Baumarten

Elsbeeren - Hoffnung für Generationen

Wald
Rosi Thiem
am Donnerstag, 28.01.2021 - 12:03

Elsbeeren wachsen langsam, aber zukunftsträchtig – eigene Möbel aus dem Wald.

Schlank und zierlich strecken sich die jungen Triebe Richtung Tageslicht, geschützt von einer Hülle. Reinhard Dennerlein aus Bieberbach im Landkreis Forchheim zeigt auf den Einzelschutz: „Wenn ich eine Naturverjüngung der Elsbeere im Wald entdecke, renne ich sofort und schütze sie.“
Den hat sie nötig, denn „die Elsbeere wird magisch vom Rehwild angezogen“, bedauert der Nebenerwerbslandwirt. Zusätzlich schält der Rehbock mit seinem Horn die Rinde ab – daher die Eile um einen Schutz. Die Elsbeere – für viele noch unerkannt und auch wenig beachtet – findet so nach und nach zunehmende Anhänger.

Gewinner im Klimawandel

Im Klimawandel ist die Elsbeere ein eindeutiger Gewinner, weil dieser besondere Pfahlwurzler wärmeliebend und mit trockeneren Böden zufrieden ist. Der Elsbeerbaum ist eines der teuersten Edelhölzer der Welt und läuft neben dem Speierling und dem Birnbaum unter dem Handelsname Schweizer Birnbaum. Mit einem Alter von 150 bis 200 Jahren wird das Holz für Möbel, Messgeräte und Musikinstrumente verwendet. Es ist ein maßhaltiges Holz und schrumpft nicht.

„Ich hatte Glück, dass meine Vorfahren die Bäume stehen ließen. Früher hatten die Bauern alle Arten, die sie nicht kannten, einfach weggeschnitten. Schade. Heute ist man sensibler“, erzählt der Waldliebhaber. Dank der Umsicht seiner vorhergehenden Generationen kann Dennerlein 25 Elsbeeren in sämtlichen Generationen vorweisen und steht vor einem geschätzt 180 Jahre alten Elsbeerbaum.
In seine 20 ha Mischwald hat er vor sieben Jahren inzwischen 150 Elsbeeren nachgepflanzt, davon sind 120 fest angewachsen und zeigen – in einem Zaun geschützt – Wuchsfreude. „Als Jungbaum wachsen sie etwas schneller, aber insgesamt kann man sagen, wachsen die Elsbeeren sehr, sehr langsam.“ Die Elsbeere liebt das Licht, doch Dennerlein rät davon ab, zu viel frei zu legen. „Sonst haut der Sturm die Elsbeere weg.“

Beste Erfahrungen mit Naturverjüngung

Die besten Erfahrungen macht Dennerlein mit Naturverjüngung. Im Moment versucht er, den selbst gesammelten Samen anzusetzten. Die Frucht wurde abgelöst. In einem Sand-Torfgemisch, das leicht feucht gehalten wird, will er das Saatgut zum keimen bringen. „Hier muss ich von Natur aus mit einer ziemlich langen Kühlperiode zum Austreiben rechnen. Wenn es klappt, kann ich den Samen im März aussäen.“

Neben den Fichten, Kiefern, Buchen und Elsbeeren sind in Dennerleins Wald Douglasien und die fränkischen und die Gößweinsteiner Mehlbeeren zu finden. Aber nicht nur diese: „Ich habe auch einen großen Anteil an Schwarznuss, Pappeln, Weißdorn und Palmkätzchen. Hier ist mir die Laubbildung besonders für den Boden wichtig. Dann gibt es auch noch Vogelfutter. In den absichtlich liegen und stehen gelassenen morschen Baumstämmen finden auch Fledermäuse und Insekten ein Quartier.“ Wenn er für seine Stückholzheizung Bäume aus dem Wald holt, versucht er die Seilwinde zu nehmen und den Waldboden nicht zu befahren.
Zuhause in der Wohnküche steht eine Eckbank mit einem Tisch, beides stammt vom eigenen Elsbeerenholz. Das ist ein Unikat – vor fünf Jahren handwerklich geschickt vom ortsansässigen Schreiner gearbeitet. Wie ist die Pflege? Ehefrau Karin Dennerlein winkt ab: „Einfach feucht abwischen. Die Möbel habe ich in all den Jahren bisher nur einmal mit einem Pflegeöl vom Schreiner mit einem weichen Tuch eingelassen. Mehr nicht.“

Für massive Möbel

Stolz zeigt das Ehepaar in den Nebenerwerbsgastronomieräumen verschiedene massive Tische mit Edelhölzern aus dem eigenen Wald. Kirsche, Zwetschge, Elsbeere – die besondere Farbgebung besticht mit den edlen Maserungen. „Mittlerweile kommen die Edelhölzer wieder mehr in das Bewusstsein“, sagt Reinhard Dennerlein.

„Ich verbringe meine Freizeit gerne im Wald. Klar, die Arbeit ist zeitweise schwer im Forst und man muss vor Unfällen auf der Hut sein. Doch ich kann mich beim naturnahen Waldwirtschaften auch sehr erholen. Ich freue mich einfach, wie alles wächst und sich entwickelt.“
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