Erntedank

Erst satt sein, dann genießen

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Ludwiga Friedl
am Montag, 15.10.2018 - 09:50

Dritten Genusstag und Kreiserntedankfest in Schlüsselfeld im Landkreis Bamberg gefeiert.

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Ich freue mich, dass die Hütte voll ist“, sagte Bambergs Landrat Johann Kalb, der den dritten Genusstag der Region Bamberg mit Kreiserntedankfest im Festzelt in Schlüsselfeld (Lks. Bamberg) eröffnete. Vorausgegangen war ein ökumenischer Erntedankgottesdienst, den der Landfrauenchor des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) und die Kreisvorstandschaft mitgestalteten.

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„In der Genussregion Oberfranken müsste es doch mindestens einen Genusstag geben“, erläuterte der Landrat die Vorgeschichte. „Nun gehören auch noch die Hutzeln zum immateriellen Kulturerbe“. Gottseidank sei endlich Regen gekommen, selbst wenn er direkt am Fest zu einem Zielkonflikt führe. Trotzdem ermunterte der Landrat die Besucher zum „Feiern, solange es geht“. Oberfrankens Bezirkstagspräsident Dr. Günther Denzler bezeichnete Oberfranken als „Schlaraffenland mit unterschiedlichsten Spezialitäten“. Gleich drei Weltrekorde würden hier gehalten, nämlich die höchste Brauerei-, Metzgerei- und Bäckereidichte. Es gelte jedoch, die Vielfalt mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken. Dekan Hans Martin Lechner sieht die christliche Kirche in herausfordernden Zeiten in der Verantwortung, Impulse zu setzen.
Frank Ebert, der Geschäftsführer der Entwicklungsagentur Oberfranken, sagte in seiner Festrede: „Genuss ist sexy“, denn dabei würden mehrere Sinne positiv angesprochen. Deshalb sei es eine gute Idee gewesen, Oberfranken vor elf Jahren zur Genussregion zu erklären. Rund 500 Bäckereien, 700 Metzgereien, 200 Brauereien und 300 Brennereien bürgen für höchste Qualität. Der Raum Bamberg sei privilegiert „mit einer phantastischen Infrastruktur, einer super schönen Natur und verdammt gutem Bier“.
BBV-Kreisobmann Edgar Böhmer zeigte sich begeistert vom sehr schönen Gottesdienst. „Erst wenn man satt ist, kann man alles andere genießen“, sagte er und wies auf den Beitrag hin, den die Landwirtschaft leistet, um ihre Mitbürger satt zu machen. Er appellierte an seine Zuhörer, bewusster zu genießen. Am Beispiel der EU-Zertifizierung zeigte er auf, wie bedroht die Vielfalt in Oberfranken ist: „Wenn eine Brauerei nicht zertifiziert ist, dürfen wir Bauern den hochwertigen Biertreber nicht verfüttern“, sagte er. Treber müsse dann als Abfall entsorgt werden. Sowohl die Entsorgung als auch die Zertifizierung kosten Geld – „so geht schleichend Vielfalt verloren“. Dieser Prozess werde nicht aufzuhalten sein, doch vielleicht könne man ihn verzögern.
„Wir sind froh, dass wir trotz der Trockenheit eine Ernte einbringen konnten“, sagte Unterfrankens BBV-Bezirkspräsident Stefan Köhler, „und wir sind dankbar, dass die neue Saat ausgebracht werden konnte“. In Dankbarkeit seien sich die Landwirte bewusst, „dass vieles, aber nicht alles vom eigenen Können abhängt“. Er gab einen Witterungsrückblick und stellte fest, dass die Situation vor allem im Feldfutterbau sehr kritisch sei. Die jährlich um 83 Mio. Menschen wachsende Weltbevölkerung mit Wasser und Nahrung zu versorgen, werde eine Riesenherausforderung. Fleiß und Motivation der Landwirte allein könne das nicht bewirken, betonte er und forderte Freiheit, Frieden, Bildung und Fairness für die Landwirte in aller Welt, um den Hunger weltweit zu bekämpfen. Köhler forderte auch dazu auf, sich bei den bevorstehenden Wahlen in die Diskussion einzubringen und das eigene Handeln zu überdenken. „Müssen es ägyptische Äpfel aus dem Supermarkt oder darf es Streuobst vor der Haustür sein?“, fragte er.
„Wir Landwirte sind inzwischen am Weltmarkt angekommen“, erinnerte er. Am Beispiel der Ferkelkastration schilderte er, in welche Schwierigkeiten die Landwirte durch nationale Alleingänge kommen. „Wir produzieren gerne, was sich der Verbraucher wünscht“, versicherte er und forderte dafür Planungssicherheit. Er legte ein klares Bekenntnis zur Vielfalt in der Landwirtschaft und zum Eigentum ab.

Dafür dankte ihm die stellvertretende Kreisbäuerin Marion Link. Ihr Dank galt auch allen, die sich zum Gelingen des Genusstages und des Erntedankfestes eingebracht haben. Anschließend gab es eine Vortragsreihe in der Zehntscheune und in der Stadt verteilt an 49 Ständen Informationen und leibliche Genüsse zum Kaufen. Bürgermeister Johannes Krapp dankte allen Bäuerinnen und Bauern „für Ihre Arbeit für unser täglich Brot“.