Forst

Dringender Hilferuf der Waldbesitzer

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Stephan Herbert Fuchs
am Mittwoch, 22.07.2020 - 08:00

Situation dramatisch wie nie. Großflächiges Waldsterben befürchtet.

Mit einem dramatischen Appell wenden sich die Verantwortlichen der Waldbesitzervereinigung (WBV) Bamberg derzeit an Politik und Öffentlichkeit. Ohne finanzielle und ideelle Unterstützung werde der Wald in Oberfranken großflächig absterben, so befürchten es die Fachleute. Erste Anzeichen dafür seien bereits nicht mehr zu übersehen.

„Es brennt, und zwar im übertragenen Sinne“, sagt Angelika Morgenroth, 1. Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Bamberg. Große Teile der Wälder, nicht nur im Raum Bamberg sondern in ganz Oberfranken sowie in Mittel- und Unterfranken, leuchteten rotbraun durch Schädlingsbefall und Trockenheit.

„Den Waldbesitzern brennt das Waldvermögen unter der Säge weg“, so Morgenroth und bei den Waldbesitzervereinigungen würden inzwischen die Telefonleitungen durchbrennen.

Die Geschwindigkeit überrascht

„Wenn das so weiter geht, werden wir in wenigen Jahren fast überall freie Bergkuppen sehen“, bestätigte auch der forstliche Berater Hans Peter Schreier vom Landwirtschaftsamt in Scheßlitz.

Zusätzlich werde die Situation durch den starken Wind und die heftige Sonneneinstrahlung beschleunigt. „Die Geschwindigkeit, mit der der Klimawandel zuschlägt, überrascht selbst Förster und Waldbesitzer“, so Schreier.

Viele Waldbesitzer seien in der Folge nicht mehr in der Lage, den vom Bayerischen Waldgesetz gebotenen Waldschutz bei Räumungskosten zu leisten. Die Kosten würden bei weitem die Erlöse durch den Holzverkauf überschreiten. Teilweise gebe es für verschiedene Sortimente überhaupt keinen Markt mehr.

Die Förderrichtlinien der Bayerischen Staatsregierung für waldbauliche Maßnahmen scheitern nach Ansicht der Beteiligten an den regionalen Problemen in Franken und sind einfach nicht oder nur schwer anwendbar.

Morgenroth und Schreier fordern deshalb ganz konkret ein Trockenprogramm für ganz Franken, ein Aufarbeitungsprogramm für die Kleinstprivatwaldbesitzer sowie stärkere personelle Unterstützung für die Forstverwaltung. Die WBV könne die Arbeit alleine nicht mehr leisten.

Den Waldumbau forcieren

„Jeder will den Wald nutzen, aber keiner will Verantwortung dafür übernehmen“, so Angelika Morgenroth. Eine Lehre, die Wald- und Forstexperten aus der derzeitigen Situation ziehen, lautet: „Wir müssen den Waldumbau forcieren.“

Unter dem Motto „Oberfranken brennt“ hat die WBV Bamberg zusammen mit den beiden Landtagsabgeordneten Martin Schöffel und Holger Dremel (beide CSU) vor kurzem auch ein Krisengespräch an der Windischlettener Linde durchgeführt.

Zahlreiche Funktionsträger und Waldbesitzer, auch aus benachbarten Amtsbereichen sowie ein Team des Bayerischen Fernsehens war dabei. Sie alle konnten an diesem markanten Punkt des Regierungsbezirks die „brennenden“, also abgestorbenen Bergkuppen vom Jura, über den Steigerwald, den Hassbergen, Thüringer Wald, Frankenwald und den Gottesacker des Maintals erkennen.

Allen Teilnehmern sei dabei schnell klar geworden: „So dramatisch war die Situation noch nie.“