Organische Düngung

Düngeverordnung: Kooperationen und neue Techniken

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Ludwiga Friedl
am Dienstag, 07.01.2020 - 12:44

Großer Seminartag in Unterfranken soll Fragen zur organischen Düngung klären.

Iphofen/Lks. Kitzingen - Organische Wirtschaftsdünger sichern Erträge und Bodenfruchtbarkeit – heute wie vor 5000 Jahren. Allerdings erschweren neue Vorschriften zusehends deren Einsatz und Lagerung. Die neuen Herausforderungen werfen viele Fragen auf: Wie können Viehhalter und Ackerbauern zusammenarbeiten, um Nährstoffüberschüsse zu vermeiden und Düngekosten zu senken? Wie können organische Dünger kostengünstig gelagert werden? Wie kann Wirtschaftsdünger am effizientesten in der Bestandsführung bzw. in der Fruchtfolge genutzt werden? Wie kann die Technik und Digitalisierung dabei unterstützen?

Antworten darauf sollte ein kostenloser Seminartag geben, den die Regierung von Unterfranken gemeinsam mit den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), den Erzeugerringen, dem BBV, dem LKV, dem vlf und der landwirtschaftlichen Rentenbank veranstaltete.

Iphofens zweiter Bürgermeister Ludwig Weigand begrüßte die Teilnehmer und appellierte an die Landwirte, auch das Gespräch mit den Bürgern zu suchen und die Bevölkerung mitzunehmen. Viele Streitfragen seien durch Unwissenheit begründet. Die Stadt Iphofen wisse um die Probleme der Landwirtschaft und unterstütze die Aussiedlung intensiv wirtschaftender Betriebe. Auch Tauschflächen für vom Biber betroffene Grundstücke würden angeboten.

Nährstoffeffizienz von Stickstoff muss steigen

Seminar

„Die Nährstoffeffizienz von Stickstoff wird steigen müssen“, stellte Joachim Weber fest, der die Tagung gemeinsam mit Wolfgang Ehbauer von der Regierung von Unterfranken moderierte. Unterfrankenweit gebe es einen Viehbesatz von 0,4 GV/ha. „Wir haben – wenn überhaupt – ein Problem am Einzelbetrieb.“ Weil die Ausbringfenster für Gülle kleiner werden, müssten auch Lösungen für die Lagerung gefunden werden.

Über „Herausforderungen der Düngeverordnung 2020“ sprach Thomas Karl, Pflanzenbauer am AELF Kitzingen. Leider seien die Details noch nicht geklärt. Doch es werde immer wichtiger, die Ausbringung zu optimieren. „Was in die Luft abhaut, wird auf der Fläche fehlen.“ Karl stellte auch die zusätzlichen Auflagen vor, die auf die „Roten Gebiete“ zukommen. Bedarfsgerecht düngen – das sei nur mehr in Verbindung mit organischen Düngern möglich. Einschränkungen werde es bereits zur Herbstdüngung 2020 geben.  „20 Prozent Düngung unter Bedarf, das führt zu einer Verarmung der Böden. Ihr Standort wird darunter leiden“, sagte Karl. „Wir brauchen mehr Schulungen“, forderte ein Diskussionsteilnehmer unter Beifall. 

MR als Ihr Gülledienstleister

„Der MR als Ihr Gülledienstleister! Lösungen für die Düngeverordnung 2020“ lautete das Thema von Fabian Zipfel von der MR Service GmbH Hofheim. Das Zeitfenster zur Ausbringung in den Roten Gebieten werde eng, von Februar bis Mitte Juni stünden nur viereinhalb Monate zur Verfügung. „In der worst case situation – einem feuchten Frühjahr – wird es schlimm.“ Die Lösung: Überschuss­betriebe geben Nährstoffe an Marktfruchtbaubetriebe ab. Mittels Nahinfrarot-Technik (NIR) könnten die Nährstoffgehalte fassgenau bestimmt werden, die Methode sei mit Ackerschlagkartei und Dokumentation kombinierbar. 

„Die Fässer sind zu schwer. Die Spuren sehe ich bis zur Ernte“, gab Zipfel zu bedenken. Eine Lösung sei es, Gülletransport und -ausbringung zu trennen, oder eine Reifendruckregelanlage zu benutzen. Das Zusammenspiel von Luftdruck, Aufstandsfläche und Bodenzustand müsse passen. 

Mehr Dokumentation komme für alle, „Dienstleister unterstützen Sie hier!“, machte Zipfel aufmerksam. Das Angebot für viehlose Betriebe „Dokumentation und Ausbringung über den MR“ stehe.

Hinzu komme die Schaffung von externem Lagerraum über den MR. „Wir bauen Gülle-Erdbecken“, erläuterte Zipfel. Einfach, möglichst schnell und im Abstand von zehn Kilometern solle so Lagerraum für alle interessierten Mitglieder bereitgestellt werden. Die Einlagerung von Gülle solle zu festgelegten Konditionen erfolgen. Der Experte vom MR stellte auch Ceno-Erdbecken vor, bei denen ein einfacher und kostengünstiger Rückbau möglich sei. Dank einer schwimmenden Abdeckung seien die Emissionen minimal. Die Folienerdbecken mit allgemein bauaufsichtlicher Zulassung seien für alle flüssigen Wirtschaftsdünger genehmigungsfähig. 

Zipfel stellte Möglichkeiten eines gerechten Ausgleichs vor, die auf der NIR-Technik basieren. Er verhehlte nicht, dass die Transportkosten noch Bauchweh bereiten. Die Gründung einer Gülle-Genossenschaft stehe kurz bevor, dabei finanziere der MR, der auch das Risiko trage. Es entstehe kein Genehmigungsaufwand. Die Nährstoffabgabe und -aufnahme sei unkompliziert. „Der MR übernimmt auch die Dokumentation, wenn es gewünscht wird“, sagte er.

Maschinengemeinschaft und Verschlauchen

In eine ähnliche Richtung gehen die Überlegungen in Hellmitzheim, wo die Landwirte bereits sehr erfolgreich in der Maschinengemeinschaft „Hellma“ zusammenarbeiten. Über „Gülleverschlauchung und Nährstofftransfair Hellmitzheim“ berichteten Herbert Weigand, Schweinehalter und Vorsitzender des MR Franken-Mitte, sowie Milchviehhalter Christian Schmidt.

Rund um Hellmitzheim herrsche ein hohes Pachtpreisniveau für Grenzertragsböden, berichteten die beiden. „Wir müssen die Lagune im Dorf lassen“, betonten sie und stellten ihre Vision der Gülleverschlauchung vor. Mit der Agrarservice Steigerwald GbR sei ein Dienstleister verfügbar, der die nötige Technik bereits hat. Die Idee ist, dass von jedem Stall aus die Gülle in einem Radius von 700 m verteilt wird.

Bedingung sei ein anerkannter NIR-Sensor. So könne der Gülletourismus in und um Hellmitzheim gestoppt werden. Im Dorf gebe es 1200 GV und 500 ha verschlauchbare Fläche. Selbst wenn nur die Hälfte der Güllejahresmenge im Frühjahr verschlauchen werden könnte, wären das rund 100 kg N/ha, rechneten sie vor. Die hohe Leistung im knappen Zeitfenster Frühjahr wäre ein großer Vorteil, die zeitliche Entlastung der Einzelbetriebe auch. Die NIR-Technik mache eine zwischenbetriebliche Abrechnung möglich. Die Akzeptanz der Bevölkerung und die effizientere Leistung wären weitere Vorteile.

Laut Weigand wäre eine Güllelagune von Vorteil, weil im Dorf 5000 bis 6000 m³ zusätzlicher Lagerraum nötig werden. Das Umpumpen vom Betrieb zur Lagune sei mit der Verschlauchung möglich. Er berichtete vom bereits bestehenden Gülletransfer. Statt Zupacht werde Gülle an Partnerbetriebe aus der HellMa abgegeben. Die Gülle werde dabei unentgeltlich ab Güllegrube überlassen, nur die Ausbringkosten fallen an.

Nährstoffe besser nutzen

Bernd Günther, Ackerbauer aus Fuchsstadt, berichtete über seine Praxiserfahrungen zum Thema „Der NIRS-Sensor – digitaler Schlüssel zur Optimierung von Pflanzenbau und Nährstoffmanagement“. Die Düngung nach Inhaltsstoffen bringe enorme Sicherheit. Die einzige Unsicherheit sei die N-Effizienz durch die Witterung. Als ackerbaulichen Quantensprung bezeichnete er das neue System, das rund 25.000 € kostet. „Die Politik darf nicht nur fordern, sondern muss auch liefern“, sagte er, weil die Umsetzung viel Geld und Aufwand koste.

„Welchen Wert hat Gülle? Wie setze ich sie in der Fruchtfolge am sinnvollsten ein? Wie nutze ich sie in der Bestandesführung?“ hinterfragte Dr. Hansgeorg Schönberger von der N.U. Agrar GmbH. Er sagte: „Organische Düngung ist gut, nicht nur was NPK anbelangt, sondern auch die Zufuhr von Enzymen für das Bodenleben.“