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Jahresbilanz

Fleischerzeuger: Am Markt effizient behauptet

Franken
Gabi Bertram
am Dienstag, 17.12.2019 - 10:06

Die Erzeugergemeinschaft Franken-Schwaben zieht eine positive Jahresbilanz.

Karolinenhöhe/Lks. Lichtenfels - Bei einem Umsatz von gut 240 Mio. € und einem Jahresüberschuss von rund 76.000 € kann die Erzeugergemeinschaft Franken-Schwaben für das Geschäftsjahr 2018/19 erneut eine beachtliche Bilanz vorweisen und sich als bäuerliche Gemeinschaft auf dem Markt effizient behaupten.

Trotz dieser außerordentlich guten Ergebnisse liegt den Tierproduzenten die aktuelle Situation in Politik und Gesellschaft schwer im Magen. Ein positives Signal aber, kündigte Vorstandchef Stephan Neher in seinem Bericht an, sei das Knacken der Zwei-Euro-Marge bei Schweinefleisch. „Endlich gibt es vernünftiges Geld, was auch bitter nötig ist, weil genug Löcher zu stopfen sind.“

Neher beklagte aber auch, dass die Gesellschaft sich in ihrer Sicht der Landwirtschaft nicht von Fakten und Sachargumenten, sondern vom Bauchgefühl leiten lasse. Hier müsse man besser reagieren und agieren, meint Neher, auf vielen Kanälen mit Fakten und Argumenten unterwegs sein, Image und Akzeptanz finden und stärken. „Wir sind als Landwirte der Zukunft gut aufgestellt“, erklärte der Vorstandschef und appelliert an die Mitglieder der Erzeugergemeinschaft, sich der Verantwortung für die Landwirtschaft und den Beruf des Landwirtes offensiv zu stellen.
 

Plädoyer für vierten Weg

Als ein Thema, das in der Öffentlichkeit diskutiert wird, nannte Neher die Ferkelkastration, die ab 1. 1. 2021 nicht mehr betäubungsfrei durchgeführt werden darf. Die Bauern plädierten dabei für den sogenannten vierten Weg, die Lokalanästhesie, und meinten, von Tierschützern geforderte Vollnarkosen seien flächendeckend nicht praktikabel. Mehrere Verfahren, so Neher, seien im Test, man setze große Hoffnungen in ein Medikament zur schmerzfreien lokalen Betäubung, das ebenfalls derzeit in Probe sei und hoffentlich zugelassen werde.

Ein weiteres Problem sei die Afrikanische Schweinepest (ASP), die auch hierzulande Auswirkungen zeige, aber letztlich auch eine Chance für viele Betriebe sei, in der Produktion zu bleiben, ohne sich über die Größe definieren zu müssen. Insgesamt, meinte Neher, werde man noch stärker zusammenhalten müssen.

Licht und Schatten bei den Zahlen

In Zahlen und Fakten ließ Geschäftsführer Burkhard Hock den Abrechnungszeitraum Revue passieren. Vermarktet wurden insgesamt 1,2 Mio. Ferkel (-5,7 % zum Vorjahr), 694.000 Schweine (-3,9), 41.500 Stück Großvieh (+1,5), 34.500 Kälber (-8,6) und 8,430 Fresser (-8,1).

Allein in der Ferkelproduktion habe man ein Minus von rund 5 Mio. € zu verzeichnen. Die gute Nachricht: Die Preise für Ferkel sind im Aufwärtstrend. Auch der Schweinepreis steigt. Bei Schlachtschweinen hat die Erzeugergemeinschaft ein Plus von 437.000 € erwirtschaftet. Bei Großvieh steigen in der Vermarktung zwar die Stückzahlen, aber allein bei der Bullenmast würden 2 Mio. € weniger Wertschöpfung zu Buche stehen, und auch die Kuhpreise würden rapide sinken. Hier, so Hock, machten sich Rindfleischimporte aus Irland oder Südamerika bemerkbar.

Bei Kälbern würden – der Blauzungenkrankheit geschuldet – Stückzahlen und Preise nach unten gehen.

Was die Tierproduzenten beschäftigt, so Hock, seien Kastration und Vermarktung, Tierwohlprogramme, Haltungsformen, ein um 8 % gesunkener Schweinefleischverzehr in Deutschland, aber auch Tiertransporte bei extremen Temperaturlagen und demzufolge Überlegungen zu Transportfahrzeugen der Zukunft. All das müsse im Mix von Vernunft, Realitätssinn, Erfahrung und Innovationsoffenheit betrachtet und umgesetzt werden.

240 Mio. € Umsatz

Insgesamt, fasste Hock zusammen, wurde ein Umsatz von rund 240 Mio. € erreicht, 14 Mio. weniger als 2017/18. Vermarktet wurden 1,98 Mio. Tiere mit einem Gesamtgewicht von über 153.000 t. 48 Lkw fuhren 2,5 Mio., 40 Pkw 1,5 Mio. km.

In die Erneuerung des Fuhrparks wurden 873.000 € investiert. Auf der Kostenseite machten sich hier rund 160.000 € mehr an Mautgebühren und 60.000 € mehr für Diesel bemerkbar.

185.000 € wurden in Liegenschaften investiert. Am Ende steht ein Jahresüberschuss von rund 76.000 €. Das, resümierte Hock, sei ein solides Ergebnis, das die 3199 Mitglieder der Erzeugergemeinschaft erwirtschaftet haben.

Wie Landwirtschaft sich positiv darstellen kann, dazu gab Eva-Maria Haas, Geschäftsführerin des Vereins „Unsere Bayerischen Bauern“ dann noch interessante Impulse.