Dorfleben

Eis und Gelbwurst sind die Renner

Dorfladen-Troschenreuth_LF
Rosi Thiem
am Freitag, 05.06.2020 - 14:44

Troschenreuth eröffnet Dorfladen 3.0 auf Automatenbasis

Die Idee gab es schon lange, Corona veranlasste jetzt noch den letzten Schliff: Troschenreuth hat nun einen Dorfladen 3.0. „Wir haben jetzt eine Anlaufstelle für unsere Bevölkerung. Die Idee war, die dörfliche Nahversorgung zu erhalten und wir mussten uns nach Alternativen umschauen“, erklärt Kilian Dettenhöfer, einer der Initiatoren.

Der einzige Laden im Ort, der Bäcker, hat nur noch am Samstag geöffnet. Es galt zu handeln, für das als stets aktiv bekannte Troschenreuth. Die Coronalage mit eingeschränkten Öffnungszeiten und Vorgaben beförderte das Vorhaben dann endgültig.

Direkt am Kindergarten in einem Carport

Direkt am Kindergarten in einem ungenutzten Carport entstand der Dorfladen: Er besteht vorerst aus drei großen, regional gut sortierten Automaten, einem Spiele- und Bücherschrank, einem urgemütlichen Sitzplatz und jeder Menge kreativer Ideen. „Ein großer Dorfladen wäre für uns nicht zu schultern gewesen. Die Erfahrungen anderer Orte zeigten uns, dass manche Läden nicht gewinnbringend sind und hohe Personalkosten entstehen“, erklärt Dettenhöfer. „Für unsere Berufstätigen bleibt keine Zeit, einen Laden durchgängig im Ehrenamt zu betreiben.“

Der größte Ortsteil der Stadt Pegnitz hatte keinen Nahversorger mehr. Dettenhöfer, der in Weihenstephan Lebensmittelmanagement studiert hat, zeigt stolz das durchdachte Sortiment, das viele Wünsche abdeckt. „Neben den beiden Frische- und Tiefkühllebensmittelautomaten, die der Weidehof Grellner versorgt, hat uns die Familie Grellner einen Automaten zur Verfügung gestellt, in dem es Artikel des täglichen Bedarfs, wie Hygieneprodukte, Gutscheine von Vereinen, Müllbeutel der Stadt Pegnitz und etliche Haushaltswaren gibt“, zählt er zufrieden auf. Oberhalb der Automaten sind witzige Tafeln mit „Faironika“, „Fairdinand“, „Fairena“ angebracht und über dem alten Bauernschrak, in dem Bücher und Spiele getauscht werden können, steht in verspielten Lettern: „Fairleih“.
Die Troschenreuther haben zudem eine Liste und können Vorschläge unterbreiten, was verkauft werden soll. Die Stromkosten trägt der Dachverein „Unser Troschenreuth“, das sind alle Ortsvereine, wie die Feuerwehr oder das Mundarttheater. „Hier sieht man, wie wichtig es der gesamten Dorfgemeinschaft ist, eine passende Lösung zu finden.“

Kuden favorisieren Automaten mit Sichtfenster

Gerade kommt ein älteres Ehepaar und lässt sich die Bedienung zeigen. „Wir bevorzugen Automaten mit Sichtfenstern und Spiralfächern, damit der Kunde sieht, was er kauft“, erklärt Norbert Grellner. Der Weidehof Grellner hat seit 2017 inzwischen schon zehn 24h-Automaten in Betrieb. Grellner entschied sich für gebrauchte Wurlitzer Automaten. Ersatzteile seien relativ schnell zu bekommen. Ein neuer Automat kostet circa 12 500 Euro, schätzt er. Doch der Landwirt repariert lieber selbst und studiert die Handbücher, weil sich so eine Anschaffung schneller amortisiert.

Die Grellners freuen sich auf die gelungene Kooperation mit dem Dorf. „Es ist eine Win-win-Situation“, meint Direktvermarkterin Karina Grellner. „Wir verkaufen hochwertige Waren und favorisieren die kleinbäuerliche Landwirtschaft.“ Den Grellners ist es wichtig, die Waren nicht im Supermarkt zu verramschen, sondern bewusst regional auch Waren von Partnern zu vermarkten.

Wechselndes Sortiment

„Unser Sortiment wechselt je nach Jahreszeit und Nachfrage auch Dank der beteiligten Direktvermarkter.“ Der Weidehof – bei der Dachmarke Bayreuther Land integriert – spürt jetzt in Coronazeiten eine zunehmende Nachfrage in den bereits aufgestellten SB-Automaten. Das Einkaufen mit Maske, lange Warteschlangen und Autofahrten schrecke viele Käufer oft ab.

„Hier entstand eine Einkaufsmöglichkeit ohne Fördergelder für die 700 Einwohner.“ Das es mehr als nur das ist, zeigt sich an den liebevoll gestalteten Wänden. Hier hat sich das ganze umtriebige Dorf – auch die Kinder – mit Ideen eingebracht. „Hier in der Wohnsiedlung können die Bürger sogar beim Gassiführen einkaufen. Nun versuchen wir noch unseren Postbriefkasten her zu versetzen“, sagt Brau- und Malzmeister Dettenhöfer.
Und was wird jetzt, wenige Tage nach der Eröffnung am meisten nachgefragt? „Kuhles“ Eis und Gelbwurst, kommt spontan die Antwort. Aber auch die Weideeier und Grillsachen sind derzeit ein Renner. „Man kann das immer noch erweitern“, freut sich Dettenhöfer. „Wichtig ist, dass wir jetzt grundsätzlich das Gefühl haben, es ist was da, wir brauchen nicht gleich weg zu fahren.“