstörte Straßen. Kein Strom, kein Gas, keine Kommunikation nach außen um zu erfahren, wie es Freunden und Verwandten geht.

Auch vier Monate nach dem Hochwasser ist die Situation alles andere als normal. „Überall sieht man die Schäden. 90 % der Häuser waren geflutet. Entsprechend sind die Heizungen in den Kellern kaputtgegangen. Jetzt laufen zwar Reparaturen und Neuinstallationen, aber das Material ist knapp und die Monteure kommen nicht hinterher“, beschreibt Leo Schüller die Lage. Der Geschäftsführer des MR Rhein-Ahr-Eifel ist sehr froh, dass die Kollegen aus dem MR Landkreis Ansbach zusammen mit der Forstbetriebsgemeinschaft Ansbach Fürth die Region mit ihrer Brennholz-Aktion tatkräftig unterstützen.

Brennholz ist rar. Es wurde beim Hochwasser weggeschwemmt. Benötigt wird es jetzt zum Heizen des Wohnraums, wenn die Heizung noch nicht wieder betriebsbereit ist. Aber auch zum Trocknen der feuchten Häuser ist das Brennmaterial begehrt. Schließlich ist es eine gute Alternative zu Bautrocknern. Diese laufen vielfach rund um die Uhr, was teuer ist und die Stromnetze belastet. Dankbar ist man entsprechend für die zwanzig Holzöfen, die in Franken gespendet und ins Ahrtal gebracht worden waren. Dort leisten sie jetzt gute Dienste.

Begonnen hat alles mit einer MR-Tombola

Zurück nach Ansbach. Wie die Verantwortlichen darlegen, hatte alles mit dem Aufruf zur Fluthilfe-Spendenaktion des Bundesverbandes der Maschinenringe begonnen. Im MR Landkreis Ansbach sammelte man dafür am Tag der offenen Tür Spenden. Durch verschiedene Aktionen und einer großen Tombola konnten insgesamt 10 000 € eingenommen und gespendet werden.

Doch allein bei Geldspenden – so wichtig und sinnvoll sie sind – wollte man es nicht belassen. Bei der Übergabe des Schecks im Ahrtal, erhielten Friedrich Bauer und seine Mitstreiter auf die Frage, was denn am Nötigsten gebraucht werde, die schlichte Antwort: Brennholz. Schon auf der Heimfahrt diskutierte man, wie das Heizmaterial am besten organisiert werden könnte. „Dass daraus eine so große Welle der Hilfsbereitschaft entstehen könnte – das hatte damals keiner gedacht“, so Friedrich Bauer.

Profis im Organisieren – viele Helfer und Spender

Schnell war mit der Forstbetriebsgemeinschaft ein weiterer Organisations-Profi gewonnen. Gemeinsam machte man in Social Media und Zeitungsaufrufen Werbung. So wurde die Aktion bekannt. Viele Leute wollten sich beteiligen. „Wir waren Tagesgespräch. Manche spendeten Geld, manche Brennholz und manche brachten sich mit ihrer Arbeitskraft oder Maschinen ein“, erzählt Elena Scheuerpflug, die zusammen mit dem MR-Team das Ganze organisierte.
Die Telefone beim Maschinenring und der Forstbetriebsgemeinschaft standen kaum still. Über 70 Landwirte und Privatleute kündigten ihre Holzspenden an. Jede Meldung war willkommen, ob zwei oder 45 Ster. Angenommen wurden nicht nur Scheitholz, sondern ebenso Meterware und feuchtes Stammholz. Für letzteres wurden Trocknungsmöglichkeiten über Container bei Biogas-Anlagen gesucht und gefunden.
Für die Holzaufarbeitung setzte man am MR-Betriebsgelände einen fixen Termin Anfang November an. Die FBG stellte kostenlos ein Holzsägespaltautomat zur Verfügung, zahlreiche Landwirte Trommelsägen, Schlepper, Kipper und Rückewägen. Freiwillige Helfer – allen voran die Mitarbeiter des MR Landkreis Ansbach – machten sich an die Arbeit und waren am Ende des Tages glücklich über das Geleistete. Auch die FBG hatte Sammelplätze ausgewiesen und arbeitete das Holz mit Freiwilligen auf.
Um den Transport und die Abnahme im Ahrtal zu erleichtern, wurden von verschiedenen Firmen knapp 200 BigBags gespendet, die allesamt gefüllt werden konnten. „In Windsbach, hat sich das ganze Dorf zusammengetan und allein eine Lkw-Ladung Holz gesammelt und aufbereitet. Es war einfach gigantisch“, bemerkt Elena Scheuerpflug.

Abladen, da wo früher drei Häuser standen

Der Maschinenring und die Forstbetriebsgemeinschaft übernahmen die Koordination. In langen Listen wurde eingetragen, wer sich mit was, wann, wie und wo einbringen wollte. Nicht zu vergessen der Transport des Brennholzes ins rund 400 km entfernte Ahrtal.
„Die Fahrt dauert fünf bis sechs Stunden. Wenn man um 3 Uhr nachts in Mittelfranken losfährt, dann ist man so um 8 Uhr oben“, zeigt Heiko Schirrle aus Waldhäuslein/Schopfloch auf. Das Kerngeschäft des landwirtschaftlichen Lohnunternehmers ist eigentlich das Umsetzen von Gülle. Jetzt hat er zweimal seinen Sattelzug mit 90 cbm Brennholz gefüllt und ist zusammen mit seinem Fahrer ins Ahrtal gefahren. Schließlich stehe der Winter vor der Tür. Da sei Hilfe dringend nötig.
Vor Ort hat Leo Schüller mit den jeweiligen Bürgermeistern die Verteilung abgestimmt. Abgeladen wird auf einem freien Platz, wo vor der Flutwelle drei Häuser standen. „Es ist beeindruckend, wie viele Menschen sich auch hier vor Ort engagieren. Da sind meine Fahrten ja nur ein kleiner Beitrag. Die Hauptsache ist doch, dass den Leuten geholfen ist“, sagt Heiko Schirrle bescheiden.
In die gleiche Richtung gehen die Organisatoren in Ansbach. „Es ist unglaublich, wie zusammen geholfen wurde. So viele waren beteiligt und darauf sind wir stolz. Nicht ein einzelner hat dies alles geschafft, sondern alle miteinander. Das macht Mut für die Zukunft“, bekräftigt Friedrich Bauer.
MR Landkreis Ansbach