Schlachthofstruktur

Fleisch der kurzen Wege

Metzger-Schlachthof-Fürth_LF
Lorenz Märtl
am Mittwoch, 29.07.2020 - 10:05

Fürther Metzger-Schlachthof als Garant für dezentrale Verarbeitung und Vermarktung – „Ein Qualitäts- und Alleinstellungsmerkmal“

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Für Geschäftsführer Konrad Ammon ist der Fürther Metzgerschlachthof ein positives Gegenmodell zu den in jüngster Zeit arg ins Gerede gekommen industriellen Großschlächtereien. Ammon, der auch Landesinnungsmeister der Fleischer ist, sieht die Fürther Einrichtung als Garant für dezentrale Verarbeitung und Vermarktung sowie tierschutzgerechte Schlachtung: „Er bleibt ein Qualitäts- und Alleinstellungsmerkmal für die Metzger der Region.“

Um eine gesicherte höhere Schlachtleistung auch in Zukunft zu gewährleisten, sind weitreichende bauliche und technische Maßnahmen mit einem Investitionsvolumen von 5,5 Millionen Euro geplant, die vor allem auf Tierwohl, Hygiene, Umwelt sowie Ressourcen- und Energieeffizienz abzielen. Dabei hofft man auch auf eine Förderung durch EU, Bund und Freistaat Bayern.

Unterstützung zugesagt

„Der Fürther Metzger-Schlachthof könnte so zum Vorbild für eine regionale Fleischverarbeitung und -vermarktung in ganz Bayern werden“, befand Ex-Bundeslandwirtschaftsminister, MdB Christian Schmidt, der sich kürzlich mit der Europaabgeordneten Marlene Mortler und der Landtagsabgeordneten Petra Guttenberger vor Ort über die geplante Sanierung und Erweiterung informierte. Er sprach von „einem Erfolgsmodell, das seit fast 30 Jahren auf Handwerk, tierschutzgerechte Schlachtung und heimische Fachkräfte setzt, als Regionalvermarkter und verlässlicher Arbeitgeber etabliert und ein Garant für dezentrale Verarbeitung ist“.

Hochwertige und sichere Lebensmittel

„Dass wir uns beim Genuss unserer Fleisch- und Wurstspezialitäten nicht nur am Geschmack erfreuen, sondern auch auf hochwertige und sichere Lebensmittel vertrauen dürfen, verdanken wir auch Unternehmen wie dem Schlachthof“, erklärte Schmidt, der versprach, mit Mortler und Guttenberger im Rahmen ihrer Möglichkeiten das Vorhaben zu unterstützen. Seitens des Bundes wäre eine Förderung im Programm „Bundesförderung für Energieeffizienz in der Wirtschaft“ und im Rahmen der „Kälte-Klima-Richtlinie“ denkbar.

Guttenberger verwies auf ein Gespräch zur Förderung regionaler Schlachthöfe mit den Beteiligten im Bayerischen Wirtschaftsministerium. „Gut funktionierende regionale Verarbeitungs- und Vermarktungsstrategien sind von enormer Bedeutung. Das hat uns die aktuelle Situation deutlich vor Augen geführt. Deshalb ist es wichtig, Betriebe wie unseren Fürther Schlachthof zu unterstützen“, meinte Guttenberger.
MdEP Mortler, Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Ernährung, Landwirtschaft und Forsten der CSU und Mitglied im Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (AGRI) des Europaparlaments, bekräftigte, dass ihr „ein faires, gesundes und umweltfreundliches Ernährungssystem besonders wichtig ist“. Und dazu gehöre auch die entsprechende Erzeugung und Verarbeitung. Sie bedauerte, dass es in Brüssel leider noch keine konkreten Fördermittel für regionale Schlachthöfe gibt: „Aber wenn wir in der EU von Green Deal und Farm to Fork sprechen, müssen wir dringend auch hier investieren.“

Gegenmodell zu Industrieschlachthöfen

„Wer das immer größer und immer weiter kritisch sieht, der kann im bodenständigen Fürther Metzgerschlachthof sozusagen das Gegenmodell zu Industrieschlachthöfen finden. Zudem müssen Tiere, die in Fürth geschlachtet werden, nicht vorher stunden- und tagelang hin- und hertransportiert werden“, merkte Schmidt an. „Mit hochwertigem Fleisch, besten Zutaten und dem meisterlichen Können stelle man hier ausgezeichnete fränkische Fleisch- und Wurstwaren her. Deshalb werde man sich mit aller Kraft dafür einsetzen, den Standort mit seinen Arbeitsplätzen und die Nahversorgung der Bürgerinnen und Bürger mit frischem Fleisch aus der Region zu sichern.

Einzugsgebiet von rund 50 km

Der Fürther Schlachtbetrieb hat ein Einzugsgebiet von rund 50 km mit einem Kundenstamm von 330 Betrieben, der sich aus den Eignern der GmbH und weiteren Landwirten, Metzgereien, Viehhändlern und Direktvermarktern aus der Region zusammensetzt. Die Schlachttiere kommen ausschließlich aus der Region. 2019 waren dies 60 000 Schweine, 3800 Rinder und 1600 Schafe.

Zentrum für regionale Schlachtung

Der Metzger-Schlachthof Fürth verfügt über eine EU-Zulassung und ist durch die Schließung wichtiger Schlachthöfe in der Region zu einem Zentrum für die regionale Schlachtung geworden. Zielsetzung der geplanten Sanierung ist deswegen die Ausweitung und Aufrechterhaltung qualitativ hochwertiger landwirtschaftlicher Produkte aus der Region für die Region.
Mut macht den Verantwortlichen, dass sich die Kunden gerade in Zeiten der Corona-Krise auf regionale Wertschöpfungsketten und den Einkauf vor Ort besonnen hätten. Und nicht ohne Stolz merkte Ammon abschließend an, dass der Metzger-Schlachthof Fürth wegen seiner besonderen regionalen Ausrichtung einer der wenigen war, die von den Behörden nicht als Corona-Test-Schwerpunkt gebrandmarkt wurden.