Wirtschaft

Erster Branchenverband für Wein

Wein-Branchenverband_LF
Dr. Gabriele Brendel
am Freitag, 26.02.2021 - 17:21

Fränkischer Weinbauverband will das Ansehen des Frankenweins weiter steigern. Der Verband wurde nun vom Ministerium bestätigt.

Der Fränkische Weinbauverband ist nach langen Jahren der Diskussion und viel Überzeugungsarbeit als erster Branchenverband für Wein in Deutschland anerkannt worden. Die ersehnte Bestätigung ging dem Verband durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zu.

Präsident Artur Steinmann freut sich über diesen Meilenstein für Franken, Bayern und Deutschland: „Wir gehen in die richtige Richtung. Die EU setzt beim Wein das romanische Herkunftssystem durch und daher brauchen wir in Franken auch die entsprechenden organisatorischen Möglichkeiten, um dies gestalten zu können. Wir orientieren uns an Konsortien, wie sie schon in Italien und Frankreich existieren. Daher werden wir zukünftig auch vom „Konsortium Frankenwein“ reden. Steinmann betont, dass alle Mitglieder des Fränkischen Weinbauverbands Teil des Konsortiums Frankenwein seien.

Die Verbandsmitglieder stellten mit ihrer Zustimmung zur Satzungsänderung im April 2019 die erste wegweisende Weiche. Die zweite wichtige Entscheidung fiel mit der Änderung der Bayerischen Verordnung zur Ausführung weinrechtlicher Vorschriften (BayWeinRAV) im August 2020, da Branchenverbände im Sektor Wein durch die Landesregierungen anerkannt werden müssen.

Unterstützung von weiteren Beratern

In den Fokus rückt jetzt der 2019 gegründete Ausschuss „Profilierung und Herkunft“, der einen repräsentativen Querschnitt der fränkischen Weinwirtschaft abbildet. Der Vorsitz des Ausschusses obliegt dem Präsidenten des Fränkischen Weinbauverbands, sechs Sitze werden durch die fränkischen Winzergenossenschaften besetzt, je drei Sitze vom VDP.Franken und dem Fränkischen Gewächs e.V. sowie sechs weitere Sitze von Winzer, die keiner dieser genannten Gruppen angehören.
Entscheidungen zur Qualitäts- und Herkunftsprofilierung müssen mit ¾-Mehrheit getroffen werden. Beratend, aber ohne Stimmrecht, stehen Experten des Bezirks Unterfranken, der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) sowie des Fränkischen Weinbauverbands zur Seite. Der Ausschuss hat in seinen bisherigen drei Sitzungen bereits das Herkunftsmodell „Franken 2030“ weiterentwickelt. Die spannenden Fragen sind nun, welche Vorgaben das neue Weinrecht mit sich bringt und wie schnell eine Änderung der Produktspezifikation der geschützten Ursprungsbezeichnung (g.U.) Franken auf den Weg gebracht werden kann.
Der Fränkische Weinbauverband ist überzeugt, dass der Frankenwein die Qualität und das Ansehen bei den Konsumenten hat, um die Profilierung und Weiterentwicklung als geschützte Ursprungsbezeichnung zu fördern. Ziel ist es, die Anforderungen an den Frankenwein, insbesondere in Hinblick auf das Herkunftsmodell „Franken 2030“ gut strukturiert darzustellen.
Für die Konsumenten wird sich auf den ersten Blick wenig ändern, da die fränkischen Betriebe bereits seit mehreren Jahren auf ein Herkunftssystem nach dem Motto „Je enger die Herkunft, desto höher das Qualitätsversprechen“ setzen. Das Konsortium Frankenwein, und damit die Erzeuger selbst, legen nun die Kriterien für die Verwendung von herkunftsbezogenen Bezeichnungen wie Ortsweine und Lagenweine fest. Dabei setzt Franken noch stärker, als die deutsche Weinverordnung es vorsieht, auf ein Loslassen der bisherigen Prädikate wie Kabinett und Spätlese.

Authentische Dachmarke bietet großes Potenzial

Die möglichen Aufgaben eines Branchenverbands hat die EU festgelegt. Weinbaupräsident Steinmann beschreibt die Situation wie folgt: „Wir haben jetzt eine Lokomotive auf die Schienen gesetzt, an der jetzt nach und nach weitere Wagons angehängt werden. Wir prüfen genau, welche Aufgaben die Branche zukünftig selbst übernehmen kann, um das Profil und das Ansehen des Frankenweins zu schärfen und zu steigern.“
Nach seinen Worten habe die fränkische Weinwirtschaft mit „Franken – Silvaner Heimat seit 1659“ eine authentische Dachmarke, mit der es möglich sei, die g.U. Franken national und international nach ganz vorne zu bringen. Artur Steinmann ist sehr zuversichtlich, dass dies gelingt und zeigt sich selbstbewusst: „Franken ist schon heute eine der besten Weißweinregionen Europas.“