Demonstration

Düngevorschriften überfordern die Landwirte

BBV-Demos-AN/Uff_LF
Fritz Arnold
am Donnerstag, 25.02.2021 - 14:06

Zum Vegetationsbeginn ist das EDV-Programm nicht fertig. Bauern sind ratlos und verärgert. Sie geben Briefe am Landwirtschaftsamt mit der Bitte um Hilfe ab.

Der Frust und die Ratlosigkeit sind groß, über das was an Auflagen und Bürokratie auf sie zukommt. Deshalb machte sich eine große Zahl von Landwirten auf zu den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Ansbach und Uffenheim. Teils mit Schleppern waren sie zu einem öffentlichkeitswirksamen Hilferuf angerückt, um Briefe abzugeben, mit denen sie um Beratung und amtliche Hilfestellung hinsichtlich der Düngeverordnung bitten.

Wie es in den Briefen hieß, sei kaum mehr zu bewältigen, was ihnen mit der Düngeverordnung und den Vorschriften für die Roten Gebiete zugemutet wird. Und dies obwohl sie in aller Regel eine Meister- und Technikerausbildung oder ein Studium absolviert haben.

Kostenlose Beratung gefordert

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Es geht um Stoffstrombilanzen, Nährstoffsalden, die für 2020 zu erstellen sind, um die Düngebedarfsermittlung sowie Planungen, wie sie die Höfe angesichts der neuen Vorgaben entwickeln könnten.

„Jahrzehntelang haben wir unsere Felder bewirtschaftet, wie man uns geraten hat und jetzt soll alles falsch sein“, beklagt Ansbachs Vize-Kreisobmann Karl-Heinz Brand. Er verlangt eine vollumfängliche Unterstützung und eine ausführliche, fundierte, kostenlose Beratung für ein Umsteuern.

Kreisobmann Jürgen Dierauff aus Herbolzheim kritisiert, dass die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) das Programm, wie sie düngen sollen, noch nicht fertig gestellt hat, obwohl die Feldarbeiten vor der Tür stehen. Er dürfe nicht riskieren, nach Erfahrungswerten zu düngen, denn wenn er vor Ort kontrolliert werde, müsse er die Düngebedarfsplanung in der Tasche haben, für die es jetzt das EDV-Programm noch nicht gibt, ergänzte ein Landwirt. Es könne nicht angehen, dass man den Bauern im Juni sagt, was sie am 1. März hätten machen sollen, schimpft Dierauff. Dass es anders geht, weiß er von Berufskollegen aus Nordrhein-Westfalen, wo den Bauern ein einfacher gestricktes Excelprogramm bereits zur Verfügung steht. Beklagt wurden auch viele Widersprüche in den neuen Vorschriften.

Diskussion vor Amt in Ansbach

Bei der Diskussion vor dem Ansbacher Amt mit über 100 Teilnehmern berichtete der CSU-Bundestagsabgeordnete Artur Auernhammer, dass auch er Opfer der „unverständlichen Auflagen“ geworden sei, wonach von ihm bewirtschaftete Wiesen, die seit Jahren nicht gedüngt werden, als Rotes Gebiet eingestuft seien. Maschinenringvorsitzender Gerhard Haag sagte in Uffenheim, dass ihm die jungen Leute leidtun und diese Gefahr laufen, kriminalisiert zu werden.

Der Ansbacher Amtschef Wolfgang Kerwagen sagte, dass er den Frust der Bauern nachvollziehen könne. Das Amt könne nicht für jeden der 3300 Landwirte die Stoffstrombilanz und den Düngebedarf errechnen. Kerwagen rechnet damit, dass sich die Haupterwerbsbetriebe zunehmend Unterstützung von Verbundpartnern einkaufen müssen. Ulrike Buchner, Bereichsleiterin am AELF Uffenheim, sagte, dass ihr Amt den Bauern vielfältige Hilfen anbiete.