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Stallgespräch

Familie Holl will weiterhin mit Freude produzieren

BBV
Stephan Stöckel
am Montag, 03.02.2020 - 07:39

BBV-Kreisverband Lichtenfels besucht Direktvermarkterbetrieb und diskutiert Probleme.

Stöcken/Lks. Lichtenfels - Simon Holl und sein Vater Bruno, die im Lichtenfelser Ortsteil Stöcken eine landwirtschaftliche GbR betreiben, haben ihren Betrieb auf mehrere Standbeine gestellt. Sie bewirtschaften 100 ha Grün- und Ackerfläche, halten 100 Stück Rindvieh und 950 Hühner. Zudem betreiben sie Direktvermarktung. Ihre Produkte verkaufen sie aber nicht auf dem eigenen Hof, sondern in einem ausrangierten Eisenbahnwaggon im drei Kilometer entfernten Michelau.

Der BBV-Kreisverband Lichtenfels nutzte das diesjährige Stallgespräch, um auf ein Problem hinzuweisen, mit dem viele Direktvermarkter konfrontiert sind. „Die Holls leben in einer Einzelhofsiedlung mit mehreren Gehöften. Ihnen ergeht es so wie vielen anderen Bauernfamilien, die ihre Waren in einem eigenen Laden verkaufen wollen: Ihre Höfe liegen dezentral und sind verkehrstechnisch schlecht erschlossen“, sagte Kreisbäuerin Marion Warmuth.

Die Familie Holl bietet in ihrem kleinen Laden unter anderem Fruchtaufstriche, Heu und Stroh für Kleintiere, Rindfleisch auf Vorbestellung, Suppenhühner und Eier an. Die Eier werden nur zu einem Teil in Stöcken gelegt. „Hier leben nur 440 Tiere. Die anderen Hühner fühlen sich in Michelau wohl“, erzählte Simon Holl. Er und sein Vater bewirtschaften 30 ha Wiesen. Dort dürfen sie ihre Hühner aber nicht halten, weil sich das Grünland in FFH- und Vogelschutzgebieten befindet, für die eine Veränderungssperre gilt. „Aus diesem Grund mussten wir auf Ackerland Gras ansäen,“ erläuterte Simon Holl.

Was den jungen Landwirt wurmt, ist die Tatsache, dass bayerisches Rindfleisch einen schlechteren Ruf habe als südamerikanisches. Dabei habe das bayerische sogar die Steak-Weltmeisterschaft gewonnen, sagt er. Woran es wohl liegen mag? „Die Verbraucher haben noch das Bild von der weiten Prärie und der Cowboyromantik vor Augen“, klinkt sich BBV-Kreisgeschäftsführer Hans-Jürgen Rebelein mit ein. So idyllisch wie einst, gehe es in Südamerika schon lange nicht mehr zu. Statt Gras erhielten die Tiere Kraftfutter, so der Experte.

Warmuth hebt hervor, dass in Deutschland Antibiotika nur noch an kranke Tiere verabreicht werden. „In Südamerika hingegen sind diese zusammen mit Wachstumshormonen nach wie vor in der Rindermast Standard“, kritisiert sie. Für sie und BBV-Kreisobmann Michael Bienlein, ihre beiden Stellvertreter Susan und Lothar Teuchgräber sowie die Familie Holl steht fest, dass die Tierhaltung in Südamerika mit Tierwohl nichts zu tun habe. Aus diesem Grund lehnen sie das geplante Handelsabkommen mit dem südamerikanischen Staatenbund „Mercosur“ ab.

Doch wie soll ein Bauer vernünftig und mit Freude produzieren, wenn ihm von der Politik immer wieder Knüppel zwischen die Beine gelegt werden? Das fragte sich in diesem Zusammenhang Simon Holl. Die Verschärfung der Düngemittelverordnung ist für ihn ein solcher Punkt. Der oberfränkische Landwirt hält sie für unnötig.

Zu allem Überfluss befinden sich seine landwirtschaftlich genutzten Grundstücke auch noch in einem roten Gebiet. Man müsse generell 20 Prozent unter Entzug düngen, erklärte Simon. Das Ende vom Lied sieht für Holl folgendermaßen aus: „Wir hungern unsere Pflanzen zu Tode und beuten unsere Böden aus.“ Was den Landwirten immer vorgeworfen werde, nämlich den Boden auszubeuten, treffe dann wirklich zu, sprach er den Anwesenden aus der Seele.