Infrastruktur

Dorfladen - best of Regionalität

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Stephan Herbert Fuchs
am Montag, 25.02.2019 - 14:45

Neuer Dorfladen in Emtmannsberg setzt konsequent auf regionale Zulieferer

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Es ist mit 40 m² einer der kleinsten, aber dafür laut den Verantwortlichen auch einer der schönsten Dorfläden Bayerns: das kleine Geschäft, das vor Kurzem in der Ortsmitte der Gemeinde Emtmannsberg im Landkreis Bayreuth eröffnet wurde. Doch damit nicht genug: Der neue Dorfladen hat das Ziel, Regionalität konsequent umzusetzen. „Das ist unser Alleinstellungsmerkmal: Best of Regionalität“, sagt Gerhard Herrmannsdörfer, ehrenamtlicher Beiratsvorsitzender des Ladens und zugleich zweiter Bürgermeister von Emtmannsberg

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„Produkte regionaler Erzeuger erfolgreich vermarkten“, das wollten Gerhard Herrmannsdörfer und Dorfladenleiter Stefan Bauernfeind von Anfang an. So kommen zum Beispiel die Wurstdosen von der Metzgerei Steinlein in Zochenreuth, Frischwurst von den Metzgereien Parzen in Bayreuth und Lindner in Weidenberg sowie Backwaren von den Bäckereien Nitschke in Bayreuth und der Buchauer Holzofenbäckerei in Pegnitz. Den Ziegenkäse beziehen die Verantwortlichen von der Ziegenkäserei aus Würnsreuth, Saft und andere Getränke von der Obstkelterei Rauh in Lehen, Biosoßen von der Firma Alber aus Marktschorgast und Herods Fruchtgelee aus Kasendorf im Kulmbacher Land.
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Natürlich gibt es auch einen Grundbestand an Waren außerhalb des regionalen Sortiments, die der Großhandel zuliefert. Tiefkühlpizza zum Beispiel, oder einige „Gut-und-günstig-Produkte“ von Edeka. Aber das nur der Vollständigkeit halber. Schließlich soll der kleine Laden die Grundversorgung der Entmannsberger sicherstellen.
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Eine weitere Besonderheit sind die beiden Automaten vor der Eingangstür. Auch sie bieten alles zur Grundversorgung außerhalb der Ladenöffnungszeiten und das zu zivilen Preisen und ausschließlich aus regionaler Herkunft. Gerhard Hermannsdörfer kann an seiner App ablesen, dass in den ersten sieben Tagen seit der Eröffnung fast 900 Verkaufsvorgänge an den Automaten stattfanden. Nicht schlecht bei knapp 1000 Einwohnern im Dorf. Der Kloßteig war schon am ersten Wochenende ausverkauft. Selbst zu mitternächtlicher Stunde wurden schon einige Einkaufsvorgänge verbucht.
Wie in vielen kleineren Orten im Freistaat, gab es auch in Emtmannsberg nahe der Bayreuther Stadtgrenze früher einen Lebensmittelladen. Doch auch hier ließ sich der allgemeine Konzentrationsprozess nicht aufhalten. Mit dem Vorhaben, das ehemalige Schloss mitten im Ort zu sanieren, umzubauen und einer Nutzungsänderung zuzuführen, ergab sich auch die Möglichkeit, im Erdgeschoss des Gebäudes einen Dorfladen vorzusehen. Im ersten Stock tagt nun auch der Gemeinderat, hier sollen künftig Trauungen möglich sein und nebenan eröffnet in diesen Tagen eine Gaststätte. Konkret begonnen wurde das Vorhaben „Schlosssanierung“ nach langen planerischen Voruntersuchungen im Herbst 2013 mit der Vergabe der Architekturleistungen. Die eigentlichen Bauarbeiten begannen dann im Mai 2016.
Um die Einrichtung des im Rahmen der Schlosssanierung vorgesehenen Dorfladens konkret anzugehen, wurde, nach anfänglichen Besprechungen im Dezember 2017 im Gemeinderat, ein Arbeitskreis gegründet. Fragen wie „Wer möchte wann im Emtmannsberger Dorfladen einkaufen“, „Welche Produkte werden dort erwartet“ oder „Wer wäre bereit, in einem Dorfladen aktiv mitzuarbeiten“, standen dabei im Mittelpunkt und wurden von rund 300 Bürgern beantwortet.
Der Dorfladen Emtmannsberg wurde im Februar 2018 als Unternehmergesellschaft (UG) gegründet. Ein gewählter Beirat übt Überwachungs- und Kontrollfunktionen aus und bestellt den Geschäftsführer. Die Unternehmensbeteiligung ist mit einer einmaligen Einlage in Höhe von mindestens 250 € möglich. Aktuell liegt die Gesamtsumme der gezeichneten Anteile bei gut 35 000 €. Sofern Gewinne erwirtschaftet werden, können diese auch in Form von Warengutscheinen an die stillen Gesellschafter nach vorheriger Beschlussfassung ausgeschüttet werden.
Mit Stefan Bauernfeind, gelernter Landwirt und zuletzt rund 20 Jahre lang im Einzelhandel tätig, gibt es einen einzigen hauptamtlichen Mitarbeiter. Zusammen mit 30 ehrenamtlichen Kräften werden die Öffnungszeiten abgedeckt. „Die Bereitschaft zur ehrenamtlichen Mitarbeit ist deswegen so hoch, weil die Menschen die Sehnsucht haben, wieder einen Laden im Dorf zu haben“, sagt Gerhard Hermannsdörfer. Insgesamt sei für den Dorfladen ein Investitionsvolumen von rund 100 000 € notwendig gewesen. Neben den rund 35 000 € Beteiligung seitens der Bürgerschaft kamen 20 000 € von der Gemeinde, an die wiederum 200 € Miete im Monat bezahlt werden müssen. An Förderung aus dem europäischen Leader-Programm, das modellhaft innovative Projekte im ländlichen Raum unterstützt, wird mit 30 000 € gerechnet. Der Rest musste als Darlehen aufgenommen werden.
Der neue Dorfladen am Schloss hof 10 in Emtmannsberg ist von Mittwoch bis Freitag zwischen 6.30 und 12 Uhr sowie zwischen 16 und 19 Uhr geöffnet. Samstag ist von 7 bis 13 Uhr offen. Stephan Herbert Fuchs