Bauerntag

Faire Preise sind keine Armutsfalle

Stephan Herbert Fuchs
am Dienstag, 05.11.2019 - 08:36

Der Landtagsabgeordnete Holger Dremel spricht auf dem Königsfelder Jurabauerntag.

Königsfeld

Königsfeld/Lks. Bamberg - Von einer regional höchst unterschiedlichen Ernte im Landkreis Bamberg hat Kreisobmann Edgar Böhmer berichtet. Beim Jurabauerntag zum Erntedankfest in Königsfeld sprach er von einer größtenteils zufriedenstellenden Getreideernte, aber auch von Ertragseinbußen beispielsweise beim Mais um rund ein Drittel. Die Futtersituation sei etwas besser gewesen als im Trockenjahr 2018, aber längst noch nicht so, wie sie sich die Bauern gewünscht hätten.

Grund, für die Ernte zu danken, habe man trotzdem, sagte der Kreisobmann, auch wenn man sich von der Politik unverstanden fühle. Dieses Bild gerade zu rücken, dazu war erstmals Holger Dremel, seit 2018 CSU-Stimmkreisabgeordneter des Bamberger Landes, zum Jurabauerntag gekommen. „Unsere Bauern haben es nicht verdient, von den Grünen & Co. so an den Pranger gestellt zu werden“, sagte er und verwahrte sich gegen einseitige Schuldzuweisungen zu Lasten der Landwirte.

Volksbegehren setzt engen Rahmen

Zum Artenschutz-Volksbegehren stellte Dremel aber auch klar, dass es keine andere Möglichkeit gegeben habe, den Gesetzesentwurf anzunehmen und ihm mit einem Begleitgesetz zu modifizieren. „Hätten wir eine Abstimmung gemacht, dann hätten wir das auch 1:1 annehmen müssen“, stellte Dremel klar. Immerhin hätten sich bayernweit rund 1,8 Mio. Menschen und damit 18,4 % der Stimmberechtigten in die Listen eingetragen. „Was glauben sie, wie da eine Abstimmung zwischen Landwirtschaft und Naturschutz ausgegangen wäre?“, so Dremel.

Der Abgeordnete forderte nun vor allem praktikable Regelungen, die zusammen mit den Bauern erarbeitet werden sollten, etwa bei der Novellierung der Düngeverordnung, bei den neuen Anforderungen zum Tierwohl, bei der Anbindehaltung oder beim Einsatz von Glyphosat. Dremel ging auch auf die große Bedeutung der Landwirtschaft ein, die jeden 7. Arbeitsplatz in Bayern sichere. „Landwirtschaft hat Zukunft“, sagte er. Allerdings müssten die Verbraucher auch bereit sein, an der Ladentheke etwas mehr für gesunde Lebensmittel auszugeben. In keinem anderen Industrieland seien Nahrungsmittel billiger als in Deutschland, da seien faire Preise wirklich keine Armutsfalle.

Kurze Wege und regionale Produkte

„Im weltweiten Vergleich sind wir auf einem absolut hohen Niveau und das hat auch seinen Preis, pflichtete ihm Anneliese Goller, Bamberger Kreisbäuerin, oberfränkische Bezirksbäuerin und bayerische Landesbäuerin bei. Kurze Wege und regionale Produkte, das sei gelebter Klimaschutz. Deshalb müsse es aufhören, dass die Bauern permanent an den Pranger gestellt werden. Sie sollten stattdessen wieder in die Mitte der Gesellschaft gerückt werden.

In Vertretung von Bürgermeisterin Gisela Hofmann hieß der dienstälteste Gemeinderat Ottmar Grasser die Gäste in Königsfeld willkommen. Auch er beklagte Unkenntnis, fehlende Informationen und Stimmungsmache bei Teilen der Bevölkerung zu Lasten der Bauern. Generationen zuvor sei dies noch ganz anders gewesen. Doch der Kontakt zu den Bauern und das Wissen um die Landwirtschaft seien längst verloren gegangen.

Vor dem Jurabauerntag im Schleuppner-Saal feierten alle Beteiligten einen festlichen Erntedankgottesdienst mit Pfarrer Michael Herrmann in der nahen St.-Jakobus-Kirche. Von dort aus setzte sich nach dem Gottesdienst ein Festzug zum Schleuppner-Saal in Bewegung, angeführt von der Aufseßtaler Blaskapelle und Helfern des Fränkische-Schweiz-Vereins mit der stattlichen Erntekrone auf den Schultern.