Studium

Digitale Lehre über zwei Kontinente

Triesdorf-Postgraduiertenkurs_LF
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Externer Autor
am Dienstag, 07.07.2020 - 11:35

Online-Lernen im Postgraduiertenkurs „Foodchains in Agriculture“

Ein Flug, etwa von Addis Abeba, Ikeja oder Lusaka, dann eine Busfahrt, schließlich Ankunft im mittelfränkischen Hochschulstandort Triesdorf. So hätte Anfang Mai für 25 Masterabsolventinnen und -absolventen aus elf verschiedenen afrikanischen Ländern die Reise gehen sollen. Ihr Plan war, am Campus Triesdorf der HSWT am Postgraduiertenkurs `Food Chains in Agriculture´ teilzunehmen: Fünf Monate praxisnahe Weiterbildung mit Fachleuten aus der Agrarbranche und verwandten Bereichen sowie mit Dozentinnen und Dozenten der HSWT. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer entwickelte vorab eine eigene Projektidee im Agrarbereich, die nach dem Kurs im Heimatland umgesetzt wird.
Die zwölf Frauen und dreizehn Männer hatten alles geplant – und dann blieben die Flugzeuge wegen der Corona-Pandemie am Boden. Auf der anderen Seite des Mittelmeers fragten sich die Dozentinnen und Dozenten sowie das gesamte Team des Postgraduiertenkurses: Wie die Lehre umsetzen, wenn zwischen Hochschule und Lernenden tausende von Kilometern liegen?

Digitales Lernen im Test

Den Kurs streichen wollte man nicht, denn zum einen hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Arbeits- und Privatleben bereits alles organisiert und zum anderen sollten sie ihre Projektideen im vorgesehenen Zeitplan umsetzen können. Nachdem die Dozentinnen und Dozenten in den regulären Studiengängen der HSWT in den vergangenen Wochen bereits gute Erfahrungen mit digitalen Lehrformen gemacht hatten, beschloss das Team um Prof. Dr. Ralf Schlauderer, Leiter der HSWT International School, den Postgraduiertenkurs ebenfalls digital zu probieren. So groß die Enttäuschung darüber war, vorerst nicht wie vorgesehen nach Deutschland reisen zu können, konnte es dank der Online-Lehre nun doch wenigstens mit dem Programm losgehen. Gemeinsam entschied man, die digitale Lehre in den kommenden zwei Monaten zu testen. Wie es danach weitergeht, hängt wie so vieles derzeit von der Entwicklung der Pandemie ab.
Anfang Mai begrüßten die Projektverantwortlichen an der HSWT, darunter Prof. Dr. Ralf Schlauderer, Dr. Bernd Müller sowie der Vizepräsident für Internationales und Diversity Prof. Dr. Carsten Lorz gemeinsam mit Bärbel Sagi von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und Dr. Georg Bokeloh, externer Dozent innerhalb des Programms, die Postgraduierten in einem Livestream. Die Bedenken, dass die Übertragungsqualität wegen mangelnder Internetbandbreite mancherorts zu gering sei, bestätigten sich erfreulicherweise nicht.
In den kommenden Wochen werden zunächst hochschulexterne Dozentinnen und Dozenten von Organisationen, Verbänden und Unternehmen in Liveübertragungen via Videochat ihre Inhalte lehren. Die Online-Seminare werden aufgezeichnet, sodass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sie auch nachträglich jederzeit abrufen können. Darüber hinaus stellt jede und jeder Dozierende Lernmaterialien online zur Verfügung, beispielsweise als vertonte PowerPoint-Präsentation oder in Form von Literaturzusammenstellungen.
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Vielversprechender Start

„Es ist super, dass es mit den Live- schaltungen klappt“, freut sich Dr. Bernd Müller, als Wissenschaftler in der Koordination des Postgraduiertenkurses tätig. Mit dem ein oder anderen Kleinkind im Hintergrund, zeitweise geräuschvolleren Arbeitsumgebungen oder minimalen Verzögerungen in der Tonübertragung seien die Herausforderungen weitestgehend dieselben wie bei vielen anderen Videokonferenzen dieser Tage. „Ganz klar: Es wäre schöner, wenn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort in Triesdorf wären“, sagt Müller. „Aber wir finden gemeinsam einen Rhythmus und es beginnt wirklich sehr vielversprechend.“
Bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern kommt das alternative Online-Angebot gut an. „Ich schätze die Flexibilität und die Bemühungen des Teams, das Postgraduiertentraining zu ermöglichen“, so die Masterabsolventin Yousra Soua aus Tunesien. So sieht es auch die überwiegende Mehrheit ihrer Kommilitoninnen und Kommilitonen. Sorgen machen hier und da wackelige Internetverbindungen oder zeitliche Engpässe vor Ort. Den Beginn des Programms verschieben wollte jedoch niemand. Einen Teil des Kurses werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem späteren Zeitpunkt garantiert in Deutschland verbringen, das hat die GIZ zugesichert.