Ernte

Entspannung in Sachen Futternot

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Stephan Herbert Fuchs
am Freitag, 24.07.2020 - 10:27

Gemischte Erntebilanz des BBV Oberfranken: Spätfröste sorgen für Einbußen bei Obst und Getreide, Grünland profitiert vom Regen.

Von einer leicht unterdurchschnittlichen Ernte geht der Bauernverband für Oberfranken aus. Die Landwirte im Regierungsbezirk sind aber trotz aller regionalen Unterschiede guter Dinge: „Noch so ein Trockenjahr wie 2018 und 2019 hätte das endgültige Aus für viele Betriebe bedeutet“, so BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif bei der oberfränkischen Erntepressekonferenz auf dem Hof von Kreisobmann Hermann Klug in Isaar bei Töpen.

Diesmal sei es nicht die Trockenheit gewesen, die den Bauern Kopfzerbrechen bereitete, obwohl noch im April und Mai einiges daraufhin gedeutet habe. Diesmal sei das Problem eher der Spätfrost rund um die Eisheiligen gewesen, die zum Beispiel den Obstbauern im Landkreis Forchheim Ernteausfälle von 50 bis 100 % einbrachten.

Eisheilige kosteten Ertrag

Auch der Roggen und die Wintergerste, die zu 100 % ins Futter geht, haben unter den Spätfrösten gelitten. „Die Eisheiligen kosteten richtig Ertrag“, sagte Greif. Vor allem im nordwestlichen Oberfranken sei die Kälte zur Unzeit gekommen. Wintergerste wurde in Oberfranken auf fast 24 000 ha angesät.

Die größte Anbaufläche belegt mit fast 34 000 ha der Mais. Auch er sei diesmal etwas zögerlich aufgegangen, habe sich aber nach dem Maifrost wieder erholen können. Die zweitgrößte Anbaufrucht ist der Winterweizen. Hier rechnen die Bauern mit einer durchschnittlichen Ernte, weil die Trockenheit des Frühjahrs durch den Niederschlag im Juni absolut ausgeglichen werden konnte.

Bayernweit Spitze ist Oberfranken bei der Sommergerste bzw. der Braugerste, auch wenn die Anbaufläche erneut rückläufig gewesen sei, diesmal von 30 500 auf 26 250 ha.

Heimischer Proteinlieferant wieder mehr angebaut

Bleibt noch der Raps, als einer der wichtigsten Lieferanten für nachhaltiges und heimisches Proteinfutter. Er wurde wieder mehr angebaut, die Fläche stieg binnen Jahresfrist von 9800 auf rund 12 000 ha, wobei die Erträge aber durch die fehlende Beizung des Saatgutes eher unterdurchschnittlich sein werden.

Absolut auf Normalniveau liegen die Erträge dem BBV-Bezirkspräsidenten zufolge beim Grünland. Der erste Schnitt habe heuer schon frühzeitig durchgeführt werden können, um das dringend benötigte Futter einzufahren. Durch den Regen der zurückliegenden Wochen sei das Grünland gut gewachsen, so dass der zweite und wohl auch der dritte Schnitt zufriedenstellend sein werden. Greif: „Dies dürfte Futterengpässe erst einmal beenden.“

Sichere heimische Versorgung notwendig

Ihre Spuren hinterlassen hat die Corona-Pandemie auch in der Landwirtschaft, auch wenn sie als systemrelevant eingestuft wurde. Schlagartig sei der Bevölkerung bewusst gemacht worden, wie abhängig wir vom weltweiten Warenverkehr sind, wie wichtig in Sondersituationen aber auch ausländische Arbeitskräfte sind.

„Wir hoffen, unsere Bevölkerung hat wahrgenommen, dass in Krisenzeiten eine sichere heimische Versorgung notwendig ist“, betonte der BBV-Bezirkspräsident. Die Versorgung habe funktioniert, darauf könnten die Bauern stolz sein.

Eine mittlere Ernte erwartet der Hofer Kreisobmann Hermann Klug für seinen Betrieb. Er bewirtschaftet einen Steinwurf von der bayerisch-thüringischen Grenze entfernt insgesamt rund 150 ha Land, hat 74 Milchkühe im Stall zuzüglich der Nachzucht und er betreibt eine Biogasanlage mit rund einem Drittel Gülleanteil.

Auf einem Viertel seiner Fläche baut er Mais an, auf dem Rest Triticale, Sommer- und Wintergerste, Winterweizen und Kleegras. Größte Sorge bereiten ihm derzeit die 20 ha Wald, weil die Bäume aufgrund der Dürre der vergangenen Jahre nach und nach absterben.

Dem Kreisobmann zufolge, habe die Corona-Pandemie das Übrige dazugetan, dass die Preise eher im Keller seien. Nicht zuletzt werde Corona nach Ansicht von Klug auch mit Blick auf die Düngeverordnung und die Tierwohldiskussion von der Politik dazu benutzt, um den Bauern eine Auflage nach der anderen aufzubürden.