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Kiesabbau

Flächenfraß: Kiesabbau zieht Wildvögel an

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Stephan Stöckel
am Freitag, 08.04.2022 - 09:00

Im oberen Maintal gibt es viele Wasserflächen und Feuchtgebiete. Es könnten noch weitere hinzukommen. BBV Lichtenfels befürchtet Verlust wertvollen Ackerlands

Lichtenfels Das Lichtenfelser Unternehmen Heinrich Schramm, das Kiesgewinnung betreibt, und der Freistaat Bayern planen zwischen dem Bad Staffelsteiner Ortsteil Wiesen und dem Dorf Niederau, das zur Gemeinde Ebensfeld gehört, 72 ha Kies abzubauen. „Das ist ein großer Eingriff in die Landwirtschaft“, sagte Kreisgeschäftsführer Hans Rebelein bei einer Videokonferenz des BBV Kreisverbandes Lichtenfels. Zudem befürchten die Bauern, dass durch den Kiesabbau weitere Feuchtgebiete entstehen. Diese könnten Wildvögel anlocken, die dann die Felder in der Nachbarschaft kahlfressen und mit Kot verunreinigen.

Kreisbäuerin Marion Warmuth verwies darauf, dass sich durch den bereits bestehenden Kiesabbau Wildgänse und Störche enorm verbreitet hätten. „Auf frisch geackerten Flächen tummeln sich Scharen von Wildvögeln“, stellte sie fest. Wie man der Problematik Herr werden kann, erörterten die Landwirte im Gespräch mit Landrat Christian Meißner und MdB Emmi Zeulner.

Weide für die Gänse

Nebenerwerbslandwirt Klaus Weiß aus dem Hochstadter Ortsteil Gruben, der im Maintal Flächen zwischen Schwürbitz und Trieb bewirtschaftet, schlug vor, die Anzahl der Tiere durch Abschuss und Entfernung von Eiern zu minimieren. Zudem sollten Abwehrflächen aus Klee- und Weidegras geschaffen werden, auf denen sich die Gänse sattfressen könnten. Für diese Flächen müssten die Landwirte eine Entschädigung erhalten. Zudem sollte man bei Ausgleichsflächen darauf achten, nicht immer nur Baggerseen und Schilfzonen auszuweisen. „Wie wäre es einmal mit Streuobstwiesen oder Trockenrasen?“, fragte Weiß in die Runde. „Ich werde beim staatlichen Bauamt in Bamberg, dem Landkreis und den Kommunen diesbezüglich nachhaken“, antwortete Zeulner.

Management von Wildgänsen“

Im unterfränkischen Sand am Main gibt es das Pilotprojekt „Management von Wildgänsen“. Dort versucht man mit Eierentnahmen der Problematik Herr zu werden. Rebelein forderte das Projekt auf den Landkreis Lichtenfels auszudehnen. Er erinnerte daran, dass es früher einmal Entschädigungen für betroffene Landwirte gegeben habe, die der Bayerische Rechnungshof den Landwirten wieder genommen habe. Weiß betonte, dass die damalige Entschädigungsregel nicht zufriedenstellend gewesen sei. Um einen Schadensausgleich zu erhalten, habe man einen Mindestschaden von 2500 € nachweisen und ein Gutachter habe den Schaden schätzen müssen. „War der Schaden geringer als 2500 €, ist man auf den Kosten für den Fachmann sitzengeblieben“, kritisierte er.

Kreisobmann Michael Bienlein stellte klar, dass man keine Tiere ausrotten wolle. Vielmehr fordere man einen Managementplan, in dem festgestellt werde, wie viele Schäden durch die invasiven Vogelarten tragbar seien. Zeulner will sich für eine Ausdehnung des Pilotprojekts einsetzen. Die Idee von Weiß, den Tieren geeignete Wiesen anzubieten, statt sie zu vergrämen, begrüßte der Landrat. Abschuss und Eierentnahme seien sehr aufwendig. Über die geplante Ausweitung des Kiesabbaus müsse man genau nachdenken, weil dadurch „landwirtschaftlich genutzte Fläche verloren gehen, die der Lebensmittelproduktion dienen“.