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Forstbetriebsgemeinschaft

Edelkastanie und Eiche statt Fichte

Diskutierten über die Herausforderungen beim Waldumbau angesichts des Klimawandels: (v. l.) Christian Göttfert, Dr. Christian Kölling und Hans Götz.
Fritz Arnold
am Dienstag, 16.08.2022 - 07:43

Die FBG Neustadt-Uffenheim weit auf ein besonderes Problem beim Waldumbau hin: Klimatolerante Baumarten fressen die Rehe gern.

Ipsheim/Lks. Neustadt/Aisch-Bad Windsheim Die hohen Ausfälle bei Kiefer und Fichte machen deutlich, dass diese Baumarten angesichts des Klimawandels in Zukunft keine dominierende Rolle mehr spielen können. Was jetzt getan werden muss, versuchte Dr. Christian Kölling in einem Vortrag auf der Jahresversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Neustadt-Uffenheim deutlich zu machen.

Der Rat des Bereichsleiters Forsten am AELF Fürth-Uffenheim lautete: „Mischen, mischen, mischen und das Risiko nicht scheuen.“ Seine große Hoffnung ist die Edelkastanie – zwar nicht ganze Hektare, sondern gruppenweise. Nach seinen Angaben haben wir bis Ende dieses Jahrhunderts „ein Klima wie in der Toskana zu erwarten, das allmählich über Frankreich und den Rheingraben und Heilbronn zu uns kommt“. Die Bilder von dort zeigen keinen so dichten Wald, der vermutlich auch keinen so hohen Ertrag wie gewohnt bringen werde.

Die Zukunft bestimmen Laubbäume

Bei der Präsentation der Liste von Baumarten, die die Wissenschaft als zukunftsträchtig ansieht, sind mit Ausnahme der Schwarzkiefer und Atlaszeder nur noch Laubbäume zu finden. Das sind unter anderem Eichenarten, Linde, Ahorn, Vogelkirsche, Robinie, Elsbeere und Edelkastanie. Allesamt seien das Baumarten, die von den Rehen weggefressen werden, hieß es in der Diskussion. Für den Bereichsleiter Forst heißt dies: „Weniger Wildtiere oder teuren Verbiss-Schutz“.

Angesichts schwieriger Anwachsbedingungen bei geringen Niederschlägen für die Pflanzen rät Dr. Kölling weniger und sorgfältig zu pflanzen. Schließlich stünden im Süden die Bäume auch nicht so nah beieinander. Würde es jedoch gar nicht mehr regnen, dann könnte auch kein Wald mehr existieren. Nicht gut kam beim FBG-Vorsitzenden Christian Göttfert und anderen Waldbesitzern an, dass Dr. Kölling die Weißtanne bei den Anpflanzungen nur noch eingeschränkt als förderfähig einstuft.

Dazu sagte Dr. Kölling: Die Weißtanne ist eine Baumart der europäischen Gebirge und auf kühlere Lagen eingestellt. Sie sei deshalb für einen risikoarmen Anbau zur Anpassung an den Klimawandel nicht geeignet. Vorhandene Tannen könnten toleriert werden und deshalb gebe es Fördermittel nur für Kleinmengen an Tanne.

Zahl der Mitglieder steigt

Geschäftsführer Hans Götz berichtete, dass die Zahl der Mitglieder der Forstbetriebsgemeinschaft auf mittlerweile 2470 gestiegen sei. Die vermarktete Holzmenge belaufe sich auf rund 100 000 Festmeter im Jahr. Dabei stehe aber immer noch jede Menge Schadholz in Form dürrer Kiefern und Fichten in den über 28 800 ha Wald der Mitglieder.

Auch in diesem Jahr seien schon 37 700 fm Holz abgerechnet worden. Hatten vor zwei Jahren die Erlöse für das Holz kaum die Einschlagkosten gedeckt, so werden jetzt für Fichte bis 115 €/fm bezahlt. Um die zur Wiederaufforstung gepflanzten Jungbäumchen zu schützen, wurden für den Bau von 26 km Zäunen und Wuchs/Schutzhüllen rund 70 000 € ausgegeben. Angesichts rückläufiger Baugenehmigungen rechnet der Geschäftsführer nicht mit weiteren Preissteigerungen für Rundholz.

Froh ist Hans Götz, dass sich die Schäden durch den letzten Sturm in Grenzen hielten. An die Mitglieder richtete er den Appell, beim Schadholz Mengen bis 15 fm zu sammeln und nicht jede Woche Häuflein mit drei Festmetern zu machen. Fängisches Borkenkäferholz sollte mindestens 500 Meter entfernt vom Wald gelagert werden. Zudem regte Götz an, sich wieder etwas mehr mit dem Thema Wegebau zu beschäftigen, da es noch Gegenden mit teils großen Defiziten gebe.

Staat muss nicht alles regeln

In Grußworten sicherten die Landtagsabgeordneten Hans Herold, Walter Nussel und Gabi Schmidt den Waldbauern ihre Unterstützung zu. Nussel hat angesichts der Fakten kein Verständnis dafür, dass Beamte des Bundesumweltamtes das Verbrennen von Holz verbieten wollen.

Dabei seien in einem Kubikmeter Abluft aus Holzöfen nur etwa 20 bis 25 Mikrogramm Staub, bei der Betätigung eines Staubsaugers im Zimmer 75 Mikrogramm. Generell wandte er sich dagegen, dass der Staat alles sicher regeln müsse. Gabi Schmidt wunderte sich, dass sich Spaziergänger im Wald als Experten aufspielen, anstatt sich für die Verwendung von heimischem Holz einzusetzen.