Vermarktung

Eier: Regionalvermarktung in großem Stil

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Klaus Schiffer-Weigand
am Montag, 22.06.2020 - 11:13

Öko-Hühnereier werden zentral über eine Packstelle erfasst.

Hühnerhalter in Oberfranken betreiben Regionalvermarktung im großen Stil. Sie vermarkten ihr Produkt dort, wo viele Leute dieses Produkt auch kaufen - im Discounter. Dieses tun sie gemeinsam mit einer Packstelle für Eier in Itzgrund. Vermarktet werden Hühnereier aus dem ökologischen Landbau.
Mehrere landwirtschaftliche Betriebe haben in den letzten Jahren die Diversifizierung gewagt. Sie sind von einer auslaufenden Anbindehaltung im Milchkuhbereich in die ökologische Hühnerhaltung gewechselt. Damit haben sie für ihre landwirtschaftlichen Betriebe wieder Zukunftsperspektiven eröffnet, und zwar als Vollerwerbslandwirte.

Geringe Gewinnmarge verlangt nach Menge

„Für ein alleiniges Familieneinkommen aus der Landwirtschaft sind große Umsätze notwendig, um mit dem Gewinnanteil am Umsatz ein entsprechendes Einkommen generieren zu können“, sagt der staatliche Landwirtschaftsberater Klaus Schiffer-Weigand. Deshalb bauten die Landwirte Legehennenställe für ca. 43 Großvieheinheiten, was bei dem geringen Gewicht der Legehennen 12 000 Stallplätze bedeutet.

Zum Stall kommt in der ökologischen Landwirtschaft zwingend noch der Auslauf der Legehennen mit vier Quadratmetern pro Legehenne im Freien dazu. Das macht bei 12 000 Legehennen eine Auslauffläche von 4,8 ha um den Stall herum. Mit Zufahrt, Stall und Auslauf werden etwas über 5 ha an einem Stück im Eigentum benötigt. Anhand dieser notwendigen Grundstücksgröße ist schon ersichtlich, dass ein Umstieg auf Legehennenhaltung nicht jedem landwirtschaftlichen Unternehmen möglich ist.
„Wie bei der Milch mit den Molkereien, bedienen sich die Landwirte eines professionellen Verarbeiters, einer Eierpackstelle“, erklärt Schiffer-Weigand. Die Packstelle erhält die gestempelten und unsortierten Eier, die dort sortiert, verpackt und an den Handel verkauft werden. Auch wenn die Nachfrage nach Eiern sich im Jahresverlauf ändert, erhalten die Legehennenhalter einen festen Eierpreis über die gesamte Legeperiode und die Abnahmegarantie für alle Eier. Damit sei auch für die Landwirte eine gewisse Kalkulationssicherheit gegeben. Der Eierpreis wird übrigens für jede Legeperiode neu zwischen Landwirt und Packstelle verhandelt.

Kontinuierliche Belieferung eines Discounters

Für die kontinuierliche Belieferung eines Discounters sind mehrere große Legehennenställe in der Region notwendig. Die Bündelung der Eier erfolgt über die Packstelle. Somit werden die Ökoeier unter der Marke „Unser Franken“ als Original Fränkische Bioeier beim Discounter vermarktet mit allen notwendigen weiteren Zertifikaten.

Als „die spinnerte Idee“ der 12 000-Öko-Legehennen-Ställe im Jahr 2015 vom staatlichen Landwirtschaftsberater Klaus Schiffer-Weigand in Oberfranken geäußert wurde, war von dieser Vermarktungsschiene noch kein Schimmer zu sehen. Diese habe sich erst mit dem Bio-Angebot der vier teilnehmenden Betriebe entwickelt und ermöglicht.
„Auch wenn derzeit der ökologische Landbau stark von staatlicher Seite gefördert wird, gibt es auch eine interessante konventionelle Schiene dazu“, sagt der Leiter des Fachzentrums Diversifizierung und Strukturentwicklung am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Münchberg. Bei der Freilandhaltung von Legehennen ist ebenfalls ein Auslauf von 4 m² pro Legehenne vorgeschrieben. Bei Ställen unter 15 000 Legehennenplätzen liegt ein normales Bauvorhaben vor, welches den üblichen Baugenehmigungsweg geht. Für den ausreichenden Abstand des Bauvorhabens von der Wohnbebauung und vom Wald können sich Bauinteressenten an ihr örtliches Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wenden, das ihnen dann beratend weiterhelfen kann. Die Eier werden auch hierbei im Legebetrieb gestempelt und unsortiert an die Packstelle verkauft. Die Eierpackstelle übernimmt die Sortierung, Verpackung und den Verkauf an den Handel.

Zur Marktsituation im Eierbereich: Der Selbstversorgungsgrad in Deutschland betrug im Jahr 2019 72,9 % und in Bayern nach letzten bekannten Aussagen um die 50 %. Im Durchschnitt verzehren die Deutschen pro Kopf im Jahr 236 Eier inclusive Verarbeitungsware. Die fehlenden Eier in Bayern werden vor allem aus Norddeutschland und anderen EU-Staaten geliefert, so dass immer genügend Eier für den Verzehr und die Verarbeitung vorhanden sind. Was die anderen aber nicht liefern können, sind regionale fränkische Eier aus der Öko- oder Freilandhaltung. Diese regionalen Produkte werden von einem immer größer werdenden Teil der Konsumenten wertgeschätzt.