Ortsbesuch

Fische mit dem Gewehr verteidigen

Umweltminister-Fisch-ER_LF
Fritz Arnold
am Freitag, 05.11.2021 - 11:38

Umweltminister Thorsten Glauber verspricht den Teichwirten aktive Unterstützung. Insbesondere Kormorane und Fischotter machen zu schaffen.

Birnbaum/Lks. Neustadt /Aisch-Bad Windsheim „Ich werde mich bei den Problemen der Teichwirte mit Kormoranen und Fischottern nicht wegducken“, versprach Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber beim ersten Praxistag der Fisch-Erzeugergemeinschaft in Birnbaum. Probleme hätten die Karpfenzüchter reichlich, machte die Erzeugerringvorsitzende Gabi Schmidt deutlich, auf deren Einladung Fachleute der Teichwirtschaft bis aus Oberfranken und aus der Oberpfalz in den Aischgrund kamen.

Wie die Diskussion an einem Weiher von Gastwirt und Teichwirt Meinrad Frieß zeigte, gibt es in dem Bereich reichlich zu tun. Walter Jakob als Sprecher der Aischgründer Teichwirte, sagte, dass es nicht anders gehe, als dass die Weiherbesitzer ihre Fische mit dem Gewehr verteidigen, um die Verluste durch Kormorane in Grenzen zu halten. Er schlug deshalb vor, die Ausbildung zur Erlangung der Jägerprüfung in die Ausbildung der Fischer mit einzubeziehen.

Dem Fischotter Einhalt gebieten

Weiter verschlimmern könne sich die Situation, wenn sich die Fischotter von der Oberpfalz und Oberfranken kommend auch in Mittelfranken ausbreiten sollten. Jakob fürchtet sogar, dass die Teichwirtschaft nicht zu retten wäre, wenn der Vermehrung der Fischotter nicht Einhalt geboten werde. Ein Teilnehmer aus der Oberpfalz wies darauf hin, dass im Raum Tirschenreuth schon ein Viertel aller Weiher aufgegeben und stillgelegt wurden. Wie groß die Problematik sei, sei schon daran zu erkennen, dass schon Fischotterschäden in Höhe von 1,5 Mio. €o in Bayern angemeldet worden seien. Das geht weit über die Schäden hinaus, die bisher Wolfrisse zur Folge hätten und in der Öffentlichkeit stärker diskutiert werden.

Mit Entschädigungen ist es nicht getan, erklärte Walter Jakob, denn wenn die Laich-Fische weggefressen seien, sei nichts mehr da. Christoph Oberle als einer der großen Teichwirte in der Region wies darauf hin, dass von Kormoranen verletzte Karpfen nicht mehr abgesetzt werden könnten.

Dass dann eine wertvolle Kulturlandschaft mit ihrer Biodiversität verloren ginge, wenn die Fischzucht überhaupt keinen Ertrag mehr abwerfen würde, räumte der Minister ein. Zwischen den Zeilen war herauszuhören, dass manche Beamte aus dem Umweltministerium die Bedeutung der Wasserrückhaltung, den Artenschutz und die Pflanzenvielfalt an den Teichen in Franken etwas anders sehen.

Um bei all diesen Fragen auf politischer Ebene besser voranzukommen, will Landtagsabgeordnete Gabi Schmidt (FW) noch enger mit Vertretern der Karpfenteichwirtschaft auch über die Bezirksgrenzen hinaus zusammenarbeiten. Minister Glauber, der sich selbst als Liebhaber von Pfefferkarpfen outete, stellte fest, dass die Interessen der Teichwirte bei seiner Parteikollegin Schmidt aus Uehlfeld in guten Händen seien.

Bevor der Minister eintraf, informierte San Masilko, ein Tscheche, der an der Landesanstalt in Höchstadt tätig ist, über Fütterungsversuche bei Karpfen. Dabei hätten sich Ackerbohnen als Eiweißfutter als brauchbar erwiesen. Allerdings seien diese relativ teuer. Lupinen könnten dagegen leicht zu einem zu hohen Fettgehalt der Karpfen führen. Standard bei der Zufütterung der Karpfen werde deshalb wohl wie bisher Getreide mit Weizen, Roggen oder Triticale bleiben. Diese Fütterungsversuche sollen aber noch fortgesetzt werden.