Forst

Drama in den Wäldern

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Fritz Arnold
am Montag, 23.09.2019 - 12:43

Waldbesitzer-Präsident Georg von der Marwitz und Ex-Landwirtschaftsminister Christian Schmidt informieren sich im westlichen Mittelfranken.

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Es ist ein Drama, das sich derzeit in den heimischen Wäldern abspielt. Um sich ein Bild zu machen, wie es im trockenen westlichen Franken aussieht, holte der frühere Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt seinen Kollegen aus dem Bundestag, Georg von der Marwitz, den Präsidenten der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW), nach Franken.

Von der Marwitz findet die Waldbilder „erschreckend“, obwohl er ähnliche Waldschäden aus anderen Regionen Deutschlands und auch seiner Heimat in Brandenburg kennt. Wie schwierig die Situation für die Waldbesitzer und Forstleute ist, machte er damit deutlich, dass im Thüringer Wald, wo es Mischwälder gibt, die weithin als Vorbilder im Waldbau dargestellt wurden, inzwischen mehr Buchen als Fichten absterben.
Georg von der Marwitz verdeutlichte, dass es im Hinblick auf die Klimaszenarien entscheidend wichtig sei, dass die Wälder wie wir sie heute kennen, erhalten bleiben. Nur bewirtschafteter Wald speichert nach seinen Angaben CO2, und vor allem die Alterklasse zwischen 20 und 60 Jahren.
Laut Marwitz speichert der Wald rund 14 % des jährlichen Kohlendioxidausstoßes der deutschen Volkswirtschaft. Das seien 5 t CO2/ha. Bei einem aktuellen Preis eines Zertifikats im Emissionshandel von 25 €/t ergäbe dies eine Ökosystemdienstleistung von 125 €/ha Wald und Jahr. Eine solche Zahl für alle Eigentümer, die ihren Wald bewirtschaften, will der Präsident der Waldbesitzerverbände in die Gespräche in Berlin beim Klimagipfel einbringen.
Dies hält Marwitz auch vor dem Hintergrund für notwendig, dass bei dem zusammengebrochenen Holzpreis eventuell gerade noch die Arbeit für die Holzernte abgegolten wird, aber keinesfalls die in den Folgejahren anfallenden Kosten für die Neuanpflanzung, den Zaunbau und die Pflege in den ersten Jahren. Wie schwierig das ist, verdeutlichte Baudenbachs Bürgermeister Wolfgang Schmidt. „Weil es wegen des Verbisses durch Rehe nicht anders geht“, wurden nach dem Absterben der Kiefern die gepflanzten Jungbäumchen durch Wuchshüllen geschützt, die ihm, weil aus Plastik, unsympathisch sind. Doch fast durchweg wächst der Schwarzdorn schneller und macht die Mühe fast vergeblich, zeigte er auf. Marwitz hält es in der augenblicklichen Ausnahmesituation für unumgänglich, mit den Jägern anders zusammenzuarbeiten. Er schilderte aus seiner Heimat einen Fall, wo ein Waldbesitzer dem Jäger für jedes erlegte Reh einen Betrag bezahlt, weil pro Reh ein Schaden von 500 € entstehe. Paul Freiherr von und zu Frankenstein richtete an bayerische Politiker die Aufforderung, so wie in anderen Bundesländern auch, die Jagd auf Rehe bis 31. Januar zuzulassen. Die nach den Dürreschäden wieder aufzuforstende Fläche bezifferte Marwitz auf über 110 000 ha, die dem doppelten Areal des Bodensees entspricht. Die Kosten für die Räumung und Wiederaufforstung schätzt er auf 2,1 Mrd. €. In den Baumschulen seien dafür rund eine Milliarde Waldpflanzen 30 verschiedener Baumarten vorrätig.
Leitender Forstdirektor Dr. Ludwig Albrecht unterstrich, wie wichtig es sei, auf Vielfalt bei den Anpflanzungen zu setzen. Dazu gehörten je nach Bodenart auch bisher wenig verbreitete Arten wie Douglasie, Schwarznuss, Baumhasel und die Libanonzeder, die in Griechenland heimisch ist und deshalb den Frost aushält.
Nach den Kiefern- und Fichtenschäden ging es in den Eichenwald, denn der Befall mit Schwammspinnern war in diesem Jahr ein heiß diskutiertes Thema. Wie Dr. Ludwig Albrecht berichtete, waren von den 11 000 ha Eichenwald in seinem Amtsbereich rund 4000 ha vom Schwammspinner befallen. 400 ha in den am stärksten betroffenen Arealen wurden vom Hubschrauber besprüht. Die Aktion war von Naturschützern und Imkern vor Gericht gebracht worden. Dort wo nicht gespritzt wurde, wurden die Eichen zweimal und auch Douglasien kahlgefressen. Die Eichenblätter sind von Mehltau befallen. Gespannt sind die Forstleute, ob die Eichen nächstes Jahr den Kahlfraß weggesteckt haben. Oder ob sie absterben, wie jetzt schon einige.