Austausch

Direktkandidaten stellten sich vor

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Gabi Bertram
am Freitag, 23.07.2021 - 12:08

Der BBV Coburg lädt die Kandidaten für die Bundestagswahl zum Kennenlernen ein. Die Landwirte haben sich auf das Gespräch gut vorbereitet.

Coburg Der BBV-Kreisverband Coburg hatte am Freitagabend die Direktkandidaten der Parteien für die Bundestagswahl zu einer Podiumsdiskussion ins Gustav-Dietrich-Haus eingeladen. An diesem Abend heißt es für die Neulinge: Sich vorstellen, zuhören, Fragen stellen. Und: Man wollte, so BBV-Kreisobmann Martin Flohrschütz, „keine heruntergebeteten Parteiprogramme hören“.

Im Podium Platz genommen haben: Ramona Brehm (SPD), Rainer Möbus (Freie Wähler), Jens-Uwe Peter (FDP), Jonas Geissler (CSU), Sebastian Görtler (AfD), Johannes Wagner (Grüne) und Ulf Wunderlich (Linke). Dass eine Schornsteinfegerin, ein Unternehmer, ein Mediengestalter, ein Rettungsassistent oder ein Kinderarzt Ein- und Durchblick bei aller Komplexität der Agrarpolitik haben, meint Flohrschütz, würde keiner erwarten, zumal die Bauern mit ihren Problemen immer wieder gegen Windmühlen kämpften.

Den Fragebogen auf dem Tisch beantwortet Martin Flohrschütz selbst. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis Coburg ist von 256 im Jahr 1999 auf 185 in 2016 zurückgegangen, die Zahl der Rinderhalter im gleichen Zeitraum von 423 auf 256, der Anteil der Nebenerwerbsbetriebe liegt bei über der Hälfte. Immer wieder neuerlich steigende Auflagen bei Düngung, Tierwohl oder Immission könnten vor allem kleinere Höfe nicht mehr stemmen, hohe Investitionen nicht tätigen, weil einfach die Planungssicherheit fehle. „Vermeiden Sie es zu sagen, dass Sie kleinere Betriebe gefördert haben wollen. Das hören wir seit 20 Jahren“, sagt Flohrschütz.

In den Statements der Kandidaten wird der Fokus aufs Handwerk und aufs Konsumverhalten der Endverbraucher gelegt (Ramona Brehm), auf Kultur, Bildung und soziales Miteinander (Rainer Möbus), auf Planbarkeit und Verlässlichkeit der Politik (Jens-Uwe Peter), auf Wertschätzung für Landwirtschaft (Jonas Geissler), auf Klimakrise und fehlende Weitsichtigkeit (Johannes Wagner), auf mehr soziale Gerechtigkeit (Ulf Wunderlich). Von Agrarpolitik keine oder wenig Ahnung zu haben, gestehen Geissler und Görtler.

Die Landwirte ihrerseits haben sich gut vorbereitet. Harald Reblitz spricht über seinen Biomilchviehbetrieb, über die Milchwerke Oberfranken-West, deren Vorstandsvorsitzender er ist, aber auch über eine EU-Bioverordnung zum Weidebetrieb, die für viele Betriebe nicht umsetzbar ist. Politische Entscheidungen, meint BBV-Kreisgeschäftsführer Hans Rebelein, würden nach 98 Prozent Verbrauchern und nicht nach zwei Prozent Landwirten getroffen. Johannes Wagner (Grüne) fordert ehrliche Politik.

Axel Backert, der in Ottowind Schweinehaltung betreibt, spricht über den Rückgang bei den Ferkelerzeugern, weil fehlende Umsätze Investitionen unmöglich machten und über die Konsequenzen des Schwanzkupierverbots bei Ferkeln. Und fragt, wie der Landwirt bei sich ständig verändernden Auflagen in der Nutztierhaltungsverordnung langfristig planen soll. Sind die bäuerlichen Strukturen in der Region in Gefahr, so Flohrschütz, würde auch deren Identität verloren gehen. Über konventionelle Milchviehhaltung spricht Jürgen Angermüller und klagt an: „Der Lebensmitteleinzelhandel treibt die Politik vor sich her.“ Kreisbäuerin Heidi Bauersachs fordert mehr Wertschätzung für die Landwirtschaft und Vertrauen seitens der Politik in einen bestens ausgebildeten Berufsstand. Klimawandel, Waldumbau und Aufforstung sind Themen für Wolfgang Schultheiß, Vorsitzender der Waldbauernvereinigung Coburger Land.